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SI Opener: Mehr Klarheit darüber, was ESG-Integration tatsächlich bedeutet

Bei Robeco integrieren wir die Aspekte Umwelt, Gesellschaft und Governance (ESG) seit 2010 in unsere Investments. Seit vielen Jahren sind wir fest überzeugt, dass die Integration wesentlicher ESG-Aspekte bei unseren Investments zu besseren Anlageentscheidungen führt. Die meisten Anbieter in der Finanzbranche sind dem mittlerweile gefolgt und nehmen ebenfalls in Anspruch, ESG-Aspekte bei einem Großteil der von ihnen verwalteten Anlagen einzubeziehen. Robeco | 25.10.2021 10:00 Uhr
Masja Zandbergen - Albers, Head of sustainability Integration, Robeco / © Robeco / e-fundresearch.com
Masja Zandbergen - Albers, Head of sustainability Integration, Robeco / © Robeco / e-fundresearch.com

Angesichts verschärfter Regulierung und der Notwendigkeit, bei der Verwendung des Begriffs nachhaltiger Geldanlage präziser zu sein, schlug ein kürzlich auf Bloomberg erschienener Artikel vor1, dass einige Assetmanager den Sammelbegriff „ESG Integrated“ nicht länger verwenden. Ich bin strikt dagegen, vertrete aber die Auffassung, dass der Begriff richtig verwendet werden sollte, wie das die Principles for Responsible Investment (PRI)-Initiative seit mehr als 15 Jahren tut.

Warum aufhören, über ESG-Integration zu sprechen?

Anstatt das Kind mit dem Bad auszuschütten und nicht länger über ESG-Integration zu sprechen, ist es meines Erachtens wichtig zu analysieren, weshalb das überhaupt vorgeschlagen wird. Ich glaube, dass eines von zwei Dingen geschieht.

  1. Mit dem Begriff ESG-Integration wird impliziert, dass Anlagestrategien nachhaltig sind. Dies ist aber nicht immer der Fall.
  2. Viele Anleger geben an, dass sie ESG-Aspekte integrieren, können es aber nicht nachweisen. Das hat zu Greenwashing geführt.

Wie ich in meiner Kolumne über Greenwashing im Jahr 2019 schrieb2, hilft die strukturelle Integration von ESG-Informationen in den Investmentprozess unseren Teams dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Dadurch wird allerdings das Anlageuniversum nicht verkleinert und unsere Portfoliomanager können nach wie vor auch in Unternehmen mit niedrigen ESG-Scores investieren, solange die damit verbundenen Risiken in der Marktbewertung mehr als ausreichend berücksichtigt sind.

Diese Art der Integration von ESG ist in der Umsetzung zwar weit schwieriger und grundlegender als die bloße Nutzung von ESG-Scores zur Einengung des Anlageuniversums. Doch wird sie häufig nicht als nachhaltige Strategie klassifiziert. Kunden, die in Sustainable- oder Impact-Strategien investieren wollen, wünschen schlicht keine Anlage in Firmen mit „schlechtem“ ESG-Profil, selbst wenn dieses bereits vom Aktienkurs reflektiert wird. Demnach vertrete ich die Ansicht, dass wir weiterhin auf ESG-Integration Bezug nehmen sollten, aber auf die hier beschriebene richtige Weise.

Wir bei Robeco integrieren ESG-Aspekte ausdrücklich bei der Analyse der Bewertungen auf der Aktienseite, in unseren fundamentalen Scores bei Unternehmensanleihen und in unseren Länderanalysen für Anlagen in Staatsanleihen. Da all dies sich in unseren Investment Cases widerspiegelt, können wir tatsächlich nachweisen, dass wir ESG strukturell integrieren. In diesen Fällen erfolgt auch eine Qualitätskontrolle, um sicherzustellen, dass unser Ansatz angemessen ist. Wir haben sogar den Versuch unternommen, den Mehrwert unseres Ansatzes nachzuweisen3.

Wir werden häufig um den Nachweis gebeten, dass es funktioniert. Das ist allerdings nicht einfach, da die ESG-Integration damit vergleichbar ist, Zucker in Tee zu tun. Sobald man die Tasse umrührt, kann man den Zucker nicht mehr vom Tee unterscheiden. Er schmeckt bloß besser. Man kann den Zucker nicht länger isolieren, sobald er sich aufgelöst hat. Meines Erachtens gilt das auch für die ESG-Integration. Wenn man angibt, dass man ESG-Aspekte bei der Anlageentscheidung einbezogen hat, aber keine Dokumentation des Effekts auf die erfolgte Bewertung oder fundamentale Einschätzung vorgenommen hat, ist es schwierig nachzuweisen, dass man den Zucker hinzugefügt hat. Deshalb wird es schwieriger bleiben, über ESG-Integration zu sprechen.

Das Konzept der doppelten Relevanz

Ich meine, dass genauer untersucht werden sollte, was Sustainable- und Impact-Investments wirklich sind. Wichtig ist insbesondere eine größere Transparenz im Hinblick darauf, was im Investmentprozess gemacht wird und was nicht. In dieser Hinsicht erfüllt der EU-Finanzplan seinen Zweck. Er verwendet das Konzept der doppelten Relevanz. Dieses Konzept ist keineswegs neu und zielt auf den Zweck von Sustainable und Impact Investing ab.

Aus meiner Sicht sollte bei jeder nachhaltigen Anlagepolitik stets die Frage nach dem „Warum“ im Mittelpunkt stehen. Versuchen wir ein besseres Anlageergebnis zu erzielen? Wollen wir bestimmte Anlagen aus Reputationsgründen vermeiden? Versuchen wir, die Welt zu verbessern, oder treffen alle drei Gründe zu? Erst, wenn das geklärt ist, kann die Frage nach der Umsetzung beantwortet werden. Um bessere Anlageentscheidungen zu treffen, ist die ESG-Integration das Instrument. Es ist aber kein Instrument dazu, die Welt zu verändern oder einen negativen Effekt zu vermeiden. In der untenstehenden Grafik wird der Unterschied erklärt zwischen ESG-Integration und Impact Investing, das klar darauf ausgerichtet ist, einen gesellschaftlichen Nutzen zu erzielen.


ESG-Integration versus Sustainable- und Impact-Investing

Die ESG-Integration erfolgt nach allgemeiner Definition letztlich schlicht aus finanziellen Motiven. Sustainable Investing dagegen kann aus verschiedenen Gründen erfolgen. Einige Kunden wollen einfach nicht in kontroverse Geschäftsbereiche oder kontroverse Unternehmen investieren. Sie wollen lieber in Unternehmen oder Ländern anlegen, die in punkto Nachhaltigkeit gut abgeschnitten haben.

Andere wollen von nachhaltiger Entwicklung profitieren, indem sie in Firmen investieren, die Lösungen für bestimmte Nachhaltigkeitsthemen wie Klimawandel, Ungleichheit oder bessere Gesundheit usw. entwickeln. Oder Sie beabsichtigen, einen positiven Effekt zu erzielen. Diese Ziele sind an Impact Investing geknüpft. Da sich die Ziele von Endanlegern unterscheiden können, besteht Spielraum für die Existenz unterschiedlicher Strategien nebeneinander. Wir als Assetmanager mit globaler Kundschaft müssen unseren Kunden Fonds und Lösungen anbieten, die zu ihren Bedürfnissen anpassen.

Allerdings werden die Standards laufend erhöht. So kann das, was heute als nachhaltig gilt, in Zukunft möglicherweise als nicht nachhaltig angesehen werden. Deshalb müssen wir unsere Angebote laufend anpassen – mit neuen Ausschlussbereichen, neuen Themen für ein Engagement und höheren Standards im Rahmen unserer Systematik, die auf positive Beiträge zu den Sustainable Development Goals (SDGs) ausgerichtet ist. Das führt zu echtem Sustainable- und Impact-Investing, und nicht zu dem, was einige Leute dafür halten.

Masja Zandbergen - Albers, Head of sustainability Integration, Robeco

1 (BN) Fund Managers Start Axing ESG Buzzword as Greenwash Rules Bite, 29.09.2021
2https://www.robeco.com/en/insights/2019/05/sustainable-investing-how-to-avoid-greenwashing.html
3https://www.robeco.com/en/insights/2020/01/from-alchemy-to-gold-how-esg-adds-value-in-a-robeco-fund.html

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