Zugegebenermassen verlangsamt sich das Wachstum in den Schwellenländern, vor allem in Lateinamerika. Die Wachstumsdifferenz zwischen denSchwellen- und den Industrieländern ist nach wie vor positiv, hat allerdings abgenommen.
Angesichts des starken Rückgangs der Energiepreise scheinen sich allerdings die Unterschiede zu vergrössern, was die finanzielle Situation der Volkswirtschaften vieler Schwellenländer betrifft. Exportierenden Herstellern und Energieimporteuren wie der Türkei, Korea und Indien nutzt der Rückgang der Energiekosten, wohingegen Rohstoffexporteure, insbesondere aus Lateinamerika, in Schwierigkeiten geraten. Daneben sind Hersteller auch besser positioniert, um von der Entwicklung der US-Wirtschaft zu profitieren, die momentan der einzige Motor des weltweiten Wachstums ist.
Nachdem Schwellenmarktwährungen in den vergangenen drei Jahren nahezu ein Fünftel an Wert verloren haben, sind sie mittlerweile zwei Standardabweichungen von dem gemäss unserem Modell fairen Wert entfernt – der historisch niedrigste Stand. Das bedeutet, dass bei Schwellenmarktwährungen mittelfristig Spielraum für eine Erholung besteht, was Lokalanleihen angesichts eines hohen Carry und niedriger Bewertungen attraktiv macht. Bei brasilianischen und türkischen Lokalwährungsanleihen halten wir eine Long-Position, während wir beiden Währungen Südafrikas, der Türkei und Indiens taktische Long-Positionen eingegangen sind.
Im Gegensatz dazu sind die Aussichten für Investment-Grade-Anleihen weniger erfreulich. Nachdem der Renditespread zwischen erstklassigen europäischen Anleihen und Benchmark-Staatsanleihen der Eurozone – gemessen am Barclays Euro Aggregate Corporate Index – auf lediglich rund 70 Basispunkte gesunkeni st, erscheinen die Bewertungen überzogen. Daher reduzieren wir europäische Investment-Grade-Anleihen auf eine leichte Untergewichtung. Bei hochverzinslichen Anleihen bleiben wir neutral. Hier ist die Volatilität aufgrund der sich verschlechternden Liquidität gestiegen. Zudem sind Anleger in Bezug auf das Bonitätsrisiko bei Unternehmen ohne Investment-Grade-Rating vorsichtig geworden.
Wir halten an unserer Untergewichtung bei Staatsanleihen fest, deren Renditen bereits sehr niedrig sind und in deren Bewertungen die Wachstumsverlangsamung und die schwächere Inflation gemessen an unseren Prognosen zu stark eingepreist sind.