High Yield zeigt sich stabil – doch mit neuen Chancen

High Yield bleibt trotz enger Spreads erfreulich robust: Starke Nachfrage, widerstandsfähige Konjunktur und solide Unternehmensbilanzen stützen den Markt. Doch unter der Oberfläche arbeitet es, weil Risiken je nach Sektor, Region und Emittent immer weiter auseinanderdriften. Für Anleger wird daher nicht der breite Markt, sondern die selektive Auswahl entscheidend, mit besonderem Blick auf den Anteil der BB-Emittenten, auf wachsende Refinanzierungsrisiken sowie auf Chancen und Risiken rund um KI-Infrastruktur, erklären Scott Roth und Chris Sawyer von Barings. Barings | 27.07.2026 11:13 Uhr
Chris Sawyer, Head of European High Yield und Scott Roth, CFA, Head of Global High Yield, Barings / © e-fundresearch.com / Barings
Chris Sawyer, Head of European High Yield und Scott Roth, CFA, Head of Global High Yield, Barings / © e-fundresearch.com / Barings

Die Hochzinsmärkte werden weiterhin durch ein starkes technisches Umfeld und makroökonomische Rahmenbedingungen gestützt, die sich als widerstandsfähiger erwiesen haben als gedacht. Die Nachfrage übersteigt nach wie vor das Angebot, was dazu beiträgt, die Bewertungen aufrechtzuerhalten, auch wenn die Märkte derzeit mit anhaltendem wirtschaftlichem und geopolitischem Gegenwind zu kämpfen haben.

Zugleich haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besser entwickelt, als viele erwartet hatten:

  • In den USA wird das Wachstum weiter durch eine gesunde Konsumkonjunktur, anhaltende Investitionen – insbesondere im Bereich der KI-bezogenen Infrastruktur – und einen weitgehend stabilen Arbeitsmarkt gestützt.
  • Auch Europa hat sich kurzfristig als robust erwiesen, wenngleich längerfristige Fragen hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit und der industriellen Nachfrage bestehen.

Die makroökonomischen Risiken sind zwar nicht verschwunden, ihr Einfluss jedoch geht zurück. Die früheren Bedenken hinsichtlich der Inflation und der Energiepreise haben sich etwas gelegt, auch wenn die Ölmärkte weiterhin empfindlich auf geopolitische Entwicklungen reagieren. Und die Aussichten für die Geldpolitik zeigen sich ausgewogener, da weniger Zinserhöhungen eingepreist sind als noch zu Beginn des Jahres. Vor diesem Hintergrund finden Hochzinsanleihen und -kredite weiter gute Unterstützung.

Fundamentaldaten: Stabil, aber zunehmend differenziert

Die Fundamentaldaten im Hochzinssegment sind weiterhin solide. Die Emittenten haben den anhaltenden Inflationsdruck und die höheren Finanzierungskosten weitgehend bewältigt, und Zahlungsausfälle konzentrieren sich auf Einzelfälle oder emittentenspezifische Situationen. Die durchschnittlichen Ausfallraten entsprechen im Großen und Ganzen den historischen Durchschnittswerten, während die Distressed-Quoten auf eine begrenzte systemische Belastung des Marktes hindeuten.

Diese Widerstandsfähigkeit wird zum Teil durch die qualitativ hochwertigere Zusammensetzung des heutigen High-Yield-Marktes gestützt, auf dem der Anteil der BB-Emittenten im historischen Vergleich deutlich größer ist, was ein zusätzliches Polster bietet.

Abbildung 1: Die Distress-Quote zeigt, dass der Markt keine signifikante Ausfallaktivität einpreist

Quellen: ICE BofA Developed Markets Non-Financial High Yield Constrained Index (HNDC), UBS. Stand: 30. Juni 2026. Die nominalwertbasierten Ausfallraten setzen sich zu 75 % aus der US-Ausfallrate und zu 25 % aus der europäischen Ausfallrate zusammen.

Hinter dieser Stabilität verbirgt sich jedoch eine zunehmende Streuung:

  • In Europa sehen sich Branchen wie die Chemieindustrie und Industrieunternehmen einem zunehmenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt, insbesondere aus China. Das lässt Bedenken hinsichtlich eines längerfristigen Gewinnrückgangs aufkommen. Die Baubranche zeigt erste Anzeichen einer Erholung, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau und mit begrenzter Planbarkeit.
  • In den USA zeichnen sich strukturelle Herausforderungen ab, etwa im Kabelgeschäft. Hier wird der Wettbewerbsdruck durch festes drahtloses Internet, Ausbau von Glasfaser und neue Technologien die langfristigen Wachstumserwartungen beeinträchtigt. Doch auch im Softwarebereich sind die Auswirkungen der Einführung künstlicher Intelligenz nach wie vor höchst ungewiss.

Auch auf Emittentenebene könnte die Refinanzierungsdynamik an den Primärmärkten vielfältiger ausfallen. Zwar richtet sich der Fokus zunehmend auf Fälligkeiten im Jahr 2028, doch ist das Volumen dieser Fälligkeitskohorte zurückgegangen. Denn Emittenten nutzen die günstigen Marktbedingungen, um ihre Schulden proaktiv zu verlängern. Tatsächlich hat sich der Bestand an ausstehenden Anleihen mit Fälligkeit im Jahr 2028 auf dem globalen Kreditmarkt im vergangenen Jahr deutlich verringert – im Vergleich zu vor zwölf Monaten fast um die Hälfte. Mit Blick auf die Zukunft sprechen die aktuellen Marktbedingungen dafür, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Abbildung 2: Das Refinanzierungsrisiko bleibt beherrschbar

Quelle: S&P UBS Global Leveraged Loan Index. Stand: 30. Juni 2026.

Technische Faktoren bleiben dominierende Kraft

Das technische Umfeld wird weiter von einem anhaltenden Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage geprägt.

Die starke globale Investoren-Nachfrage hat neue Emissionen sowohl bei Anleihen als auch bei Krediten problemlos aufgenommen. Besonders bei Krediten bleibt die Bildung von CLOs ein dominanter und sehr unterstützender Nachfragefaktor, der dazu beiträgt, die Spreads über alle Rating-Klassen hinweg eng zu halten.

Phasen, in denen sich die Spreads ausweiteten, stießen in der Regel auf eine starke Nachfrage, was auf erhebliche verfügbare Kapitalreserven und ein begrenztes Angebot an Neuemissionen zurückgeht – Faktoren, die das Potenzial für ein dauerhaftes Auseinandergehen der Spreads kurzfristig weiterhin begrenzen dürften.

Abbildung 3: Die CLO-Nachfrage bleibt ein wichtiger Treiber der Markttechnik am Kreditmarkt

Quelle: J.P. Morgan. Die CLO-Emissionen basieren auf Neuemissionstransaktionen und schließen Refinanzierungs- und Reset-Transaktionen aus. Die Mittelzuflüsse in CLO-ETFs sind seit Jahresbeginn positiv und belaufen sich netto auf mehr als 6,0 Milliarden US-Dollar. Stand: 30. Juni 2026.

Dieses Nachfrageumfeld hat sogar thematisch bedingte Emissionsspitzen aufgefangen. Ein bemerkenswertes Beispiel ist das rasante Wachstum der Finanzierungen im Bereich Rechenzentren für KI-Infrastruktur. Dieses Segment zieht zwar erhebliches Kapital an, bringt jedoch auch neue Herausforderungen bei der Kreditprüfung mit sich, darunter Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Nachfrage, der Restwerte und sich wandelnder technologischer Risiken.

Trotz dieser Komplexitäten bleibt das allgemeine technische Umfeld stabil. Das begrenzte Volumen an Netto-Neuemissionen stützt Spreads und Bewertungen in der gesamten Anlageklasse, auch wenn die Anleger zunehmend selektiver vorgehen.

Veränderte Anlagemöglichkeiten

Vor diesem Hintergrund hat sich die Art der Chancen im Hochzinsbereich verändert.

Angesichts enger Spreads und begrenzter Aufwärtspotenziale am breiten Markt werden die Renditen zunehmend durch Erträge und die Auswahl der Emittenten bestimmt. Die Vermeidung von Kursverlusten – und nicht das Setzen auf das Beta des breiten Marktes – wird zu einem entscheidenden Performance-Faktor.

In diesem Umfeld wird das Chancenangebot zunehmend bestimmt durch:

  • Fokus auf hochwertigere Anleihen, darunter BB-Anleihen und Kredite, die Chancen auf hohe Erträge bei gleichzeitig größerer Widerstandsfähigkeit gegenüber Kursrückgängen bieten
  • Selektives Engagement in spezifische, niedriger bewertete Anleihen, die eine sorgfältige Bonitätsprüfung und emittentenspezifische Analyse erfordern
  • Größere Vorsicht gegenüber Segmenten mit „B“-Rating, in denen die Bewertungen zunehmend unter Druck geraten sind, was den Spielraum für Fehler einschränkt

Auch die Dynamik der einzelnen Sektoren ändert sich. Nach einer Phase starker Wertentwicklung erscheint der Energiesektor im relativen Vergleich weniger attraktiv, während Bereiche wie etwa die Verpackungsbranche und ausgewählte Konsumgütersegmente, die von stabileren oder sich verbessernden Inputkosten profitieren, womöglich ausgewogenere Risiko-Rendite-Chancen bieten.

Gleichzeitig birgt die KI sowohl Chancen als auch Risiken. Während die Nachfrage nach Recheninfrastruktur klar zunimmt, wird es immer wichtiger, zwischen tragfähigen Geschäftsmodellen und eher spekulativen Engagements zu unterscheiden.

Das Wertverhältnis verschiebt sich

Sowohl Hochzinsanleihen als auch Leveraged Loans bieten weiter attraktive Erträge, doch das relative Wertverhältnis beginnt sich zu verschieben.

  • Kredite profitieren von einer starken technischen Unterstützung, insbesondere durch die Nachfrage nach CLOs, und attraktiven Carry-Erträgen. Doch diese Stärke hat auch zu einer Verengung der Spreads geführt, wodurch das Aufwärtspotenzial gegenüber den aktuellen Niveaus begrenzt ist.
  • Hochzinsanleihen bieten dagegen ein ausgewogeneres Risiko-Rendite-Profil. Bei einer nach wie vor moderaten Duration von rund drei Jahren bieten Anleihen Aufwärtspotenzial in einem Szenario, in dem sich die Zinserwartungen weiter abschwächen.

Wir sind der Ansicht, dass die Hürde für weitere Zinserhöhungen höher liegt, als es der Konsens vermuten lässt, zumal die Inflation offenbar ihren kurzfristigen Höchststand erreicht hat, was dazu führen könnte, dass die Duration die Renditen zunehmend stützt.

Infolgedessen erscheinen Anleihen derzeit unter dem Gesichtspunkt des relativen Werts attraktiver, insbesondere in Segmenten mit höherer Bonität, in denen neben potenziellen Kursgewinnen auch Erträge erzielt werden können. Die Chancen bei Krediten hängen weiterhin zunehmend vom jeweiligen Emittenten ab.

Unser Ausblick

Die Aussichten für High Yield sind insgesamt positiv. Robustes Wachstum, solide Fundamentaldaten der Unternehmen und eine anhaltende Nachfrage nach Krediten bilden weiterhin eine starke Basis.

Allerdings könnten enge Spreads auch einen allmählichen Anstieg der Streuung verschleiern – über Sektoren, Regionen und einzelne Emittenten hinweg. Da sich Refinanzierungsrisiken auftun und in ausgewählten Branchen strukturelle Herausforderungen auftreten, schwindet der Spielraum für Fehler.

In diesem Umfeld hängt der Erfolg weniger von der Marktrichtung als vielmehr von einer disziplinierten Fundamentalanalyse ab. Die Erzielung von Renditen wird davon abhängen, Erträge zu generieren, relative Wertvorteile zu finden und – was besonders wichtig ist – Anleihen zu meiden, bei denen sich zugrunde liegende Risiken abzuzeichnen beginnen.

Von Scott Roth, CFA, Head of Global High Yield und Chris Sawyer, Head of European High Yield bei Barings

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