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Europa entwickelt industrietechnische Lösungen der Zukunft

Nachdem Europa im Hinblick auf die Entwicklung von Verbraucherplattformen jahrelang hinter den FAANG-Titeln (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet (zuvor Google)) zurückgeblieben ist, könnte die Region nun deutlich von der Digitalisierung der Industrie profitieren. Dadurch dürfte sich die Kluft gegenüber den USA im Hinblick auf die technologische Leistungsfähigkeit langsam schließen. Aberdeen Standard Investments | 28.05.2021 13:00 Uhr
© Photo by Gilles Lambert on Unsplash
© Photo by Gilles Lambert on Unsplash

Die Menschheit hat sich im Laufe der Zeit aus technologischer Sicht kontinuierlich weiterentwickelt. Dieser Fortschritt geht allerdings oftmals mit Phasen deutlicher Umwälzungen einher. Dies wiederum ist in der Regel auf plötzliche, gravierende und anhaltende sprunghafte Veränderungen zurückzuführen, die durch technologische Innovation hervorgerufen werden. Ein Beispiel hierfür ist die Industrielle Revolution. 1776 erfand James Watt die Dampfmaschine, die erstmals in der Geschichte die Erzeugung großer Mengen mechanischer Energie ermöglichte. Die Welt wurde grundlegend verändert. Es ist wohl nicht zu weit hergeholt, zu sagen, dass wir uns derzeit ebenfalls am Rande eines ähnlich radikalen Wandels befinden. Die Revolution in der heutigen Zeit wird von einem exponentiellen Wachstum der Rechenleistung angetrieben, allen voran die immer schnellere Verarbeitung von Daten und die damit verbundene Einführung verschiedener neuer Technologien.

Ein nachhaltiger Wandel

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts beflügelten das mobile Internet und die Digitalisierung des Konsums das Wachstum der Rechenleistung. In dieser Zeit mangelte es europäischen Unternehmen an den Plattformen, die erforderlich sind, um große und umfangreiche Internetprojekte umzusetzen. Als Folge konnten sie nicht mit ihren US-amerikanischen und asiatischen Pendants und dabei allen voran den vorherrschenden FAANG-Titeln mithalten.

Doch dies ändert sich nun. Zugegeben, Europa mag es im Gegensatz zu den USA vielleicht noch immer an führenden Mega-Cap-Technologiekonzernen mangeln. Doch auch in der Alten Welt lassen sich zunehmend digital ausgerichtete Branchenführer finden. Europas Aufstieg in diesem Bereich ist eng mit der Tatsache verknüpft, dass das Wachstum der Rechenleistung künftig weniger vom mobilen Internet und dem Konsum, sondern verstärkt von der Digitalisierung des verarbeitenden Gewerbes und des Industriewesen angetrieben werden dürfte. Anders als im Zuge des industriellen Internets der 1990er-Jahre – und selbst der Ära des mobilen Internets im vergangenen Jahrzehnt – werden diese Investitionen auf breiter Basis erfolgen und dabei künstliche Intelligenz, industrielle Sensoren, Robotik und hochkomplexe Fabrikautomatisierung umfassen.

Die Ursachen dieses nachhaltigen Wandels sind nicht minder relevant. Fertigungsprozesse sind in der Regel kontinuierlicher Natur und daher äußerst datenintensiv. Tatsächlich generiert das verarbeitende Gewerbe beinahe zwei Petabyte an neuen Daten pro Jahr. Das ist etwa doppelt so viel wie beim mobilen Internet. Indes weisen verschiedene wichtige Branchen eine umfangreiche installierte Basis auf. Letztere ist ersatzteil- und wartungsintensiv, weshalb die Daten hier besonders wertvoll sind. Darüber hinaus sind einige Schlüsseltechnologien (z.B. Echtzeitsimulation und Automatisierung) mittlerweile praktikabel. Ermöglicht wird all dies durch das Aufkommen von Technologien im industriellen Maßstab, ähnlich der ersten Industriellen Revolution. Man könnte also von einem „zweiten Maschinenzeitalter“ sprechen.

Diese Revolution dürfte rasant voranschreiten. Morgan Stanley prognostiziert, dass die Ausgaben für Industrie-Erstausrüstung – nach zwei Jahrzehnten mit Unterinvestitionen – in den nächsten zehn Jahren 40% der rund 1,6 Bio. USD an zusätzlichen IT-Investitionen ausmachen werden. Als Folge dürften die Gesamtausgaben im verarbeitenden Gewerbe weltweit um 13% steigen.

Diese Investitionen betreffen die Kompetenzbereiche Europas. Beispielsweise ist für die Digitalisierung des verarbeitenden Gewerbes mehr als nur Software vonnöten. Darüber hinaus sind auch tiefgreifendes Fachwissen und langjährige Kundenbeziehungen erforderlich. In dieser Hinsicht weist Europa unseres Erachtens einen Vorteil auf – nicht zuletzt dank des reichen industriellen Erbes der Region. Europa ist Heimat einiger der weltweit größten Industriesoftwareunternehmen, darunter SAP, Dassault Systems und Siemens. Ein weiteres Schwergewicht ist der Robotik- und Automatisierungsspezialist Schneider. Im Bereich Core Banking ist Temenos führend, und die deutsche Softwareschmiede Nemetschek stellt Architekten, Ingenieuren und Bauunternehmen Lösungen für das Building Information Modeling (BIM) bereit. Die Liste lässt sich beliebig fortführen.

Dieser Übergang hin zur Industrie als Treiber der IT-Ausgaben kommt auch in der zunehmenden Verflechtung von Hardwareausrüstern und Softwareanbietern zum Ausdruck. Auch diesbezüglich nimmt Europa eine Führungsposition ein. So bekundete etwa Schneider mit seiner Beteiligung am Softwareunternehmen Aveva seine Absichten in diesem Bereich. Es dürfte innerhalb der Branche zu weiteren Transaktionen dieser Art kommen.

Wendepunkt

In der Vergangenheit waren Engagements an den europäischen Märkten mit Schwierigkeiten verbunden. Sie waren sowohl im Hinblick auf die Freizügigkeit von Arbeitnehmern als auch grenz-/branchenübergreifende Innovationen eher starr. Die geografische und politische Landschaft gestaltete sich komplex. Es bestand zudem ein Mangel an Homogenität sowie ein tief verwurzeltes industrielles Erbe. Zusammengenommen waren dies im Internetzeitalter, in dem die Digitalisierung des Konsums auf dem Vormarsch war, relative Nachteile. Da die Digitalisierung des verarbeitenden Gewerbes aber rasant voranschreitet, wandeln sich viele dieser Merkmale in Vorzüge. Mittlerweile messen Anleger dem Verständnis der branchenspezifischen Gegebenheiten seitens eines Unternehmens und dessen Fähigkeit, Produkte anzubieten, die kundenspezifische Anforderungen erfüllen, einen höheren Stellenwert bei.

Der Ruf Europas als „alte Volkswirtschaft“ wird zunehmend hinterfragt.

Der Ruf Europas als „alte Volkswirtschaft“ wird somit zunehmend hinterfragt. Das Fundament für eine Führerschaft Europas besteht bereits seit Langem. Die Universitäten und Exzellenzentren in der Region zählen zu den besten der Welt. Zudem holt die Region auch in Bezug auf Investitionen und die Nutzung von Technologie auf.

Dieser Wandel kommt auch im jüngsten Innovationsindex von Bloomberg zum Ausdruck, bei dem sich sieben europäische Länder unter den Top 10 befinden (die Schweiz, Deutschland und Schweden jeweils auf Platz 3, 4 und 5). Was die Märkte anbelangt, so sind Goldman Sachs zufolge im letzten Jahrzehnt über 120 neue europäische Technologieunternehmen mit einem Marktwert von über 1 Mrd. USD entstanden. Seit 2016 gibt es in Europa mehr Börsengänge von Technologiefirmen als in den USA. Wichtig dabei ist, dass sich europäische Anleger auch in Scharen bei Start-ups und neuen Unternehmen engagieren.

Die Innovationen in Europa bleiben dabei aber alles andere als nur auf die traditionellen Hochburgen beschränkt. Aufgrund der Komplexität haben sich viele Unternehmen zu weltweit führenden Business-to-Business-Anbietern (B2B-Anbietern) entwickelt, so etwa in Bereichen wie dem Zahlungsverkehr. Dieser Wandel stützt sich auf eine Vielzahl von Faktoren. Aufstrebende Technologiezentren in Lissabon, Barcelona und Stockholm fördern unzählige Talente zutage. Indes stellen die unterschiedlichen Regulierungssysteme in Europa zusammen mit den vielfältigen Zahlungs- und Zollmodalitäten eine ideale Keimzelle für neue Zahlungsinfrastruktur und -modelle dar. Ein Unternehmen, das diesen Trend versinnbildlicht, ist die Bezahlplattform Adyen. Es wurde ursprünglich gegründet, um viele der einzigartigen Herausforderungen in Europa anzugehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die aktuellen Technologien des Unternehmens auch für die komplexen Gegebenheiten des modernen, globalen Handels eignen.

Abgesehen vom B2B-Zahlungsverkehr nimmt Europa auch eine Führungsposition bei eher nischenorientierten Industrietechnologien ein. Dazu zählen Lebensmitteleinkauf, Glücksspiel und Bildung. Darüber hinaus baut Adevinta/Schibsted ein Kleinanzeigengeschäft auf, das sich global skalieren lässt. Und dann ist da noch der strategische Investor Prosus, der den Fokus auf langfristige Wertsteigerung durch den Aufbau führender Technologieunternehmen legt.

Abschließende Erwägungen ...

Unseres Erachtens dürften sich Produzenten im Bestreben um Effizienzsteigerungen und auf der Suche nach neuen Ertragsquellen immer mehr von der traditionellen Fließbandproduktion und dem Vertrieb ab- und im Gegenzug Daten zuwenden. Als Folge dürfte sich der technologische Vorteil unserer Ansicht nach zusehends von den disruptiven FAANG-Titeln auf im Bereich der industriellen Digitalisierung führende Unternehmen verlagern. Europa stellt in dieser Hinsicht eine aufstrebende Region dar angesichts der zahlreichen Qualitätsunternehmen, die in Segmenten wie Industriesoftware und Automatisierung tätig sind. Vertreten sind in der Region auch eine Reihe von Unternehmen, die den rasch wachsenden B2B-Markt wesentlich mitgestalten, darunter Anbieter von Online-Bezahldiensten und -Kleinanzeigen. Wir glauben, dass dies die vorherrschenden Technologiethemen der nächsten Jahrzehnte sein werden. Für Anleger in Europa wird dies eine Fülle an Gelegenheiten zur Folge haben, mit denen sie gut für die Zukunft gerüstet sind.

Jamie Mills O'brien And Kurt Cruickshank, Investment Directors, Aberdeen Standard Investments

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