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Swisscanto Invest: Korrektur ja, Bärenmarkt nein

"Wir sehen in den USA nach wie vor das höchste Gewinnwachstum im regionalen Vergleich. Durch die jüngsten Kursabschläge ist der Markt zudem im Vergleich zur eigenen Historie nicht mehr überdurchschnittlich bewertet. Der Schweizer Markt profitiert von seiner äußerst defensiven Sektorstruktur", so die Meinung von Swisscanto Invest im aktuellen Kurzbericht November 2018. Swisscanto Invest | 06.11.2018 09:29 Uhr
© Pixabay.com
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Swisscanto Invest – Kurzbericht November 2018

Konjunktur

In den USA sind die Wachstumskräfte nach wie vor ungebrochen stark. In den übrigen Industriestaaten fällt die Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung hingegen weniger optimistisch aus. In China ist die Wachstumsrate auf den niedrigsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2009 gefallen. Die chinesische Regierung plant deshalb mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen gegenzusteuern. Der wirtschaftliche Ausblick für die Eurozone hat sich im Oktober überraschend eingetrübt. Die Unterschiede zwischen den Ländern nehmen weiter zu. Zwar ist 2019 mit einer weiteren globalen Wachstumsverlangsamung zu rechnen, das Risiko einer Rezession erachten wir hingegen nach wie vor als gering.

Finanzmärkte

An den Aktienmärkten hat die Kombination aus steigenden US-Renditen, reduzierten Wachstumsaussichten und geopolitischen Risiken in den letzten Wochen zu einer rapiden Stimmungseintrübung geführt. Die Volatilität an den Aktienmärkten bleibt vorerst auf erhöhtem Niveau. Noch ist es aber zu früh, das Ende der langjährigen Börsenhausse auszurufen. Die US-Notenbank versucht, der US-Wirtschaft eine «weiche Landung» zu bescheren, indem sie mit der schrittweisen Anhebung der Leitzinsen fortfährt. Wir erwarten den nächsten Zinsschritt im Dezember und halten drei weiteren Zinsschritte im nächsten Jahr für realistisch.

Zu früh, um Ende der Börsenhausse auszurufen

An den Aktienmärkten hat die unangenehme Mischung aus steigenden US-Renditen, reduzierten Wachstumsaussichten und geopolitischen Risiken – allen voran der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und China – in den letzten Wochen zu einer rasanten Stimmungseintrübung und zu heftigen Kursrückgängen geführt. Die Volatilität ist in der Folge sprunghaft angestiegen und man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass die Schwankungen wohl auf einem erhöhten Niveau verharren werden. Noch ist es unserer Meinung nach aber zu früh, um bereits das Ende der langjährigen Börsenhausse auszurufen. Der Blick in die Geschichtsbücher zeigt nämlich, dass Bärenmärkte üblicherweise mit Rezessionen zusammenfallen. Oder genauer formuliert: Die Aktienmärkte erreichen ihren zyklischen Höchststand im Durchschnitt zwischen sechs bis zwölf Monate vor dem Beginn einer Rezession. Zwar ist 2019 mit einer weiteren globalen Wachstumsverlangsamung zu rechnen, das Risiko einer Rezession erachten wir hingegen weiterhin als gering. Die Federal Reserve Bank of New York schätzt das Rezessionsrisiko für die USA in den nächsten zwölf Monaten auf knapp 15 Prozent. Bei einem solch tiefen Wert ist es in der Nachkriegszeit lediglich einmal, nämlich 1973 (Erdölkrise), zu einer Rezession gekommen. Wir erachten deshalb die schwierige Phase, welche die Aktienmärkte im Moment durchlaufen, als Bewertungskorrektur und nicht als den Beginn eines Bärenmarkts.

Defensive Aktienmärkte bevorzugen

Im aktuellen Umfeld halten wir eine eher defensive Strategie für sinnvoll. Dementsprechend gefallen uns US-Aktien und Schweizer Dividendentitel. Der US-Markt besitzt zwar einen überdurchschnittlich hohen Anteil an den stark gebeutelten Technologieunternehmen, seine Sektorstruktur ist aber insgesamt gut diversifiziert. Darüber hinaus ist er der liquideste Markt. Auch fundamental sind die Voraussetzungen gut. Wir sehen in den USA nach wie vor das höchste Gewinnwachstum im regionalen Vergleich. Durch die jüngsten Kursabschläge ist der Markt zudem im Vergleich zur eigenen Historie nicht mehr überdurchschnittlich bewertet. Der Schweizer Markt profitiert von seiner äußerst defensiven Sektorstruktur. Das Gewinnwachstum sehen wir annähernd so hoch wie in den USA. Der Grund liegt hier anders als in den USA weniger in der Umsatzentwicklung als vielmehr in der Kostendisziplin der Unternehmen.

Renditeauftrieb verliert an Schwung

Der kräftige Anstieg der Renditen führte im September noch zu Kursverlusten an den Anleihenmärkten. Durch die Korrektur an den Aktienmärkten hat der Renditeauftrieb im Oktober an Schwung verloren. Im Zuge dessen nahm die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen bei Investoren zu. So ist beispielsweise die Rendite der 10-jährigen Schweizer Staatsanleihen zwischenzeitlich wieder unter die Nullmarke gefallen. Der Renditeanstieg dürfte sich über die kommenden Wochen jedoch moderat fortsetzen, da sich die Konjunktur trotz leicht tieferer Dynamik immer noch im Wachstumsmodus befindet und die Notenbanken eine restriktivere Geldpolitik verfolgen.

Knapp versorgter Rohölmarkt

Der Preis für die Rohölsorte Brent erreichte Anfang Oktober einen neuen Jahreshöchstwert von über 85 US-Dollar pro Barrel. Preistreibend wirkte insbesondere die Sorge, dass das US-Handelsverbot gegenüber dem Iran das globale Rohölangebot deutlich verringern könnte. Die Verschärfung der Sanktionen traten zwar erst am 4. November in Kraft, jedoch haben sich die iranischen Ölexporte bereits im Vorfeld gegenüber Anfang 2018 deutlich reduziert. Steigende US-Lagerbestände und die Zusage Saudi-Arabiens, die Produktion falls erforderlich deutlich zu erhöhen, haben den Brent-Preis jüngst wieder unter 80 US-Dollar pro Barrel gedrückt. Es bestehen jedoch Zweifel daran, dass Saudi-Arabien tatsächlich seine Produktion in kürzester Zeit deutlich ausweiten kann. Somit könnten die ungenutzten Kapazitätsreserven viel geringer sein. In Anbetracht dessen könnten weitere Produktionsausfälle in instabilen Produktionsländern wie Venezuela, Nigeria oder Libyen die Preise jederzeit in die Höhe treiben. Die Volatilität dürfte vorerst anhalten.

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