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Barings-Experten über EMD: Starker Rückenwind, aber Risiken am Horizont

Die Barings-Manager Omotunde Lawal, Ricardo Adrogué und Cem Karacadag haben das Marktsegment Emerging Markets Debt unter die Lupe genommen und konstatieren, dass die Unternehmen gemessen an der Ausfallrate ihrer Anleihen bislang besser durch die COVID-Krise gekommen sind als erwartet. Auch viele Schwellenländer scheinen ihre durch den Kampf gegen die Pandemie gestiegenen Schulden tragen zu können. In ihrem insgesamt positiven Ausblick warnen sie aber vor möglichen, am Horizont aufziehenden Risiken: Barings | 11.12.2020 10:17 Uhr
© Bild von fPhotos auf Pixabay
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„Die Dynamik, die Emerging-Markets-Anleihen im zweiten Quartal erlebten, hielt während des größten Teils des dritten Quartals an, auch wenn die Entwicklung gegen Quartalsende etwas an Schwung verlor, als die Sorgen um eine zweite COVID-Welle und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zunahmen. Sowohl Unternehmens- als auch Staatsanleihen beendeten das Quartal im positiven Bereich, während die Währungen zurückblieben. Hinsichtlich der Performance (per 30.09.2020) lagen EM-Unternehmensanleihen mit einem Zuwachs von 2,75% an der Spitze, gefolgt von Staatsanleihen (2,32%) und lokalen Anleihen (0,61%).

Unternehmensanleihen: Vieles wird vom Tempo der Nachfrageerholung abhängen

Seit März profitierten die EM-Unternehmen von einer Welle der Unterstützung durch Regierungen und Banken, die dazu beigetragen hat, die Anlageklasse gegen die negativen Auswirkungen der Pandemie abzuschirmen – ein Beleg dafür ist die solide Gewinnsaison der EM-Unternehmen im zweiten Quartal und eine Ausfallquote der Anleihen, die mit 2,9% deutlich unter den ursprünglichen Prognosen von 4,5% liegt. 

Unserer Ansicht nach ist eines der größten Risiken für EM-Unternehmen, dass die Nachfrage (einschließlich der Rohstoffnachfrage aus China) ins Stocken gerät und verhindert, dass die Unternehmen ihre Schulden bedienen können, sobald die Unterstützungsprogramme reduziert oder eingestellt werden. Daher müssen, auch wenn sich weiterhin ausgewählte Gelegenheiten ergeben, vor allem diejenigen Unternehmen identifiziert werden, deren Geschäftsmodelle widerstandsfähig genug sind, um einem Nachfragerückgang standzuhalten. Hier scheinen vor allem Unternehmen in defensiven Sektoren wie Verbraucher, Versorger und Telekommunikation, Medien und Technologie (TMT) relativ gut positioniert zu sein.

Auch das High-Yield-Segment sieht, trotz des inzwischen hohen Niveaus, weiterhin attraktiv aus. Zu Beginn dieses Jahres weitete sich der Spread-Unterschied zwischen dem Hochzins- und dem Investment-Grade-Segment erheblich aus und erreichte über 700 Basispunkte. Zwar hat sich diese Differenz in den letzten Monaten etwas verringert, doch ist sie mit etwa 400 Basispunkten (per 30.09.2020) nach wie vor groß genug, um in ausgewählten Teilen des Hochzinssegments Spielraum für eine weitere Spread-Einengung zu bieten. Innerhalb des High-Yield-Segments sehen wir auch weiterhin Chancen bei kurzlaufenden Anleihen, die eine geringere Volatilität aufweisen.  

Staatsanleihen – welche Länder werden ihren Schuldenverpflichtungen nachkommen 

Auch bei Staatsanleihen konnte der Markt seine Erholung über den größten Teil des dritten Quartals fortsetzen, bevor es am Quartalsende zu einer erhöhten Volatilität und einer geringfügigen Spread-Ausweitung kam. Bemerkenswert ist, dass nach wie vor eine Diskrepanz zur Entwicklung der Realwirtschaften der Schwellenländer besteht, wobei es Jahre dauern kann, bis diese ihre volle Kapazität wieder erreicht haben. Vor diesem Hintergrund ist eine der Schlüsselfragen, welche Länder ihren Schuldenverpflichtungen nachkommen können – und werden. Was die Zahlungsfähigkeit betrifft, so gibt es eine Reihe von Ländern, die in einer recht guten Verfassung zu sein scheinen – Mexiko zum Beispiel, oder auch Russland, Thailand und Peru scheinen zahlungsfähig zu sein, ebenso europäische Schwellenländer wie Ungarn, die Tschechische Republik und Polen. 

Komplizierter ist die Analyse, ob ein Land auch bereit ist, seine Schulden zu bezahlen, was zum Teil auf den Einfluss internationaler Finanzinstitutionen wie der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zurückzuführen ist. In den letzten Monaten gab es Anzeichen dafür, dass diese Institutionen EM-Länder mit einem hohen Schuldenstand im Verhältnis zum BIP zu einer Umschuldung ermutigen könnten. Unserer Ansicht nach kann die Analyse der Zahlungsfähigkeit eines Landes auf der Grundlage dieses BIP-Verhältnisses jedoch irreführend sein, da einige Länder in der Lage sind, Kredite zu sehr niedrigen Zinssätzen aufzunehmen und daher viel höhere Schulden im Verhältnis zum BIP zu verkraften als andere. 

Angesichts dieser Überlegungen ist es fast unmöglich, weitreichende, pauschale Schlussfolgerungen über die Attraktivität von EM-Staatsanleihen zu ziehen. Alles in allem sehen wir aber nach wie vor Chancen in Ländern, die ein Investment-Grade-Rating haben, wie Kolumbien, Rumänien, Russland und Brasilien. Im High-Yield-Segment sind wir wählerischer, sehen aber ebenfalls Chancen in Ländern wie der Ukraine, Aserbaidschan und in mittel- und osteuropäischen Volkswirtschaften wie Kroatien, Albanien und Mazedonien.

Fazit

Die Länder- und Kreditauswahl ist von entscheidender Bedeutung, da das Jahr 2021 neue Herausforderungen mit sich bringen wird, weshalb wir uns darauf konzentrieren, Länder zu vermeiden, in denen sich die Finanzierungsmaßnahmen verschlechtern und Bonitätsherabstufungen drohen könnten.

Die ausführliche Studie „EMD: A Strong Tailwind, But Risks on the Horizon“ in englischer Sprache können Sie hier herunterladen.

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