Wie können wir unsere Wälder am besten erhalten und schützen? Indem wir sie einfach wachsen lassen oder aktiv eingreifen?

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung verbessert die Fähigkeit der Bäume, Kohlenstoff zu binden, und gewährleistet gleichzeitig eine konstante und einträgliche Bereitstellung des nachhaltigen Rohstoffs Holz. Pictet Asset Management | 02.04.2025 10:11 Uhr
© Pictet Asset Management
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Von Fichten und Kiefern bis hin zu Buchen, Eichen und Birken – Deutschland beherbergt eine Vielzahl von Waldarten, die ein Drittel der Fläche des Landes bedecken.

Ein gesundes Bild, so scheint es, bis man feststellt, dass 2 Millionen Hektar, d. h. fast 20% der Fläche, heute unter Hitze, Dürre, Schädlingen und Waldbränden leiden.1

In der Mitte Deutschlands ist mehr als die Hälfte des Walds stark geschädigt, während es 2017 nur 9 Prozent waren.2

Leider ist Deutschland nicht das einzige Land, das solche Probleme hat. In vielen Teilen der Welt schrumpft die Waldfläche rapide, was die Fähigkeit der Wälder, Kohlenstoff zu speichern, beeinträchtigt und sie mitunter sogar zu einer Netto-Emissionsquelle macht.

Normalerweise nehmen Bäume während ihres Wachstums Kohlenstoff auf und geben ihn wieder an die Atmosphäre ab, wenn sie sterben. Aber das Sterben der Bäume, egal ob durch Abholzung, Waldbrand oder andere Ursachen, bedeutet, dass sie mehr Treibhausgase freisetzen als sie aufnehmen.

Dieses Problem hat Wissenschaftler, Umweltaktivisten, Landbesitzer und Forstfachleute dazu veranlasst, sich gemeinsam für den Schutz und die Wiederherstellung von Waldgebieten stark zu machen.

Aber das ist auch schon alles, worin man sich einig ist. Die verschiedenen Gruppen sind sich zum Teil sehr uneins, wie die Gesundheit der Wälder am besten wiederhergestellt werden kann.

„Wir befinden uns an einem Kipppunkt. Aufgrund des Klimawandels und falscher Bewirtschaftung fangen einige Waldbiome an, mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre abzugeben als zu binden“, sagt Christoph Butz, Senior Investment Manager für Themenaktien bei Pictet Asset Management.

„Das führt zu einer großen Debatte darüber, ob die Wälder sich selbst überlassen werden sollen oder ob der Mensch eingreifen soll.“

Viele Naturschützer befürworten einen progressiven Renaturierungsansatz – die Wälder in Ruhe zu lassen und es der Natur zu überlassen, sich selbst zu regulieren. Dieser Ansatz wurde ursprünglich in den 1990er Jahren entwickelt und hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Er hat aber nach dem Scheitern einiger vielbeachteter Projekte auch eine Kontroverse ausgelöst.

Die Alternative zur Renaturierung besteht darin, aktiv einzugreifen.

Dazu gehört eine aktive und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder, um eine stetige und ertragreiche Holzversorgung zu gewährleisten und gleichzeitig ihre Fähigkeit zur Kohlenstoffbindung und ihre anderen Funktionen im Ökosystem wie Wasserfilterung, Bodenregeneration oder Hochwasserschutz zu verbessern.

Wir befinden uns an einem Kipppunkt ... Einige Waldbiome fangen an, mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre abzugeben als zu binden.

„Wir müssen etwas tun.“

Beide Strategien haben Vor- und Nachteile, je nach Standort, Lebensräumen, Baumarten und der aktuellen Bewirtschaftungsform der Wälder.

Der Schutz von natürlichen Wäldern durch Ausweis als Naturschutzgebiete, etwa in den tropischen Regenwäldern oder borealen Waldbiomen, trägt dazu bei, natürlich funktionierende Ökosysteme zu schützen und wiederherzustellen und ihre Fähigkeit zur Speicherung von Kohlenstoff zu erhöhen.

„Einige Primärwälder sollten für immer geschützt und nie angetastet werden“, sagt Butz.

„Es könnte sogar sinnvoll sein, einige ausgewählte Waldgebiete, die heute noch bewirtschaftet werden, unter Schutz zu stellen, zum Beispiel um eine ökologische Brücke zwischen bestehenden Waldreservaten zu schlagen oder um bestimmte herausragende ökologische Qualitäten zu erhalten.“

Aber das bedeutet nicht, dass es ökologisch sinnvoll ist, gleich alle Wälder zu renaturieren, auch wenn einige Unterstützer der Renaturierung genau das fordern.

„Die Einstellung der Waldbewirtschaftung auf Flächen, die seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschaftet werden, ist kontraproduktiv“, so Butz weiter.

Laisser-faire an der falschen Stelle kann den Wald ganz zerstören. Genau das ist mit den Wäldern im Harz in Norddeutschland geschehen.

Nachdem der Harz durch Abholzung große Flächen eingebüßt hatte, entstanden in der Mitte des 20. Jahrhunderts geschützte Monokulturwälder mit Fichten, der einzigen Baumart, die nach dem Zweiten Weltkrieg in ausreichender Menge zur Verfügung stand.

Im Laufe der Jahre schufen der Klimawandel und Dürreperioden perfekte Bedingungen für das Gedeihen des Borkenkäfers. Die Natur nahm ihren Lauf: Der etwa 5 mm große Käfer fiel in den Harzer Wald ein und zerstörte innerhalb weniger Jahre mehr als 10.000 Hektar – fast 90 Prozent – der Fichtenwälder und verwandelten das Gebiet in eine Art Mondlandschaft.

„Bäume haben drei Möglichkeiten, auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Sie können migrieren, sich anpassen oder sterben aus. Wenn wir einen Wald sich selbst überlassen, kann er sich langfristig zu einem stabilen Ökosystem entwickeln, aber es besteht die Gefahr, dass er von Insekten befallen oder auf andere Weise geschädigt wird“, sagt Michael Köhl, Professor für Weltforstwirtschaft an der Universität Hamburg.

„Aber wollen wir wirklich 200 Jahre warten? Wir müssen etwas tun, um die Wälder wiederherzustellen. So etwas wie im Harz darf nicht noch einmal passieren“, so Köhl weiter, der dem Themenbeirat von Pictet Asset Management angehört.

Bäume als Kohlenstoffsenke

Im Gegensatz zur Renaturierung wird bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung ein proaktiver Ansatz für den Umgang mit Waldökosystemen verfolgt.

Im Rahmen dieses Ansatzes wird durch Maßnahmen wie die Anpflanzung von Arten, die besser an die lokalen Bedingungen angepasst sind, die Anpflanzung gemischter Arten, die Durchforstung vor der Holzernte und die Kontrolle konkurrierender Vegetation die Gesundheit der Wälder gefördert und das Wachstumspotenzial der Bäume gesichert.

Das kann sich in zweierlei Hinsicht positiv auswirken: Erstens kann dadurch eine effektivere Kohlenstoffsenke geschaffen werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein nachhaltig bewirtschafteter Wald in der Regel mehr Kohlenstoff aufnimmt und einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leistet (siehe Abbildung).

Bäume binden in der Regel mehr Kohlenstoff, wenn das jährliche Wachstum am größten ist, d. h. in der Regel im Alter von 20-60 Jahren.

„Junge und mittelalte Wälder nehmen den meisten Kohlenstoff auf. In einem bewirtschafteten Wald sind die Bäume im Durchschnitt jünger, da sie vor ihrer natürlichen Alterung gefällt werden, wenn sie zur Kohlenstoffquelle werden können. Bewirtschaftete Wälder, die regelmäßig verjüngt werden, binden also mehr Kohlenstoff“, sagt Butz.

„Unter diesem Gesichtspunkt macht es nicht wirklich Sinn, die derzeit bewirtschafteten Wälder einfach wachsen zu lassen, wie es manche gerne hätten, denn der Netto-Kohlenstoff-Nutzen wäre definitiv geringer.“

Die Bewirtschaftung von Wäldern trägt auch dazu bei, die Waldbrandgefahr zu verringern – überall auf der Welt eine immer häufigere Ursache für den Verlust von Bäumen, der immer größere Ausmaße annimmt, wie die jüngsten Ereignisse in Kalifornien gezeigt haben.

Eine aktive Kohlenstoffpumpe

Der Beitrag der bewirtschafteten Wälder zur Netto-Null geht über die Bereitstellung von Kohlenstoffsenken hinaus.

Bewirtschaftete Wälder produzieren auch nachhaltige Rohstoffe, die fossile oder energieintensive Produkte wie Kunststoff, Beton und Aluminium ersetzen. Dies stellt einen zusätzlichen Klimavorteil dar, der als Substitutionseffekt bezeichnet wird.

In einer Simulationsstudie für die Metropolregion Hamburg haben Köhl und andere Forschende herausgefunden, dass der Ansatz der bewirtschafteten Wälder, bei dem die gesamte Waldfläche für die Nutzung freigegeben wird, zwischen 2020 und 2100 die größte Menge an Kohlenstoff ausgleicht.

„Die Waldbewirtschaftung kann die Kohlenstoffbindung optimieren und liefert gleichzeitig Holz für die Herstellung verschiedener Holzerzeugnisse“, sagt Köhl.

„Wälder sollten nicht ausschließlich als passive Kohlenstoffsenke, sondern auch als aktive Pumpe betrachtet werden.“

Die Bedeutung von Bäumen bei der Bekämpfung des Klimawandels kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, zumal die globalen Temperaturen in diesem Jahrhundert im Durchschnitt um mindestens 2,5 °C über das vorindustrielle Niveau ansteigen werden, was weit über den Zielen des Pariser Abkommens liegt.

Der Schutz von Waldgebieten sollte daher keine Entscheidung zwischen Renaturierung und nachhaltiger Waldbewirtschaftung sein. Für eine Netto-Null-Zukunft sind sowohl gezielte Schutzmaßnahmen als auch eine kontrollierte Waldbewirtschaftung erforderlich.

Einblicke für Investoren

von Christoph Butz, Senior Investment Manager, Themenaktien, Pictet Asset Management

  • Börsennotierte Unternehmen entlang der forstwirtschaftlichen Wertschöpfungskette bieten ein robustes Wirtschaftswachstum und Anlagechancen, da die langfristige Nachfrage nach Holzfasern u. a. aufgrund des Bevölkerungswachstums, des steigenden Pro-Kopf-Verbrauchs und des steigenden Lebensstandards in den Schwellenländern zunehmen dürfte.

  • Schnittholz und neue innovative Technologien wie Kreuzlagenholz sind nachhaltiger, gesünder und kostengünstiger als herkömmliche Baustoffe wie Stahl und Beton. Die chemischen Eigenschaften von Holzfasern ermöglichen die Herstellung einer vielversprechenden Palette an neuen biobasierten Kunststoffen und anderen Materialien.

  • Da weltweit immer mehr Holz im Bau eingesetzt wird, ist eine nachhaltige Bewirtschaftung von Waldland und der Schutz von Waldökosystemen wichtiger denn je, damit die Versorgung mit Holz langfristig sichergestellt ist und Bäume als natürlicher CO2-Speicher genutzt werden können.

1 www.bmel.DE/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/vierte-bundeswaldinventur.pdf?__blob=publicationFile&v=14wird in einer neuen Registerkarte geöffnet

2 https://www.ufz.de/index.php?en=36336&webc_pm=30/2024

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