Aberdeen Investments House View: Robustes globales Wachstum und KI-Boom stützen Märkte trotz steigender Risiken

Peter Branner, Chief Investment Officer, und Paul Diggle, Chief Economist bei Aberdeen Investments, erwarten für 2026 robustes globales Wachstum. KI-Investitionen stützen Aktien und Anleihen, während Inflation, geopolitische Risiken und der späte Konjunkturzyklus zur Vorsicht mahnen. Aberdeen Investments | 13.07.2026 10:40 Uhr
Paul Diggle, Chief Economist und Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments / © e-fundresearch.com / Aberdeen Investments
Paul Diggle, Chief Economist und Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments / © e-fundresearch.com / Aberdeen Investments

  • Globales Wachstum bleibt über langfristigem Trend, Inflationsrisiken halten an
  • Aktien und Anleihen mit moderat positivem Ausblick; KI bleibt zentraler Treiber
  • Geopolitische Unsicherheiten und Spätzyklusrisiken dämpfen die Zuversicht

Aberdeen Investments, der spezialisierte Asset Manager, hat seinen aktuellen vierteljährlichen „House View“ zur makroökonomischen Lage und zu den Anlageaussichten veröffentlicht.

Demnach dürfte die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2026 und darüber hinaus weiter wachsen. Unterstützt wird die Entwicklung durch Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), einen stabilen Konsum sowie eine lockerere Fiskalpolitik. Für das laufende Jahr erwartet Aberdeen Investments ein Wachstum von rund 3,2 Prozent, das damit über dem langfristigen Trend liegt. Gleichzeitig bleibt die Inflation infolge des jüngsten Energieschocks erhöht.

Während das makroökonomische Umfeld weiterhin Rückenwind für Risikoanlagen bietet, weist Aberdeen auf ein hohes Maß an Unsicherheit hin. Geopolitische Risiken, schwankende Inflationsraten und die Dynamiken der Spätphase des Konjunkturzyklus dämpfen die Zuversicht hinsichtlich des positiven Szenarios.

Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments, erklärt: „Die Weltwirtschaft zeigt sich weiterhin widerstandsfähig, gestützt durch starke Unternehmensgewinne und den anhaltenden Investitionszyklus rund um Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig befinden wir uns in einer komplexeren Phase des Konjunkturzyklus, in der geopolitische Risiken hoch bleiben und Inflationsschocks häufiger auftreten. Unser Basisszenario geht von einer Stabilisierung der Ölmärkte und einer Fortsetzung des globalen Wachstums aus. Die Abwärtsrisiken bleiben jedoch erheblich. Anleger sollten daher weiterhin grundsätzlich positiv auf risikobehaftete Anlagen blicken, gleichzeitig aber auf Diversifikation und Widerstandsfähigkeit ihrer Portfolios achten.“

Inflation bleibt erhöht, Zentralbanken dürften vorsichtig agieren

Aberdeen geht davon aus, dass die Inflation länger erhöht bleibt als bislang erwartet. Ursache sind vor allem Nachwirkungen des Energieschocks, auch wenn sich der zugrunde liegende Preisdruck allmählich abschwächen dürfte. Vor diesem Hintergrund könnten die Zentralbanken ihre Leitzinsen weniger stark lockern, als derzeit vom Markt eingepreist.

Für die wichtigsten Notenbanken erwarten die Experten:

  • Die US-Notenbank Fed dürfte ihre Leitzinsen 2026 unverändert lassen und erst 2027 wieder Senkungen vornehmen.
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) dürften ihren Straffungszyklus ebenfalls pausieren.
  • Die Bank of Japan wird voraussichtlich ihren Kurs gradueller Zinserhöhungen fortsetzen.

China profitiert weiterhin von der Nachfrage nach KI- und Green-Tech-Lösungen. Gleichzeitig dürften die schwache Inlandsnachfrage und die Herausforderungen im Immobiliensektor zusätzliche gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen erforderlich machen. Auch die Schwellenländer insgesamt zeigen sich robust, gestützt durch KI-getriebene Investitionen, wenngleich sich die Entwicklung regional unterschiedlich gestaltet.

Paul Diggle, Chief Economist bei Aberdeen Investments, erläutert: „Die Weltwirtschaft befindet sich zunehmend in einem Umfeld höherer Inflationsvolatilität, das unter anderem von geopolitischen Entwicklungen und Störungen der Lieferketten geprägt wird. Auch wenn sich der jüngste Energieschock als vorübergehend erweisen dürfte, könnten angebotsseitige Schocks künftig häufiger auftreten. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Marktphasen, in denen sich Aktien und Anleihen gleichläufig entwickeln. Dies unterstreicht die Bedeutung einer breiten Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Regionen hinweg.“

US-Dollar: Positive Einschätzung etwas zurückgenommen

Für den US-Dollar hat Aberdeen seine Einschätzung leicht reduziert, rechnet jedoch weiterhin mit einer Aufwertung der Währung. Hintergrund ist ein Rückgang der geopolitischen Risikoprämie. Unterstützt wird der Dollar weiterhin durch das vergleichsweise starke Wirtschaftswachstum in den USA, KI-bedingte Kapitalzuflüsse sowie die Möglichkeit eines dauerhaft restriktiveren Kurses der US-Notenbank. Langfristig könnten jedoch eine schrittweise Diversifizierung weg vom Dollar sowie steigende Goldreserven der Zentralbanken Gegenwind erzeugen.

Schwellenländer: Strukturelle Unterstützung bleibt intakt

Für Anleihen und Aktien aus Schwellenländern bleibt Aberdeen Investments positiv gestimmt. Das Wachstum liegt vielerorts weiterhin über dem Niveau vor der Pandemie und profitiert insbesondere in Asien von KI-bedingten Investitionen. Während der jüngste Energieschock rohstoffarme Volkswirtschaften kurzfristig belasten könnte, bleiben die strukturellen Rahmenbedingungen günstig. Mehrere lateinamerikanische Länder verfügen zudem über Spielraum für weitere Zinssenkungen. Allerdings nimmt die Streuung innerhalb der Region zu, wobei die Entwicklung zunehmend von einer kleinen Gruppe technologieorientierter Exporteure getragen wird.

Private Credit: Neutraler Ausblick angesichts fortgeschrittenen Zyklus

Aberdeen hält an einer neutralen Einschätzung für den Private-Credit-Markt fest. Während Investment-Grade-Segmente robust bleiben und attraktive Renditeaufschläge gegenüber öffentlichen Märkten bieten, zeigen sich in Teilen des Direct-Lending-Marktes erste Belastungserscheinungen. Dazu zählen Bedenken hinsichtlich der Kreditvergabestandards, der Fondsliquidität sowie möglicher Verschlechterungen der Rahmenbedingungen im weiteren Konjunkturverlauf.

Immobilien: Stabile Erträge in unsicherem Umfeld

Der Asset Manager bleibt für direkte Immobilienanlagen weltweit positiv gestimmt. Eine robuste Mieternachfrage und stabile Ertragsströme stützen den Sektor. Die Entwicklung wird regional und sektoral zunehmend ausgewogener, was auf eine Verbesserung der Fundamentaldaten hindeutet, auch wenn ausgewählte Sektoren wie etwa Studentenwohnheime im Vereinigten Königreich nach wie vor weniger attraktiv sind. Insgesamt bietet der Sektor in einem von größerer Unsicherheit geprägten makroökonomischen Umfeld weiterhin attraktive laufende Erträge.

Infrastruktur: Langfristige Megatrends profitieren

Aberdeen Investments bewertet den Infrastruktursektor weiterhin deutlich positiv, gestützt durch starke strukturelle Treiber wie Digitalisierung, Dekarbonisierung und steigende Verteidigungsausgaben. Der weltweit hohe Investitionsbedarf im Infrastrukturbereich dürfte eine nachhaltig attraktive Pipeline an Investitionsmöglichkeiten schaffen, wobei privates Kapital eine immer wichtigere Rolle spielt. Während erneuerbare Energien weiterhin den Großteil der Transaktionen ausmachen, gewinnt digitale Infrastruktur zunehmend an Bedeutung. Attraktive Bewertungen finden sich derzeit insbesondere im Small- und Mid-Market-Segment.

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