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GameStop & Co: Nebenschauplatz oder Signal für etwas Schlimmeres?

Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute, befasst sich in seinen aktuellen Leitgedanken mit den jüngsten Marktturbulenzen à la GameStop & Co. und fragt sich, ob das nur unterhaltsame Nebenschauplätze sind, oder doch ein Signal für etwas Schlimmeres sein könnten. Barings | 02.02.2021 14:49 Uhr
Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute / © Barings
Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute / © Barings

Es gibt selten Momente für einen Investor, in dem die nächsten 12 Monate besser vorhersehbar sind als jetzt. Impfstoffe sind da, die Unterstützung der Regierung hält an, und die Erholung ist in Sicht. Sie mag etwas länger dauern, weil die Impfstofflogistik oder die Arbeitsmärkte gestört sind, aber die wirtschaftliche Entwicklung ist auf dem Weg.

Aber was ist mit diesen nagenden Gedanken, wenn Sie über GameStop, Daytrader und einen wütenden Chatroom lesen, der wilde Schwankungen der Aktien- und Optionspreise anheizt? Ist es eine Ablenkung, die für die globale Erholung so bedeutsam ist wie der Schatten von Punxsutawney Phil am Dienstag? Oder ist es ein Kanarienvogel in der Kohlenmine als Zeichen dafür, dass etwas ernsthaft falsch läuft in den globalen Märkten, die mit so viel Liquidität überschwemmt sind, dass die Leitungen zu Platzen drohen?

Die meisten Zeichen deuten darauf hin, dass wir uns auf solidem Boden befinden. So prognostizieren die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds ein globales Wachstum von 5,5 Prozent in diesem Jahr, was um 0,3 Prozentpunkte über der Prognose von Oktober 2020 liegt. Die globale Schrumpfung des letzten Jahres wurde auf -3,5 Prozent revidiert, fast ein ganzes Prozentpunkt besser als die vorherige Prognose.

Allerdings verdecken diese Zahlen eine große Differenzierung. So zeichnet der IWF nun für China eine Entwicklung für die nächsten zwei Jahre, die im Wesentlichen so aussieht, als hätte es gar keine Pandemie gegeben. Die Vereinigten Staaten und Japan könnten noch in diesem Jahr das Produktionsniveau von 2019 erreichen, Europa und Großbritannien jedoch erst 2022. Für die Schwellenländer gibt es jedoch die düstere Prognose, dass bis zu 90 Millionen Menschen aufgrund der Krise unter die Schwelle der extremen Armut fallen könnten.

Unter den potenziellen Risiken, die der IWF aufführt, sind steigende Unternehmens- und Staatsverschuldung und die sinkende Rentabilität in einigen Bankensystemen ebenso wie eine Unterversorgung mit Impfstoffen oder eine steigende Zahl von Langzeitarbeitslosen. Die Marktunterstützung durch niedrige Zinsen dürfte also noch eine Zeit anhalten. Und doch lehrt die Geschichte, dass Liquiditätsspritzen, wie sie durch die Pandemie ausgelöst wurden, oft zu seltsamen Dingen führen. 

Wenn der Aktienkurs von angeschlagenen Geschäftsmodellen wie dem eines Händlers für elektronische Spiele so stark ansteigt, dass einige Clearing-Firmen das Volumen nicht mehr bewältigen können, ist das vielleicht bedeutungslos. Aber ein paar Minuten in einem der Chatrooms, die die Aktivitäten angetrieben haben, zeigen schnell, wie viel Wut in der heutigen Welt lauert. 

Finanzblasen und Krisenauslöser werden in der Regel erst in den Trümmern der nächsten Krise sichtbar. Allem Anschein nach ist der aktuelle Aufschwung weiterhin auf Kurs und das weltweite Bankensystem grundsolide. Es wird sicherlich noch mehr Firmenpleiten geben, aber im Allgemeinen scheinen die Unternehmen liquide genug zu sein, um eine Kaskade von Zahlungsausfällen zu vermeiden. Dennoch ist die Entwicklung der Märkte der letzten Woche etwas, das man im Auge behalten sollte – um sicherzugehen, dass das, was wie ein Murmeltier aussieht, nicht doch ein Kanarienvogel ist.

Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute

Das ausführliche Statement von Christopher Smart in englischer Sprache finden Sie hier.

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