Besseres Internet könnte Millionen aus der Armut befreien

In den Entwicklungsländern stellt das Mobiltelefon oft die einzige Zugangsmöglichkeit zum Internet dar. Diese Verbindung kann nicht nur die Kommunikation, sondern auch den Lebensstandard unmittelbar verbessern. Mit dem Handy Waren und Dienstleistungen zu bezahlen, ist in manchen Teilen Afrikas heutzutage stärker verbreitet als in einigen Teilen der USA. abrdn | 16.03.2022 14:20 Uhr
© Foto von Blue Ox Studio von Pexels
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Für Menschen, die von einem formalen Finanzsystem ausgeschlossen sind, kann die Anbindung über Smartphone und Internet einen Wandel bringen. Ein Mobiltelefon kann als Bankfiliale oder Geldautomat verwendet werden sowie Zugang zu Transaktionen, Spar- und Kreditmöglichkeiten bereitstellen. Es kann überdies Versicherungsdienstleistungen sowie günstigere Geldüberweisungswege bieten. All diese Funktionen helfen den Menschen nachweislich rasch aus der Armuti.

Unbegrenzte Möglichkeiten

Wir sind der Meinung, dass zentrale Infrastrukturinvestitionen in jedem Schwellenland Mobilfunk- und Breitbandabdeckung beinhalten müssen. Für viele Menschen ist WLAN,  und der benötigte Strom für den Betrieb, beinahe wichtiger als Straßen. Online zu sein, bedeutet Teil der modernen Welt zu sein. Neben Bank- und Finanztätigkeiten bringt das Internet auch Möglichkeiten für Bildung, Arbeit, Handel und Gesundheit mit sich. Es verstärkt die Einbindung in das gesellschaftliche Leben und fördert Wissen und größere Meinungsfreiheit. Und da es den Reisebedarf reduziert, kann es sogar zur Senkung der CO2-Emissionen beitragen. Die Covid-19-Pandemie hat die Bedeutung dieser Faktoren noch verstärkt.

Anbindung der Unverbundenen

Subsahara-Afrika, die 46 Länder unterhalb des stärker entwickelten Nordens, bleibt eine der am wenigsten ans Internet angeschlossenen Regionen der Welt. Die Lösung dieses Problems stellt eine komplexe Herausforderung dar. Die Installation neuer Funkmasten in entlegenen, wilden und nur dünn besiedelten Regionen ist teuer, und es dauert lange, die Kosten wieder einzubringen. Die Internetverbreitung schreitet in diesen Regionen meist auch deshalb langsamer voran, weil dort für viele Menschen ein Mobiltelefon unerschwinglich ist. Zudem sind die Lese- und digitalen Fähigkeiten gering, und die Vielzahl unterschiedlicher Sprachen und Dialekte stellt ein weiteres Hindernis dar.

Unsere Analyse zeigt, dass 270 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika keinen Zugang zum Internet haben. Gleichzeitig stünde 520 Millionen Menschen in der Region mobiles Breitbandinternet zur Verfügung – aber sie können es sich nicht leistenii.Das bedeutet, dass nur 26% der Bevölkerung in der Subsahara über Internetzugang verfügeniii. Sobald Gemeinschaften jedoch angeschlossen sind, erhalten Wirtschaftswachstum und Entwicklung einen unmittelbaren Schub. Ein 10%-iger Anstieg der Mobilfunkdurchdringung kann das BIP-Wachstum um bis zu 1,2% beschleunigeniv.

Ein 10%-iger Anstieg der Mobilfunkdurchdringung kann das BIP-Wachstum um bis zu 1,2% beschleunigen.

Die Internetanbindung bringt auch einen Umweltnutzen mit sich. Viele Menschen erledigen ihre Besorgungen online, anstatt dafür zu reisen. Das reduziert den Strom- und Treibstoffverbrauchv. Die eingesparten Emissionen sind Studien zufolge zehnmal größer als die Emissionen des Mobilfunksektors.

Unterstützung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SGDs)

In den Augen der Vereinten Nationen ist die Internetanbindung der Entwicklungsländer von immenser Bedeutung. Daher haben sie ein spezifisches Ziel für die Bereitstellung eines allgemeinen und bezahlbaren Internetzugangs formuliert – das SDG 9.c. Bis 2025, so die Hoffnung, sollen 1GB an Datenvolumen für jeden weniger als 2% des Monatseinkommens kosten.

Um dies umzusetzen, muss jedoch noch einiges getan werden. Derzeit liegen die Kosten für 1GB an Datenvolumen in den Regionen Subsahara-Afrika, Naher Osten und Nordafrika, Asien-Pazifik und Lateinamerika bei 5-37% des Einkommens.

Die Kehrseite der Medaille

Natürlich gibt es auch Negativfaktoren. Mobiltelefone und Computer führen zu schwer recycelbarem Elektroschrott. Da häufig keine oder nur eine unzuverlässige Stromversorgung zur Verfügung steht, müssen die Unternehmen für den Betrieb der Funkmasten umweltbelastende Dieselgeneratoren einsetzen. Natürlich nutzen Unternehmen auch Solargeneratoren und Ersatzakkus – doch diese müssen häufig durch Sicherheitskräfte bewacht werden. Internetneulinge können Opfer von Betrug und Verletzungen der Privatsphäre werden. In entlegenen Gebieten kommt es bei Infrastrukturprojekten auch oft zu Fällen von Kinder- und Zwangsarbeit. Dieser Gefahren müssen sich Unternehmen, die in diesen Regionen tätig sind, bewusst sein.

Was bedeutet das für Anleger?

Es gibt verantwortungsvolle Unternehmen, die beim Anschluss Afrikas ans Internet einen positiven Beitrag leisten. IHS Holdings hält eine Beteiligung von 14% an den Funkmasten in der Region Subsahara-Afrika und hat die digitale Anbindung in Nigeria erheblich verbessert. Die Gesellschaft stellt die Masten auf und vermietet sie dann an diverse Mobilfunkbetreiber, was den Wettbewerb fördert. Um das Problem der Erschwinglichkeit anzugehen, hat das Unternehmen begonnen, Satellitenverbindungen und Solarenergie zu nutzen, um ländliche Gebiete zu nicht höheren Kosten als für Nutzer in städtischen Gebieten anzubinden. Sie hat auch Initiativen zur Verbesserung der digitalen Kompetenz lanciert. IHS bemüht sich überdies intensiv darum, seine Abhängigkeit von Dieselgeneratoren zu verringern. Inzwischen werden 42% der afrikanischen Standorte des Unternehmens mit Solarkraft betrieben.

Die Internetanbindung von Afrika bedeutet riesige Projekte, die erhebliche Investitionen und größere Infrastrukturressourcen erfordern. Liquid Intelligence Communications (LIC) ist in 14 afrikanischen Staaten aktiv. Das Unternehmen hat Afrikas größtes unabhängiges Glasfasernetz errichtet, das von Kapstadt bis nach Kairo reicht. Eine Glasfaserverbindung, die 2.600 km durch die Demokratische Republik Kongo verläuft und Ost- und Westafrika miteinander verbindet, wurde 2019 fertiggestellt. In den nächsten sechs bis 18 Monaten wird LIC weitere Projekte in Nigeria, dem Kongo und Sudan abschließen. Wir arbeiten zusammen mit dem Unternehmen an dessen erstem Nachhaltigkeitsbericht mit dem Ziel, die Messung seiner Auswirkung zu verbessern.

Abschließende Erwägungen …

Hilfen beim Online-Zugang für die am wenigsten angeschlossenen Länder der Welt bieten interessante und lohnende Anlagechancen. Unserer Ansicht nach können umfassende Analysen dazu beitragen, Unternehmen zu identifizieren, die als Vorreiter in diesem Bereich agieren. Viele nehmen ihre doppelte Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und ihren Anlegern sehr ernst – sie wollen über den Anschluss an die Welt Potenzial erschließen und gleichzeitig finanziellen Gewinn erzielen. Und das ist letztlich die Art von Win-Win-Geschäften, die die Vereinten Nationen mit ihren Nachhaltigkeitszielen anregen wollen. 

Die Unternehmensauswahl dient lediglich Illustrationszwecken und als Beispiel für den beschriebenen Anlagestil, sie stellt keinerlei Anlageempfehlung oder Hinweis auf die künftige Entwicklung dar.

i https://www.worldbank.org/en/topic/financialinclusion/overview#1 
ii IFC: Bringing Africa up to Speed https://www.ifc.org/wps/wcm/connect/news_ext_content/ifc_external_corporate_site/news+and+events/news/cm-stories/cm-connecting-africa#page0 
iii https://www.gsma.com/r/wp-content/uploads/2020/09/Mobile-Internet-Connectivity-SSA-Fact-Sheet.pdf 
iv Im Sonderbericht Economist Special Report heißt es: „Jeder 10%-ige Anstieg der Mobilfunkdurchdringung in armen Ländern beschleunigt das BIP-Wachstum pro Kopf um 0,8-1,2 Prozentpunkte im Jahr. Und wenn die Leute dann mobiles Internet erhalten, steigt die Wachstumsrate noch einmal“. 
https://www.gsma.com/betterfuture/wp-content/uploads/2019/12/GSMA_Enablement_Effect.pdf

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