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Aktien Asien: Qualität als Unterscheidungsmerkmal in Zeiten ungewisser Aussichten

Viele Länder in Asien sind fundamental besser aufgestellt als der Westen, um ihre Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Angesichts günstiger Bewertungen erscheinen nachhaltige Qualitätswerte attraktiv. Aberdeen Standard Investments | 07.07.2020 17:23 Uhr
© Photo by Thomas Tucker on Unsplash
© Photo by Thomas Tucker on Unsplash

Der Ausblick für die Aktienmärkte in Asien präsentiert sich angesichts der Corona-Pandemie und einer drohenden Rezession nicht eben rosig, wenngleich viele Länder ihre Beschränkungen lockern und ihre Wirtschaft wieder hochfahren.

Strenge Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 lasten schwer auf der Wirtschaft und den Unternehmen. Und je länger die Pandemie andauert, desto mehr werden die Störungen im Wirtschaftsablauf die Erholung in der zweiten Jahreshälfte bremsen.

Zudem bleibt eine zweite Infektionswelle in Ländern, in denen die Corona-Auflagen zu früh gelockert wurden, eine ernst zu nehmende Gefahr. Auch die wieder zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China sowie der US-Präsidentschaftswahlkampf dürften für neuerliche Kursschwankungen sorgen.

Mit ihren Hilfspaketen werden Regierungen und Zentralbanken die Märkte zwar auch weiterhin stützen, Anleger sollten dennoch wachsam bleiben.

Allerdings verläuft die Pandemie im asiatisch-pazifischen Raum sehr unterschiedlich. Risiken für die Wirtschaft und sogar für den sozialen Frieden sehen wir in Ländern wie Indien und Indonesien. Zugleich haben aber viele asiatische Regierungen in der Krise klug gehandelt. Schwierige Entscheidungen wurden nicht auf die lange Bank geschoben, sodass sie nun in einer günstigeren Ausgangslage sind, um ihre Wirtschaft wieder hochzufahren.

In China, Südkorea, Taiwan, Hongkong, Australien und Neuseeland dürfte der wirtschaftliche Schaden aufgrund wirksamer Gegenmaßnahmen geringer ausfallen. Zusammen machen diese Märkte mehr als 80% der Benchmark, des MSCI AC Asia Pacific Ex-Japan Index, aus1.

Asien profitiert von seiner orthodoxen Geldpolitik, die den Währungshütern in der Region mehr Spielraum für Zinssenkungen lässt als ihren Kollegen im Westen, die ihr geldpolitisches Instrumentarium weitgehend ausgeschöpft haben.

Zudem verfügen die meisten asiatischen Länder über stärkere Leistungsbilanzen und eine geringere Staatsverschuldung. Außerdem weisen Privathaushalte, Banken und Unternehmen eine solidere Finanzlage auf. Bei den Anlegern dürfte das mit Blick auf die Zukunft für Zuversicht sorgen.

Asien wird zudem von strukturellen Trends begünstigt - allen voran von der Kaufkraft seiner wachsenden Mittelschicht. Die Region beheimatet die Hälfte der Weltbevölkerung und trägt rund 50% zum globalen BIP bei. Auch beim technologischen Wandel hat sie eine Führungsrolle inne, so etwa beim Übergang zum neuen Mobilfunkstandard 5G, beim autonomen Fahren, bei künstlicher Intelligenz und bei der Automatisierung.

Die Spreu vom Weizen trennen

Anlegern sollten den Fokus in der zweiten Jahreshälfte auf zwei Fragestellungen legen: Welche Unternehmen sind in der Lage, dem vom Coronavirus ausgelösten Sturm standzuhalten, und wie werden sich die Unternehmensgewinne entwickeln?

Hinsichtlich der ersten Frage sollte der Schwerpunkt auf Qualität liegen, d.h. auf Unternehmen mit starken Bilanzen, geringer Verschuldung und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen, die in Sektoren mit strukturellem Wachstumspotenzial tätig sind. In Abschwungphasen erweisen sich diese Firmen in der Regel als widerstandsfähiger.

Schwächere Unternehmen geraten schneller in finanzielle Schieflage, weshalb Anleger jede einzelne Anlagechance getrennt für sich betrachten und bewerten müssen. Dies macht auch deutlich, warum die zweite Jahreshälfte eine Zeit des aktiven Managements sein wird. Passive Fonds können schwächeren Unternehmen nicht aus dem Weg gehen. Sie müssen jeden Indexwert halten, ob gut oder schlecht.

Anleger werden die Bilanzen, Fälligkeitsprofile, Cashflows und Nachhaltigkeit der Geschäftsstrategie der Unternehmen genau unter die Lupe nehmen müssen. Ein wichtiger Aspekt bleibt auch die Berücksichtigung von Risiken und Chancen rund um die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance (ESG).

Wir haben festgestellt, dass Unternehmen, deren Management offen über zentrale Risiken und mögliche Gegenmaßnahmen diskutiert, massive Kursverluste vermieden und den Shareholder Value gesteigert haben. Ein Engagement bei Qualitätswerten ist unserer Ansicht nach auch weiterhin die beste Strategie, um Risiken zu mindern.

Was die Unternehmensgewinne anbelangt, so gehen wir davon aus, dass diese weiter unter Druck bleiben werden. Viele Firmen haben ihre Dividendenzahlungen gestrichen oder verschoben und ihre Investitionen gekürzt. Eine gute Kostenkontrolle und operative Effizienz könnten zu Unterscheidungsmerkmalen werden, auf die man sich konzentrieren sollte.

Anleger sollten bei ihren Entscheidungen möglicherweise zudem den Ausblick für ganze Branchen berücksichtigen. Aktien zyklischer Konsumgüterfirmen aus der Automobil-, Einzelhandels-, Reise- und Tourismusbranche trifft die Krise mit ganzer Wucht. Als Reaktion auf die allmähliche Lockerung der Corona-Auflagen sind jedoch an einigen Märkten erste Anzeichen für eine Nachfrageerholung zu beobachten.

In China wurden die Inlandsflüge wieder aufgenommen. Und in einigen Bereichen dürften Einzelhändler weiter florieren, weil sich die Verbraucher mit Elektronik eindecken, um besser von zu Hause aus arbeiten zu können. Auch der Umsatz im Online-Handel dürfte hoch bleiben, wovon aber wohl nicht die Einzelhändler profitieren warden, die die damit verbundenen Chancen nur zögerlich ergreifen.

Den Technologiesektor halten wir nach wie vor für attraktiv, denn er profitiert weiterhin von strukturellen Wachstumstreibern wie Cloud Computing, Datenzentren, 5G und digitaler Interkonnektivität. Allerdings entwickelt sich Technologie derzeit zu einem politisch heiklen Thema im Präsidentschaftswahlkampf in den USA, wie der Druck auf Huawei und die wachsenden Spannungen zwischen Washington und Peking zeigen.

An unserem negativen Ausblick für Banken halten wir fest. Zinssenkungen schmälern die Margen und zugleich stehen die Banken aufgrund der Stundung von Zins- und Tilgungszahlungen bei Verbraucher- und Unternehmenskrediten unter Druck.

Die am Horizont aufziehenden dunklen Wolken scheint der Markt jedoch bereits weitgehend eingepreist zu haben. Zudem sind Aktien aus Asien trotz der jüngsten Markterholung immer noch günstig bewertet. Basierend auf dem Kurs-Buchwert-Verhältnis wies der MSCI AC Asia Pacific ex-Japan Index zum 5. Juni einen Abschlag von 15% auf seinen Zehnjahresdurchschnitt und von über 60% auf den S&P 500 Index auf.

Angesichts der großen Bewertungsunterschiede in den einzelnen Segmenten könnte es sich für Anleger lohnen, jenseits der kurzfristigen Turbulenzen langfristige Anlagechancen ins Visier zu nehmen. Besonders gut schätzen wir die Aussichten für asiatische Qualitätsaktien mit starken Fundamentaldaten ein, die vom strukturellen Wachstum der Region profitieren dürften.

Interessante Bereiche sind unter anderem Premium-Produkte in Segmenten wie Gesundheit, Vermögensverwaltung und Versicherung, aber auch Verbreitung von Technologiediensten wie der Cloud, die Einführung des 5G-Mobilfunkstandards sowie die rasante Urbanisierung und der Infrastrukturbedarf in der Region.

1 MSCI, Stand: 11. Juni 2020

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