Barings-Strategin Belaisch: Sind die Auswirkungen der Energiekrise in Europa überbewertet?

Agnès Belaisch, Chefstrategin für Europa vom Barings Investment Institute, kommentiert eventuell überbewertete Folgen der Energiekrise, den Wandel des Lebensstils und das weitere Vorgehen der EZB: Barings | 15.11.2022 09:48 Uhr
Agnès Belaisch, Managing Director und Chief European Strategist des Barings Investment Institute / © e-fundresearch.com / Barings
Agnès Belaisch, Managing Director und Chief European Strategist des Barings Investment Institute / © e-fundresearch.com / Barings

«Im dritten Quartal war das Wachstum im Euroraum stark, und die Inflation hat sich verschlechtert, was die Frage aufwirft, ob die Auswirkungen der Energiekrise in Europa nicht überbewertet worden sind. Es ist unmöglich, die verschiedenen Faktoren, die hier eine Rolle spielen, auseinanderzuhalten. Ein warmer Winter ist der Faktor Glück, der zu dieser Widerstandsfähigkeit beiträgt, und eine großzügige Steuerpolitik der Faktor, der bei den Kinderfürsorgesystemen eine Rolle spielt. Sowohl der Konsum als auch die Investitionen waren im dritten Quartal Wachstumsmotoren.

Die Art und die Auswirkungen des Wandels des gewünschten Lebensstils nach der Pandemie sollten nicht unterschätzt werden. Es gibt erste empirische Studien, die auf eine Landflucht der Stadtbevölkerung hinweisen, wo die Lebenshaltungskosten niedriger und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser ist. In vielen Ländern des Euroraums ist die Zahl der offenen Stellen so hoch wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, und die Arbeitslosigkeit erreicht immer neue Rekordtiefs.

Was soll eine Zentralbank in diesem Umfeld tun? Die wirtschaftlichen Veränderungen waren sehr willkommen. Die höheren Energiepreise mögen die Kaufkraft schmälern, aber sie haben auch zu einer dringend notwendigen Verringerung des Energieverbrauchs geführt. Wenn die Energieknappheit nicht unmittelbar die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht zu bringen drohte, wäre es sinnvoll, wenn die EZB die Inflation nicht zu aggressiv angehen würde, um eine notwendige Umverteilung von Arbeit und Kapital zu ermöglichen.

Im Bewusstsein dieser Tatsache konzentriert sich die EZB auf die Dynamik der zugrunde liegenden Inflation. Sie spiegelt die Weitergabe der Gesamtinflation an die Erwartungen und Lohnforderungen wider. Im Jahr 2023 wird es weniger zu überwälzen geben. Erstens werden die in Deutschland und Italien eingeführten Energiepreisbremsen die Energiepreisinflation verringern. Zweitens werden Basiseffekte die Inflation ab März 2023, ein Jahr nachdem die Energiepreise mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland in die Höhe geschnellt sind, in schwindelerregender Weise nach unten drücken. Allein aufgrund von Basiseffekten wird die Gesamtinflation ab Juni unter 4 % fallen. Bis dahin muss die EZB die Inflationserwartungen verankern. Sollte sich die Rezession weiterhin als mild erweisen, wird die EZB bis in den Winter hinein weitere Zinserhöhungen vornehmen, um den disinflationären Trend später zu sichern.»

Agnès Belaisch, Managing Director und Chief European Strategist des Barings Investment Institute

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