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abrdn: Anleihen mit Klimafokus – warum das Label „grün“ nicht reicht

Wer beim Einkauf auf dem Wochenmarkt Biogemüse in einen Stoffbeutel aus Biobaumwolle füllt, ist vermutlich überzeugt davon, sich umweltfreundlich zu verhalten. Hier wird auf Plastik verzichtet, der Einkauf ist lokal und er unterstützt die biologische Landwirtschaft. abrdn | 03.11.2021 14:27 Uhr
© Canva
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Zu erfahren, dass Gemüse, das auf einem vollgepackten Lkw daherkommt, allgemein weniger Treibhausgase produziert als das Gemüse auf dem Wagen des Bauern selbst, würde einiges Entsetzen auslösen. Und der Beutel aus Biobaumwolle? Ohne Pestizide werden für dessen Herstellung deutlich mehr Pflanzen, Wasser und Ressourcen verbraucht. Tatsächlich so viel mehr, dass der Beutel erstaunliche 20.000 Mal zum Einsatz kommen muss, um eine kumulative Umweltwirkung zu erreichen, die mit der eines Einweg-Plastikbeutels vergleichbar wäre.1

Es ist nicht leicht zu sagen, was wirklich „grün“, nachhaltig oder mit dem Netto-Null-Ziel zu vereinbaren ist. Der Kauf von Produkten mit Umweltetikett reicht jedenfalls nicht aus.

Was sind „grüne“ Anleihen?

In einem kühnen Unterfangen wurde 2007 von der Europäischen Investment-Bank die erste „grüne Anleihe“ ausgegeben. Die Nachfrage nach solchen Anleihen ist seitdem kräftig gestiegen: 2010 wurden grüne Anleihen im Wert von 3,5 Mrd. USD ausgegeben, und bis 2020 ist dieser Wert auf 305 Mrd. USD gestiegen.

Diese Anleihen sollen Kapital in Projekte lenken, die einen positiven Umweltbeitrag leisten. Das Geld soll die Ursachen des Klimawandels reduzieren und eine grünere Zukunft schaffen. Die Climate Bond Initiative formuliert es wie folgt: „Die Ära grüner Anleihen ist angebrochen – die Mobilisierung der Anleihemärkte als kostengünstige Finanzierungsquelle wird für den Weg in eine kohlenstoffarme, klimaresistente Wirtschaft von entscheidender Bedeutung sein.“

Grüne Anleihen haben sicherlich bereits eine positive Umweltwirkung bewiesen. Zu glauben, die globalen Umweltprobleme ließen sich allein mithilfe dieser Instrumente lösen, ist jedoch Wunschdenken.

Kein ausreichendes Angebot

Die Datenlage zeigt, dass nicht alle Sektoren – und gewiss nicht alle relevanten Sektoren – ausreichend grüne Anleihen ausgeben. So ist der Energiesektor für 9% aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich und auf die hier produzierten Brennstoffe entfallen weitere 33% der weltweiten Emissionen. Nach Einschätzung der internationalen Energieagentur dürfen keine neuen Öl- oder Gasvorkommen mehr erschlossen werden, wenn das in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel erreicht werden soll. Vor diesem Hintergrund wäre es doch sicherlich sinnvoll, grüne Finanzierungsquellen zu nutzen – oder nicht? Im Jahr 2020 emittierte der Sektor grüne Anleihen im Umfang von etwas mehr als 1 Mrd. USD, nahm aber 215 Mrd. USD über traditionelle Anleihen auf. Entsprechend stammte also nur 1% des Gesamtkapitals aus „grünen“ Quellen. Die Zahlen für das aktuelle Jahr fallen ähnlich aus.

Mangelnde Aufsicht

Für eine Bemessung der Wirkung grüner Anleihen braucht es mehr Aufsicht. Eine Anleihe kann selbst dann als „grün“ bezeichnet werden, wenn keine Anforderungen zur Reduzierung von Emissionen daran geknüpft sind. Zwar gibt es ein „Impact Reporting“ zur Darstellung der Umweltwirkung, in dessen Rahmen Unternehmen etwa projektbezogene Emissionen offenlegen müssen. Dies führt jedoch nicht zwingend zu einer Verpflichtung zur Reduzierung des Gesamtausstoßes der Unternehmen.

In der Immobilienbranche darf Refinanzierungskapital für den Kauf „grüner“ Gebäude eingesetzt werden, die mehr als zehn Jahre alt sind. In Wirklichkeit werden dabei überhaupt keine neuen Gebäude gebaut oder entwickelt.

Im Automobilsektor gelten Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 50g je Kilometer nach neuem EU-Recht bereits als nachhaltig, und dies auch nur bis 2026. Und Hersteller verkaufen Plug-in-Hybride als kohlenstoffarme Alternative zu traditionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. In der Politik betrachtet man diese Fahrzeuge als Berechtigung für grüne Anleihen. Die aktuelle Forschung deutet jedoch darauf hin, dass der CO2-Ausstoß hybrider Fahrzeuge zweieinhalbmal höher sein kann als in offiziellen Tests vermutet. 2

Zudem ist das Risiko hoch, dass Produkte als „grün“ bezeichnet werden, obwohl sie keinen grundlegenden Umweltstandards entsprechen („Greenwashing“). Dies gilt vor allem für die Schwellenländer. Nach Einschätzung der Climate Bonds Initiative war dies bei fast 8% der 2020 ausgegebenen grünen Anleihen der Fall. Dies entspricht einem Volumen von nahezu 9 Mrd. USD.

Hausaufgaben machen

Nur durch notwendiges Research kann man die wahre Natur grüner Anleihen erkennen. Wichtig ist dabei, Verwendungszweck, Impact Reporting und Einhaltung anerkannter Standards genau zu überprüfen. Auch die allgemeinen ESG-Bewertungen der Emittenten spielen eine große Rolle. So würden wir grüne Anleihen eines Versorgers, der damit Projekte für erneuerbare Energien finanzieren will, aber keine Pläne für den Kohleausstieg vorlegen kann, stark in Zweifel ziehen.

Dennoch sind auch viele gute grüne Anleihen im Angebot. Energias de Portugal, ein vertikal integrierter Stromversorger, spielt in der Wende eine Vorreiterrolle: 54% der ausstehenden Euro-Anleihen des Unternehmens sind grün – ein starker Beweis dafür, dass der Übergang in eine kohlenstoffarme Welt hier ernsthaft unterstützt wird. Bei der Reduzierung seiner Emissionen kann das Unternehmen eine ausgezeichnete Erfolgsbilanz vorweisen, und es setzt sich immer höhere Ziele. So wurde in diesem Jahr beschlossen, dass die Scope-1- und Scope-2-Emissionen des Versorgers bis 2030 um 90% gesenkt werden sollen.

Weiter oben wurden bereits einige der Defizite im Automobilsektor näher beleuchtet. Wie in jeder Branche sind aber auch hier manche Unternehmen besser als andere. Nehmen wir einmal Volvo. Seit dem letzten Jahr sind alle neuen Volvos hybride oder vollelektrische Fahrzeuge. Das Unternehmen hat sich dazu verpflichtet, bis 2025 auf eine klimaneutrale Produktion umzustellen, und bis 2040 soll dies für die ganze Wertschöpfungskette gelten. Volvo hat sich wissenschaftlich fundierte Ziele gesetzt und das Rahmenwerk für die grünen Anleihen des Unternehmens sieht eine höchst detaillierte Offenlegung von Ausschlusskriterien vor. Damit haben die Schweden hohe Maßstäbe gesetzt, an denen sich andere Autobauer mit Plänen für grüne Anleihen messen müssen.

Auf Länderebene ist Chile zu nennen. Das Land ist im Begriff, eine aggressive Dekarbonisierungspolitik und ein Kohlenstoffbudget durchzusetzen, die das Netto-Null-Ziel bis 2050 unterstützen sollen. Chile hat 2019 als erstes Land in Lateinamerika eine grüne Anleihe ausgegeben, die Kapital in Projekte zum Klimaschutz lenken soll. Dazu zählen Hochwasserschutz, Bewässerungssysteme und die Modernisierung des Abwassermanagements – alles wichtige Aspekte im Umgang mit den physikalischen Risiken des Klimawandels.

Was bedeutet das für Anleger?

Auch Vermögensverwalter können hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie Anleihenfonds entwickeln, die den Übergang zur Klimaneutralität unterstützen und Kapital dahin steuern, wo es am dringendsten benötigt wird. Für Anleger ergibt sich daraus die Chance, in Bereiche mit hohem Kapitalbedarf zu investieren und zugleich ihre finanzielle Zukunft zu sichern.

Auch in der Politik ist man tätig geworden. So wurde im März die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) ins Leben gerufen. Sie verpflichtet Finanzmarktteilnehmer und -berater zu einer detaillierteren Offenlegung von Informationen zum Thema Nachhaltigkeit. Damit sollen Anleger mit allen nötigen Informationen versorgt werden, um Investitionsentscheidungen im Einklang mit ihren Nachhaltigkeitszielen zu treffen.

Abschließende Erwägungen…

Ein wesentlicher Punkt ist, dass bestimmte Sektoren nicht von vornherein ausgeschlossen werden sollten. Auf dem Weg zu einer CO2-freien Wirtschaft muss Kapital dort ankommen, wo es gebraucht wird und wo es den größten Effekt erzielen kann – egal in welchen Sektoren oder Unternehmen. Niemand sollte hintenanstehen.

Die Unternehmensauswahl dient lediglich Illustrationszwecken und als Beispiel für den beschriebenen Anlagestil, sie stellt keinerlei Anlageempfehlung oder Hinweis auf die künftige Entwicklung dar.

1https://qz.com/1585027/when-it-comes-to-climate-change-cotton-totes-might-be-worse-than-plastic/
2https://airqualitynews.com/2020/09/16/hybrid-vehicles-emit-2-5-times-more-co2-than-official-tests-indicate/

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