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Schutz von Menschenrechten aus Anlagesicht

Die Covid-Pandemie hat den Fokus wieder auf die sozialen Aspekte von ESG-Anlagen verlagert. Wie können Anlageverwalter Menschenrechte in ihrem Ansatz berücksichtigen? Und welchen Nutzen hat dies? Aberdeen Standard Investments | 17.06.2021 15:00 Uhr
© Photo by Alexander Andrews on Unsplash
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Menschenrechte umfassen eine breite Palette an Belangen – vom Recht auf hochwertige Bildung, Gesundheit und Ernährung bis hin zum Recht auf Unversehrtheit, z.B. nicht gefoltert oder versklavt zu werden. Die Menschenrechte stellen einen Bereich dar, der von der Anlegergemeinschaft aus Researchsicht nur wenig beachtet wird, was größtenteils dem überwältigenden Umfang des Themas sowie der Schwierigkeit, Faktoren in Bezug auf Menschenrechte zu messen, geschuldet ist.

Die Covid-Krise hat Menschenrechte jedoch in den Vordergrund gerückt. Im Rahmen einer jüngst unter Unterzeichnern der Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren (Principles of Responsible Investment, PRI) durchgeführten Umfrage gaben 64% der Befragten an, dass Covid-19 ihre Aufmerksamkeit auf soziale Belange gelenkt hat. Zu den Prioritäten der Umfrageteilnehmer mit Blick auf die Zukunft zählen Menschenrechte, psychische Gesundheit und Zugang zum Gesundheitswesen.1

Wir bei ASI sind der Ansicht, dass der Schutz von Menschenrechten nicht nur im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit, sondern auch aus langfristiger Anlageperspektive von Belang ist. Unser Ansatz in Bezug auf Menschenrechte im Anlagebereich erklärt, wie wir diese Belange angehen. Dadurch wird auch unsere Bottom-up-Anlageanalyse verbessert.

Die Risiken und Chancen

Für Unternehmen lassen sich Risiken und Chancen in Bezug auf Menschenrechte in drei Kategorien unterteilen: Reputation, Geschäftstätigkeit und Regulierung. Die Missachtung von Menschenrechten kann sich auf alle drei Aspekte und letztlich auch auf die Bewertung der Vermögenswerte auswirken.

Reputation

Kontroversen können erhebliche und anhaltende Schäden zur Folge haben. Studien zeigen, dass der S&P 500 Index in einem Zeitraum von fünf Jahren 500 Mrd. USD an Marktkapitalisierung infolge wesentlicher ESG-Kontroversen eingebüßt hat.2 So etwa hatte das Bekanntwerden von Kinder-/Sklavenarbeit und Menschenrechtsverletzungen in den indonesischen Werken von Nike Ende der 1990er-Jahre eine Flut von Protesten unter Verbrauchern zur Folge. Das Unternehmen musste herbe Umsatzverluste hinnehmen und sah sich dadurch gezwungen, die Missstände zu beheben, um seinen Ruf wiederherzustellen.

Neben der Vermeidung von Risiken sind der Aufbau und die Pflege einer starken, positiven Unternehmensreputation darüber hinaus mit zahlreichen finanziellen Vorteilen verbunden.

  • Erhöhtes Anlagervertrauen – Eine starke Unternehmensreputation kann Aufschluss über Verhalten und Entscheidungen in der Zukunft geben. Dies ist im Hinblick auf Marktprognosen von Vorteil und steigert das Anlegerinteresse, da mit positiven Erträgen gerechnet wird.
  • Kundenbindung – Der gute Ruf eines Unternehmens kann die Bindung der Kunden an eine Marke verstärken. Wenn Kunden das Gefühl haben, dass ihre Werte mit denen des Unternehmens übereinstimmen, sind sie eher geneigt, dessen Waren oder Dienstleistungen zu kaufen.
  • Talentakquise und -bindung – Stimmen die Werte des Unternehmens mit jenen bestehender und potenzieller Mitarbeiter überein, gestaltet sich die Talentakquise und -bindung einfacher. Dies kann die Mitarbeiterfluktuation und die Personalkosten verringern sowie den Wert des geistigen Eigentums eines Unternehmens und dessen Innovationsfähigkeit steigern.

Geschäftstätigkeit

Operative Risiken und Menschenrechte sind eng mit dem Konzept der sogenannten „Social Licence to Operate“ (SLO) verknüpft. Es gibt keine einheitliche Definition für die SLO. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Konzept, in dessen Rahmen anerkannt wird, dass ein Unternehmen seine Geschäftstätigkeit nur so lange fortführen kann, wie die Mitarbeiter, Anspruchsgruppen und die breitere Öffentlichkeit bereit sind, dies zu akzeptieren. Es ist insofern mit einer regulatorischen Zulassung vergleichbar, als ein Entzug dieser Zulassung potenzielle Betriebsstörungen und Geschäftsverluste nach sich ziehen kann.

Die finanziellen Folgen können verheerend sein. Untersuchungen zeigen, dass Verzögerungen in der Bergbaubranche infolge von Konflikten mit Gemeinschaften Kosten von bis zu 20 Mio. USD pro Woche verursachen können.3 2014 musste Vedanta Resources ein Bergbauprojekt in den indischen Niyamgiri-Bergen im Umfang von 2 Mrd. USD aufgeben, da die dort angesiedelte Dongria Kondh-Gemeinschaft Einwände gegen den Vorschlag des Unternehmens erhob. Das Unternehmen hatte es versäumt, vor Beginn des Bergbauprojekts die Einwilligung der Dongria Kondh einzuholen, und hatte bereits eine Raffinerie eröffnet. Letztere bescherte dem Unternehmen Verluste in Millionenhöhe, und auch die potenziellen Gewinne aus der Mine gingen Vedanta Resources verloren.

Durch Anwendung einer soliden Politik, die den Schutz von Menschenrechten sicherstellt, können Unternehmen effizienter und effektiver arbeiten, insbesondere in einem komplexen oder unbekannten Umfeld oder in Konfliktgebieten.

Das Engagement in der Gemeinschaft ist ein anerkannter Weg, um eine SLO zu erlangen und zu bewahren, vor allem in Gebieten, in denen nur schwache Landrechte bestehen und mit Umweltauswirkungen zu rechnen ist oder in denen die lokale Wirtschaft aus Beschäftigungssicht von einer kleinen Zahl an Branchen abhängig ist. Ein starker Engagementansatz kann sich äußerst wertsteigernd auf Unternehmen auswirken. Eine unter 19 börsennotierten Goldförderunternehmen durchgeführte Studie hat gezeigt, dass zwei Drittel ihrer Marktkapitalisierung auf die Engagementpraktiken der Anspruchsgruppen dieser Unternehmen und nur ein Drittel auf das tatsächlich geförderte Gold zurückzuführen sind.4 ,5

Da das Bewusstsein der Verbraucher für die Auswirkungen von Unternehmen auf die Umwelt und die Gesellschaft wächst, hat auch die Bedeutung der SLO eines Unternehmens wesentlich an Bedeutung gewonnen. Die Vorstellung, dass die Aktionäre an erster Stelle stehen, wird zunehmend hinterfragt. Immer mehr Unternehmensentscheider streben nun ein Gleichgewicht zwischen Gewinnen und den Bedürfnissen von Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und lokalen Gemeinschaften an.

Im August 2019 veröffentlichte der Business Roundtable eine Erklärung über den Zweck eines Unternehmens, die von 181 CEOs unterzeichnet wurde, welche sich verpflichteten, „ihre Unternehmen zum Vorteil aller beteiligten Stakeholder zu führen“ und „einen modernen Standard für unternehmerische Verantwortung“ zu verfolgen.6 Zu den konkreten Zusagen zählen Investitionen in die Mitarbeiter mittels fairer Vergütungs- und Schulungsprogramme, ein fairer und ethischer Umgang mit Lieferanten sowie Respekt vor den in den Gemeinschaften lebenden Menschen.7

Regulierung

Die Offenlegung von Menschenrechtsbelangen durch Unternehmen fällt im Allgemeinen unzureichend aus, was die Rufe nach einer obligatorischen Berichterstattung lauter werden lässt. Die Einhaltung neuer Anforderungen macht womöglich umfassende Änderungen in Bezug auf den Betrieb und die Offenlegungen von Unternehmen erforderlich. Dies ist zwar unweigerlich mit Kosten verbunden. Eine solide Menschenrechtspolitik trägt aber auch dazu bei, mögliche gesetzliche Strafen zu vermeiden und gleichzeitig von den oben beschriebenen Vorteilen im Hinblick auf Reputation und Geschäftstätigkeit zu profitieren.

Da sich die regulatorische und rechtliche Landschaft weiterentwickelt, wird die Durchsetzung der Vorgaben über die Wirksamkeit dieser Initiativen zur Förderung der Menschenrechte entscheiden. Die Strafen im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen fallen bislang relativ niedrig aus. Es zeichnet sich jedoch deutlich ab, dass die Wahrung der Menschenrechte durch Unternehmen auch bei den Regulierungsbehörden einen immer höheren Stellenwert einnimmt.

Positiven Wandel fördern

Wir sind stark vom Wert des Unternehmensengagements überzeugt, und es stellt einen wesentlichen Bestandteil unseres Anlageprozesses dar. Wir treten regelmäßig in einen Dialog mit Unternehmen und verfolgen eine „Rechteinhaber“-orientierte Denkweise. Durch regelmäßige Gespräche mit der Unternehmensleitung wollen wir gute soziale Praktiken und Richtlinien fördern. Wir glauben, dass dies letztendlich bessere langfristige Erträge für unsere Kunden nach sich zieht und der Gesellschaft zugutekommt.

Fazit

Eine sorgfältige Beurteilung und ein tiefgreifendes Verständnis von Menschenrechtsbelangen mindert Risiken und eröffnet Chancen für Unternehmen wie auch Anleger. Gleichwohl bleiben Herausforderungen bestehen, selbst für Unternehmen mit fortschrittlicher Menschenrechtspolitik. Auch sind erhebliche regionale Unterschiede zu beobachten. Dennoch nimmt der Einfluss der Unternehmen, begünstigt durch fundierte Unternehmensentscheidungen, die klare Vorteile für den Ruf und die Rentabilität eines Unternehmens haben und mit denen das regulatorische Risiko reduziert werden kann, weltweit zu. Unternehmen, die sich Menschenrechtsbelangen schon heute annehmen, sind gut positioniert, um die anhaltenden Verbesserungen zugunsten aller zu fördern.

Elizabeth Meyer, Senior ESG Investment Analyst, Aberdeen Standard Investments

1 Reynolds, F. (PRI) (2020) „COVID-19 accelerates ESG trends, global investors confirm“, PRI Blog, 3. September 2020 [Online]. Verfügbar unter https://www.unpri.org/pri-blog/covid-19-accelerates-esg-trends-global-investors-confirm/6372.article (aufgerufen am 27. April 2021).

2 Flood, C. (2019) ‘ESG controversies wipe $500bn off value of US companies’, Financial Times, 14. Dezember 2019 [Online]. Verfügbar unter https://www.ft.com/content/3f1d44d9-094f-4700-989f-616e27c89599 (aufgerufen am 27. April 2021).

3 Davis, R. und Franks, D. (2014) „Costs of Company-Community Conflict in the Extractive Sector“, Cambridge, MA, Harvard Kennedy School Corporate Social Responsibility Initiative Report, Nr. 66.

4 Henisz, W. J., Dorobantu, S. und Nartey, L. J. (2013) „Spinning gold: The financial returns to stakeholder engagement“, Strategic Management Journal, Vol. 35, Nr. 12, S. 1727-1748.

5 Franks, D. M., et al (2014) „Conflict translates environmental and social risk into business costs“, Proceedings of the National Academy of Sciences, Vol. 111, Nr. 21, S. 7576ff.

6 Business Roundtable (2019) „Business Roundtable Redefines the Pupose of a Corporate to Promote ‚An Economy That Serves All Americans‘“ [Online]. Verfügbar unter https://www.businessroundtable.org/business-roundtable-redefines-the-purpose-of-a-corporation-to-promote-an-economy-that-serves-all-americans (aufgerufen am 13. November 2019).

7 Business Roundtable (2019) Statement on the Purpose of a Corporation [Online]. Verfügbar unter https://opportunity.businessroundtable.org/wp-content/uploads/2019/09/BRT-Statement-on-the-Purpose-of-a-Corporation-with-Signatures-1.pdf (aufgerufen am 13. November 2019).

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