Können passive Anleger Nachhaltigkeit ohne Abstriche bei Rendite oder Diversifikation integrieren?

In diesem dritten Artikel aus der „Indices Insights“-Serie beleuchten wir, wie die Integration von Nachhaltigkeit eine verfügbare Option für passive Anleger sein kann. Wir zeigen, dass Verringerung des CO2-Fußabdrucks und SDG-Integration ohne Abstriche bei den finanziellen Zielen von Anlegern umsetzbar sind. Robeco | 01.04.2022 14:01 Uhr
© Photo by Jean-Louis Paulin on Unsplash
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Einer der Hauptvorteile des passiven Investierens besteht darin, dass solche Strategien Marktindizes abbilden, welche den Anlegern bei ihrem Streben nach Vereinnahmung einer Aktienprämie eine breite Diversifikation bieten. Davon losgelöst ist Nachhaltigkeit für viele Anleger mittlerweile ein wichtiger Aspekt, auch für solche, die sich für den passiven Weg entscheiden.

In den beiden vorangegangenen „Indices Insights“-Artikeln analysierten wir, wie unterschiedliche Nachhaltigkeits-Ratings im Einklang mit wertebasierten Ausschlüssen und thematischen Impact-Fonds stehen können. Wir kamen zu dem Schluss, dass für Anleger, die ihre Portfolios auf positive Impacts ausrichten, SDG-Scores nützlicher sind als ESG-Ratings. In diesem Artikel werden wir aus der Investmentperspektive einen genaueren Blick auf die Implikationen der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in passive Lösungen werfen.

Häufig wird die Sorge geäußert, dass ein selektiver vorgehender Investmentansatz wie die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten wahrscheinlich zu niedrigeren Renditen und geringerer Diversifikation führt. So ist es eine zentrale Frage, ob das Risiko/Rendite-Profil bei passiven Anlagen nur durch Investitionen in alle Indexbestandteile erreicht werden kann oder ob ein selektiver Ansatz – beispielsweise durch Ausschluss CO2-intensiver Emittenten oder Unternehmen mit negativem Beitrag zu den SDGs – ebenfalls ausreichend sein kann.

Drei unterschiedliche passive Lösungen, aber ähnliche Ergebnisse

Bei der entsprechenden Analyse führten wir eine Reihe von Simulationen durch, bei denen wir Nachhaltigkeitsfilter anwendeten. Insbesondere bildeten wir Portfolios, die Positionen in Subbranchen mit dem ausgeprägtesten CO2-Fußabdruck oder Anlagen in Aktien meiden, die sich negativ auf die SDGs auswirken. Die Wertentwicklung dieser alternativen nachhaltigen passiven Lösung verglichen wir mit derjenigen von Portfolios ohne Einschränkungen, die sowohl in „braune“ als auch „grüne“ Branchen investieren können.

Grafik 1 | Rendite, Risiko und Diversifikation sind bei allen drei passiven Lösungen praktisch identisch

Quellen: FTSE, MSCI, Robeco. Der Betrachtungszeitraum reicht von Januar 1986 bis November 2021.

Wie in Grafik 1 dargestellt ist, fanden wir heraus, dass ein einfacher auf CO2-arme Emittenten (blau gepunktet) oder solche mit positivem SDG-Beitrag (orange gepunktet) ausgerichteter Ansatz in der Vergangenheit nicht zu geringeren Renditen als der Marktindex (schwarz gepunktet) geführt hätte. Auch die Risikoniveaus der drei passiven Lösungen waren dieselben. Die Effizienzlinien repräsentieren die Kombination optimaler Portfolios, die für eine vorgegebene Volatilität den höchsten Ertrag ergaben. Somit veranschaulicht die Grafik, dass die potentiellen Diversifikationsvorteile bei einem selektiveren Ansatz mit Integration von Nachhaltigkeit (Low Carbon-Frontier und SDG-Frontier) praktisch denen eines unbeschränkten Ansatzes (Unrestricted Frontier) entsprechen.

Daten und Methodik

Für unsere Analyse verwendeten wir die monatlichen USD-Renditen der Bestandteile des FTSE World Developed Index (vor Januar 2001) und des MSCI World Index für den anschließenden Zeitraum. Der Gesamtzeitraum für unsere Untersuchung reichte von Januar 1986 bis November 2021. Für jeden Monat bildeten wir kapitalisierungsgewichtete Subbranchen-Portfolios basierend auf der GICS1 -Klassifizierung der Aktien.

Die Subbranchen-Klassifizierung ist bei der GICS-Methodik am kleinteiligsten. Sie resultierte in 158 unterschiedlichen Portfolios zum Ende unseres Betrachtungszeitraums. Allerdings haben bestimmte Subbranchen nicht schon über den gesamten Zeitraum existiert, während andere verschwunden sind. Außerdem gab es in einigen Fällen keine Aktien mit hoher oder mittlerer Marktkapitalisierung, die zu einer Subbranche gehörten. Daher verwendeten wir für die Monate, in denen keine Renditen auf Subbranchen-Ebene verfügbar waren, das Ergebnis des Marktindex.

Allen Subbranchen ordneten wir SDG-Scores auf Basis der SDG-Systematik von Robeco zu. Diese Systematik stellt einen transparenten, objektiven, konsistenten und wiederholbaren Ansatz zur Messung der Beiträge von Unternehmen zu den 17 SDGs dar. Unsere Methode lieferte eine grundsätzliche Einschätzung der produzierten Güter und/oder erstellten Dienstleistungen eines Unternehmens und ihres Effekts auf die SDGs.

Subbranchen, die einen positiven Effekt haben, erhalten SDG-Scores von +1 bis +3 (leicht positiv bis sehr positiv) je nach Stärke und Qualität ihres Beitrags. Positive Beiträge können beispielsweise in Bezug auf Gesundheit, Medizin und Wasser bestehen. Entsprechend erhalten Subbranchen mit negativem Effekt SDG-Scores von -1 bis -3 (leicht negativ bis sehr negativ) in Abhängigkeit des Ausmaßes ihrer nachteiligen Wirkung. Negative Beiträge können sich beispielsweise aus den Bereichen Glücksspiel, Fast Food und Schiefergas ergeben. Im Rahmen unserer Analyse nahmen wir an, dass die SDG-Scores über den gesamten Beobachtungszeitraum unverändert sind.

Für den Zweck unserer Untersuchung mieden wir bei der Konstruktion der SDG-bewussten Portfolios jedes Exposure gegenüber Subbranchen mit negativen SDG-Scores. Außerdem ordneten wir zunächst alle Branchen gemäß ihren CO2-Fußabdruck am Ende unseres Beobachtungszeitraums an. Anschließend schlossen wir bei der Konzeption der CO2-armen Portfolios die Subbranchen mit den höchsten Emissionen aus. Dabei nahmen wir an, dass Subbranchen, die heute hohe CO2-Emissionen aufweisen, dies auch in der Vergangenheit taten.

Anschließend simulierten wir für die Gesamtheit die Rendite und die Volatilität: für jedes kapitalisierungsgewichtete Subbranchen-Portfolio, für den Marktindex (kapitalisierungsgewichtete Kombination der Subbranchen), den CO2-armen Index (Marktindex ohne Subbranchen mit hohem CO2-Fußabdruck) und den SDG-Index (Marktindex ohne Subbranchen mit negativen SDG-Scores).

Des Weiteren bildeten wir drei unterschiedliche Effizienzlinien (siehe Grafik 1). Die „Unrestricted Frontier“ basiert auf dem vollständigen Anlageuniversum. Die „Low Carbon-Frontier“ basiert auf einer stärker eingegrenzten Auswahl, da sie kein Exposure gegenüber Subbranchen mit hohem CO2-Fußabdruck aufweist. Die „SDG-Frontier“ basiert auf einer stärker eingeschränkten Gruppe, da sie Subbranchen mit negativem SDG-Beitrag ausschließt. Gebildet wurden sie anhand der historischen Subbranchen-Renditen, weshalb sie auf dem Wissen von heute basieren. Wichtig ist auch die Feststellung, dass die „Restricted Frontiers“ („Low Carbon“ und „SDG“) definitionsgemäß nicht oberhalb oder links der „Unrestricted Frontier“ liegen können.

Fazit

Aus den Ergebnissen unserer Analyse schließen wir, dass die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten als Anlagebeschränkungen auf lange Sicht zu Risiko/Rendite-Charakteristika und Diversifikationsvorteilen führen kann, die denjenigen von passiven kapitalisierungsgewichteten Indizes entsprechen. Deshalb sind wir der Ansicht, dass Nachhaltigkeitsaspekte wie die Verringerung des CO2-Fußabdrucks und die SDG-Integration auch passiven Anlegern offenstehen.

In den nächsten Artikeln aus der Serie „Indices Insights“ untersuchen wir näher die Effekte der Nachhaltigkeitsintegration im Kontext eines Factor Investing-Ansatzes im Vergleich zu einem passiven Anlageprodukt. Konkret analysieren wir dabei zunächst die Implikationen der Anwendung von Nachhaltigkeitsfiltern auf die Faktorcharakteristika des investierbaren Universums. Anschließend untersuchen wir, ob die Anwendung solcher Filter zu niedrigeren erwarteten Faktorprämien führt und, falls ja, in welchem Ausmaß.

1 Der Global Industry Classification Standard (GICS) ist eine Branchen-Taxonomie, die von MSCI und Standard & Poor's entwickelt wurde. Es handelt sich um eine hierarchische Branchenklassifikation mit vier Ebenen.

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