Small und Mid Caps: Balance zwischen Chancen und Risiken

abrdn | 03.05.2022 20:30 Uhr
© Canva.com
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Das Small- und Mid-Cap-Universum bietet die Möglichkeit, schon heute in die großen Unternehmen von morgen anzulegen. In diesem Artikel betrachten wir, wie man sich an diesem enormen globalen Markt zurechtfindet und gleichzeitig die Chancen wie auch die Risiken miteinander in Einklang bringt.

Angesichts des Konflikts in der Ukraine und der anhaltenden Pandemie sehen sich Anleger derzeit mit hoher Unsicherheit konfrontiert. 

Aufgrund der Inflationssorgen, der Zinserhöhungen und der geldpolitischen Straffung Anfang 2022 haben die Anleger im Small- und Mid-Cap-Segment Substanzwerten mit niedrigerem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zuletzt den Vorzug gegenüber Qualitätstiteln mit höherem KGV gegeben. 

Zudem war 2021 eine Underperformance von Small und Mid Caps gegenüber entsprechenden Large Caps zu beobachten, die auf die (nicht immer zutreffende) Auffassung zurückging, dass größere Unternehmen die sicherere Anlage darstellen.

Es besteht nun die Möglichkeit, sich auf attraktiven Bewertungsniveaus bei Small- und Mid-Cap-Unternehmen zu engagieren

All dies bedeutet, dass nun die Möglichkeit für eine Anlage in hochwertige Small- und Mid-Cap-Unternehmen besteht, die potenziell in der Lage sind, sich über Konjunkturzyklen hinweg zu behaupten – 

und das zu attraktiven Bewertungen. Doch können sich Anleger im derzeit unsteten Umfeld tatsächlich bei den potenziellen Large Caps von morgen engagieren, ohne hohe Risiken einzugehen?

Eingrenzung der Suche

Das globale Universum der Small- und Mid-Cap-Aktien ist immens groß. Zwei Drittel der weltweit börsennotierten Unternehmen weisen eine geringe oder mittlere Marktkapitalisierung auf. Das sind 7.850 Einzeltitel.1

Der Sektor wird nur von sehr wenigen Analysten abgedeckt, was bedeutet, dass sich erfahrene Anleger Marktineffizienzen zunutze machen können. 

Wo sollten Anleger angesichts dieses enorm großen Chancenspektrums zu suchen beginnen? Den Ausgangspunkt für abrdn stellt seit Ende der 1990er-Jahre unsere firmeneigene Screening-Matrix für Aktien dar. Dabei bewerten unsere Informations-Feeds die Qualitäts-, Wachstum-, Momentum- und Bewertungsfaktoren, die sich bei unserem kontinuierlichen Backtesting als asusagekräftig für die Vorhersage der Kursentwicklung erwiesen haben.

Die obige Grafik veranschaulicht die Unternehmen, nach denen wir Ausschau halten, d.h. solche mit starken Qualitäts-, Wachstums- und Momentummerkmalen. 

Unsere Screening-Matrix gibt eine Auswahlliste an Unternehmen aus, die aus quantitativer Sicht attraktiv erscheinen. Small- und Mid-Cap-Spezialisten führen dann eine gründliche fundamentale Analyse dieser am besten bewerteten Unternehmen durch. Dazu zählen Treffen mit der Unternehmensleitung, Finanzanalysen, eine Beurteilung der ESG-bezogenen Risiken und Chancen sowie eine Peer Review. 

Daraus ergibt sich eine Liste an „besten Ideen“ mit Titeln, von denen die regionalen Analysten am stärksten überzeugt sind. Jede dieser Listen umfasst in der Regel 15 bis 20 Aktien. 

Diese Unternehmen, von denen wir am stärksten überzeugt sind, werden in unseren Portfolios stark gewichtet, während gleichzeitig ein ausreichendes Maß an Diversifizierung sichergestellt sowie eine klare und anhaltende Ausrichtung auf Qualität, Wachstums und Momentum gewählt wird. 

Faktoren im Fokus

Wir haben nun die Faktoren genannt, die unseres Erachtens eine wichtige Rolle bei der Auswahl von Unternehmen spielen, welche über das Potenzial verfügen, ihre Marktkapitalisierung auf lange Sicht zu steigern. Doch was sind die wesentlichen Merkmale dieser drei Faktoren? 

Wachstum 

Unseres Erachtens ist es wichtig, nach Unternehmen mit rentablem und nachhaltigem Wachstum Ausschau zu halten. Small- und Mid-Cap-Firmen mit attraktiven Endmärkten sowie der Fähigkeit, Marktanteile hinzuzugewinnen und die Gewinnmargen zu steigern, sind am ehesten in der Lage, zu den Large Caps von morgen zu avancieren.

Momentum

Wir halten auch Ausschau nach Anzeichen dafür, dass Unternehmen eine positive Dynamik aufweisen, so etwa Aufwärtsrevisionen bei den Gewinnen und ein kontinuierliches Übertreffen der Gewinnprognosen in der Vergangenheit.

Wachstums- und Momentummerkmale können über viele Jahre hinweg aufrechterhalten werden, was einer der Gründe dafür ist, dass Small Caps ihre Large-Cap-Pendants auf lange Sicht übertreffen.2

Qualität

In der nachfolgenden Grafik sind die unseres Erachtens wichtigsten Indikatoren für die Qualität eines Unternehmens dargestellt:

Merkmale wie Bilanzstärke, Managementkompetenz und nachhaltige Wettbewerbsvorteile versetzen Unternehmen in die Lage, sich erfolgreich über sich wandelnde Konjunkturzyklen hinweg zu behaupten. Möchte man in Qualitätswerte anlegen, gilt es natürlich auch, Unternehmen zu meiden, die rote Zahlen schreiben, überbewertet oder verschuldet sind, deren Gewinne stark vom Konjunkturzyklus abhängen oder die in der Vergangenheit ihre Dividenden gekürzt haben. Qualitätsunternehmen können demnach auf lange Sicht potenziell höhere Erträge bei geringerer Volatilität bieten. Die Folge ist ein günstigeres Risiko-Ertrags-Profil. 

ESG – ein Schlüsselindikator für Qualität

Einer der oben dargestellten Indikatoren sind ESG-Faktoren (ökologische, soziale und Governance-Faktoren). ESG-Faktoren können unseres Erachtens aus finanzieller Sicht einen erheblichen Einfluss haben und sich – sowohl positiv als auch negativ – auf die Entwicklung eines Unternehmens auswirken. Eine starke Bilanz in Bezug auf ESG-Belange ist ein wesentlicher Indikator für die Qualität eines Unternehmens und kann potenziell dazu beitragen, das Risiko zu mindern. Daher sollte das Verständnis der ESG-bezogenen Risiken und Chancen unseres Erachtens neben anderen Finanzkennzahlen einen integralen Bestandteil des Research-Prozesses bei Small und Mid Caps darstellen. 

Im sachlichen und konstruktiven Dialog mit den Unternehmensleitungen können Investmentmanager positive ESG-Praktiken vermitteln und fördern und damit den Wert der Anlagen potenziell über Jahre hinweg schützen und steigern.

Anlageverwalter mit den entsprechenden Ressourcen sind in der Lage, ihr eigenes ESG-Research durchzuführen und in Unternehmen zu investieren, die ihre eigenen Kriterien erfüllen, selbst wenn diese nicht von externen Rating-Agenturen abgedeckt werden. Weitere Einzelheiten zur Bedeutung von ESG für Small-Cap-Investments finden Sie in einem unserer früheren Artikel.

Risiken und Chancen

Angesichts der Aussicht auf höhere Zinsen, eine anhaltend hohe Inflation und schwächeres Wachstum ist die Zukunft mit Unsicherheit behaftet.

Unternehmen, die anhand eines Prozesses mit Fokus auf Qualität, Wachstum und Momentum in Kombination mit ESG-Analysen identifiziert wurden, dürften gut aufgestellt sein, um konjunkturellen Abschwungphasen zu trotzen. Sie weisen eine nur sehr geringe Abhängigkeit von extern bedingten Zyklen auf und dürften daher ein vorhersagbares und nachhaltiges Wachstum verzeichnen.

Bei diesen Unternehmen handelt es sich auch eher um Marktführer mit starken Margen und soliden Bilanzen, die in der Lage sind, die Inflationskosten in Form höherer Preise weiterzugeben. Darüber hinaus dürften die auf diese Weise zusammengestellten Portfolios besser über Produkte, Märkte und Regionen hinweg diversifiziert sein. 

Wir sind überdies der Ansicht, dass kleinere, flexible und gut geführte Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell rascher umstellen können als Mega Caps, in einer sich wandelnden Welt gut positioniert sind, um sich bietende Chancen zu nutzen.

Abschließende Erwägungen

Viele Small- und Mid-Cap-Unternehmen hoher Qualität, die über das Potenzial verfügen, zu expandieren und zu wachsen, sind aktuell attraktiv bewertet. Im derzeit unsicheren Umfeld hilft ein solider und replizierbarer Anlageprozess mit Fokus auf Qualität, Wachstum und Momentum bei der Auswahl der führenden Large-Cap-Unternehmen von morgen, die über ein günstiges Risiko-Ertrags-Profil verfügen.

Kirsty Desson, Investment Director, abrdn

1 Quelle: MSCI, 28. Februar 2022 
2 Quelle: Morningstar, Gesamtertrag, GBP, 01. Januar 2000 bis 31. März 2022

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