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abrdn: Warum die Ozean-freundliche Umschuldung von Belize Schule machen könnte

abrdn | 19.11.2021 09:58 Uhr
© Foto von Kimberly McNeilus von Pexels
© Foto von Kimberly McNeilus von Pexels

Der kleine Staat Belize liegt an der Ostküste Zentralamerikas. Er zählt keine halbe Million Einwohner und ist bekannt für die atemberaubende Schönheit seiner Natur. Der größte Schatz des Landes ist das Belize Barrier Reef, das nach dem australischen Great Barrier Reef zweitgrößte Korallenriffsystem der Welt. Durchzogen von Hunderten von kleinen Inseln, den sogenannten Cayes, beherbergt das Riff eine unglaublich vielfältige marine Tier- und Pflanzenwelt und hat Belize zu einem Mekka für Touristen gemacht. Tatsächlich ist die Wirtschaft des Landes in hohem Maße vom Tourismus abhängig, der in den vergangenen Jahre rund 40% des BIP und 60% der Deviseneinnahmen generiert hat.

Schwerer Covid-19-Schock und Zahlungsunfähigkeit

In diesem Kontext hatte der Einbruch des weltweiten Tourismus aufgrund der Covid-19-Pandemie unweigerlich verheerende Auswirkungen auf Belize. Die Wirtschaft des Landes schrumpfte 2020 um 14,1%. Steuereinnahmen blieben aus und die pandemiebedingten Ausgaben stiegen rasant an. Das Verhältnis der Staatsverschuldung gegenüber dem BIP schnellte von 98% in 2019 auf 126% in 2020 empor1. Belize war nicht mehr in der Lage, seine Auslandsschulden, insbesondere seine „Superanleihen“ mit Fälligkeit 2034 in Höhe von 533 Mio. USD, zu bedienen. Im Jahr 2020 verschafften die Anleiheninhaber der Regierung die dringend benötigte Liquiditätsentlastung, indem sie sich bereit erklärten, die fälligen Zinszahlungen auf den geschuldeten Gesamtbetrag aufzuschlagen (d. h. eine „Kapitalisierung“ der Kupons).

Umstrukturierungsbemühungen

Um Zeit für das Finden einer Umstrukturierungslösung zu gewähren, erklärten sich die Anleiheninhaber 2021 weiterhin bereit, die Frist für die im Mai fällige Kuponzahlung zu verlängern. Nach Monaten intensiver Verhandlungen konnten sich die Regierung von Belize und der Ausschuss der Anleiheninhaber, in dem abrdn als wichtiges Mitglied vertreten war, am 13.September 2021 endlich auf eine realisierbare Lösung für die Restrukturierung einigen. Die daraus hervorgegangene Vereinbarung galt vorbehaltlich einer „Klausel zum gemeinsamen Handeln“, die verlangte, dass mindestens 75% der Anleihengläubiger ihre Zustimmung erteilen mussten, damit die Transaktion fortgesetzt werden konnte2. Diese Bedingung wurde am 24. September 2021 erfüllt, als die Regierung von Belize bestätigte, dass sie von Anleihegläubigern, die 84,4% des Gesamtnennbetrags der Anleihen repräsentieren, Unterstützung für ihr Übernahmeangebot erhalten hatte.

Eine einzigartige und innovative Ozean-freundliche Umstrukturierung

Gemäß den Bedingungen der neuen Vereinbarung erklärten sich die Anleihengläubiger bereit, den Nennwert (d. h. die von Belize geschuldete Gesamtsumme) um 45% zu reduzieren. Anders als bei der Umstrukturierung von notleidenden Staatsanleihen üblich, bei der normalerweise neue Anleihen an bestehende Anleihengläubiger ausgegeben werden, hatte die Regierung von Belize angeboten, alle Staatsanleihen gegen Bar zurückzukaufen. Der äußerst innovative Aspekt dieser Transaktion war jedoch, dass sich die Regierung zu „dauerhaften Maßnahmen zum Meeresschutz und nachhaltigen meeresbasierten Wirtschaftsaktivitäten“ verpflichtete. Genauer gesagt bedeutet dies, dass sich Belize als Teil dieses Geschäfts dazu verpflichtet, eine Stiftung im Wert von 23 Mio. USD zu finanzieren, um künftige Projekte zum Schutz der Meere zu unterstützen.

Die gemeinnützige amerikanische Umweltorganisation Nature Conservancy (TNC) war maßgeblich an der Ermöglichung des Umschuldungsdeals beteiligt. Das Geld für den Anleihenrückkauf der Regierung von Belize wird von TNCs „Blue Bond for Ocean Conservation Programme“ bereitgestellt. Diese Initiative ermöglicht die Refinanzierung der Staatsschulden von Ländern, die sich zu Maßnahmen zum Schutz der Meere verpflichten, mittels privatem Kapital.

Eine Win-win-Situation für Belize, Anleger und das Riff

Die innovative Schuldenumstrukturierung wurde als Win-win-Situation bezeichnet. Für Belize ist die neue Blue-Bond-Vereinbarung finanziell vorteilhafter und trägt nachweislich zum langfristigen Schutz seines Riffs bei. Die Anleihengläubiger wiederum erhielten einen konkurrenzfähigen Restwert und konnten gleichzeitig wichtige Umweltvorteile sichern. Die Finanzierungsbedingungen für die von TNC gestützte Stiftung sorgen insbesondere für ein Maß an Glaubwürdigkeit, dass den von Belize versprochenen Umweltschutzmaßnahmen auch wirklich Taten folgen.

Ein Modell für künftige Umstrukturierungen von Staatsschulden?

Unserer Ansicht nach kann das Belize-Arrangement als Vorlage für künftige „grüne“ Restrukturierungen von Staatsverschuldungen dienen. Zum einen ist es leider sehr wahrscheinlich, dass andere weniger entwickelte Länder (Less Developed Countries, LDC) mit wesentlichen umweltbedingten Schwächen wirtschaftliche Schocks erleben werden, die ihre Bonität erheblich beeinträchtigen. Zum andern sind ESG- bzw. verantwortungsbewusste Investments derzeit wohl einer der wichtigsten strukturellen Trends im Anlagebereich. Wie im Beispiel von Belize werden ernsthafte ESG-Anleiheninvestoren sicherlich die Möglichkeit schätzen, ihre Bereitschaft, auf mehr als nur das Ergebnis zu achten und einen positiven Betrag zu leisten, so klar zu demonstrieren.

... ernsthafte ESG-Anleiheninvestoren werden sicherlich die Möglichkeit schätzen, ihre Bereitschaft, auf mehr als nur das Ergebnis zu achten und einen positiven Betrag zu leisten, so klar zu demonstrieren.

Das Beispiel Belize lässt sich als eine Art „Schulden-für-Natur-Swap“-Transaktion klassifizieren, die insbesondere für LDCs mit klimatischen und ökologischen Herausforderungen relevant sein könnte, wie beispielsweise die Malediven, Costa Rica und Sri Lanka. Es ist durchaus denkbar, dass im Laufe der Zeit vergleichbare innovative Umstrukturierungskonzepte für Staatsschulden für die S- und G-Aspekte von ESG erforscht werden könnten.

Abschließende Erwägungen…

Der kürzliche Deal zur Umstrukturierung der Staatsschulden von Belize führte zu einer erfolgreichen Reduzierung der Schuldendienstkosten. Dadurch wurden Gelder für produktivere Einsätze frei und die Regierung konnte Maßnahmen zum Umgang mit den anhaltenden Auswirkungen der Pandemie ergreifen. Gleichzeitig enthielt die Vereinbarung verbindliche Bestimmungen, die zum Schutz der marinen Umwelt in Belize beitragen. Angesichts der Tatsache, dass das Interesse an verantwortungsbewussten Anlagen – auch unter Schwellenländeranlegern – weiter zunimmt, sind wir der Meinung, dass das Beispiel Belize in Zukunft als Grundlage für erfolgreiche Lösungen ähnlicher Umstrukturierungen von Staatsschulden dienen kann.

Quellen:
IMF, Staff Concluding Statement of the 2020 Article IV Mission, März 2021 https://www.imf.org/en/News/Articles/2021/03/12/mcs031221-belize-staff-concluding-statement-of-the-2020-article-iv-mission
Konkret erforderte eine „Bedingung der Zustimmung einer Supermehrheit“ die Zustimmung von Anleihengläubigern, die mindestens 75% der Gesamtnennbetrags der ausstehenden Anleihen halten.

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