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Digitale Zentralbankwährungen: Ein Wettlauf mit der Zeit

abrdn | 13.08.2021 10:40 Uhr
Luke Bartholomew, Senior Monetary Economist bei Aberdeen Standard Investments / © e-fundresearch.com / Aberdeen Standard Investments
Luke Bartholomew, Senior Monetary Economist bei Aberdeen Standard Investments / © e-fundresearch.com / Aberdeen Standard Investments

„Zentralbanken, die ihre eigenen Währungen ausgeben, könnten den gesamten Bankensektor destabilisieren“, so Luke Bartholomew, Senior Monetary Economist, Aberdeen Standard Investments. Ein Grund dafür sei beispielsweise, dass das digitale Konto bei der Zentralbank günstiger und sicherer sein könnte als das Bankkonto bei den großen Banken. Im Krisenfall könnte es den Banken-Run beschleunigen. Wenn CBDCs Zinsen zahlen, würden sie außerdem eine Untergrenze setzen, unter die Geschäftsbanken nicht fallen können. Dies berge die Gefahr, dass Banken zu Investmentgesellschaften werden und aufgrund des schwindenden Einlagengeschäfts nicht mehr in der gewohnten Form Kredite an Unternehmen und Privathaushalte vergeben könnten.

Doch Passivität seitens der Zentralbanken würde nach Ansicht des Investmentexperten bedeuten, dass die Weltbevölkerung zu Kryptowährungen übergeht, die sich vollständig in privater Hand und außerhalb der staatlichen Kontrolle befinden. Ein Szenario, das zwar unwahrscheinlich sei, da die Regulierungsbehörden nicht untätig bleiben werden, aber auch nicht unmöglich. „Die politischen Entscheidungsträger laufen Gefahr, die Kontrolle über das Finanz- und Zahlungssystem zu verlieren, und private ‚Stablecoins‘, die zu einem festen Kurs mit den bestehenden nationalen Währungen umgerechnet werden, könnten sich durchsetzen – der Wettlauf mit der Zeit ist eröffnet“, so Bartholomew.

Vor- und Nachteile einer digitalen Zentralbankwährung

Die Vorteile für die Länder und Regierungen jener Zentralbanken, die Digitalwährungen schaffen, lägen darin, die aktuelle Bedrohung durch private Digitalwährungen abzuwehren und die Kontrolle über die Geldmenge und die Zinssätze zu behalten, um wirtschaftliche Ziele zu unterstützen. „Mit CBDCs hätten Zentralbanken eine Übersicht darüber, wo die Menschen ihre Digitalwährung ausgeben. Der Bevölkerung könnte leichter ‚Helikoptergeld‘ ausgezahlt werden, was der Wirtschaft zugutekäme und Steuern könnten automatisch abgezogen werden“, erklärt Batholomew. Digitales Zentralbankgeld könnte auch mehr Flexibilität in Bezug auf negative Zinssätze bieten, sofern damit die Abschaffung von physischem Bargeld verbunden wäre. Dies könnte dazu beitragen, Volkswirtschaften in schwächeren Phasen zu stimulieren.

Auch für die Nutzer von CBDCs gäbe es Vorteile. CBDCs wären ein risikofreier Vermögenswert, da Zentralbanken im Gegensatz zu Geschäftsbanken nicht bankrottgehen können. Außerdem könnten sie deutlich günstigere und schnellere Zahlungsprozesse weltweit ermöglichen. „Allerdings verlieren Nutzer der digitalen Zentralbankwährung damit ihre Anonymität. Eine staatliche Kontrolle über das Geld des Einzelnen könnte wahrscheinlicher werden“, gibt Bartholomew zu bedenken.

Vorreiter China

Die People's Bank of China hat bereits in einem Pilotprojekt eine nationale Kryptowährung geschaffen, die über eine App funktioniert. „Das erklärte Ziel ist es, Bargeld zu ersetzen, die finanzielle Inklusion zu verbessern und effizientere Zahlungssysteme im ganzen Land aufzubauen. China hat bereits ein sehr ausgeklügeltes Zahlungsnetzwerk per Smartphone, und man könnte sagen, dass die Bevölkerung weniger Bedenken bezüglich der Privatsphäre hat“, sagt Bartholomew. Allerdings seien staatliche Eingriffe nicht mehr unwahrscheinlich. Die People’s Bank of China schlage bereits die Ausgabe von sich „abwertenden Geldscheinen“ vor, um die Menschen zum Geldausgeben zu animieren.

Ausblick

Der Investmentexperte geht davon aus, dass sich private Kryptowährungen kurz- bis mittelfristig weiter ausbreiten werden und es eine Art Koexistenz zwischen ihnen und den CBDCs geben wird. Dabei könne es durchaus zu einer Regulierung der Kryptowährungen kommen, wie vor Kurzem in China geschehen. Damit der Übergang zu CBDCs keine Destabilisierungswelle auslöse, würden die Zentralbanken bereits an möglichst wirtschaftsverträglichen Lösungen arbeiten. Eine Möglichkeit sehe vor, CBDCs über Geschäftsbanken verfügbar zu machen. „Langfristig haben unserer Ansicht nach die digitalen Zentralbankwährungen trotz ihrer Schwächen durchaus das Potenzial sich durchzusetzen und private Kryptowährungen zu verdrängen. Wie die digitalen Zentralbankwährungen in Hinblick auf die Bankenwelt konkret aussehen könnten, bleibt abzuwarten“, so Bartholomew.

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