Europas Energiekrise treibt den grünen Wandel voran

Diese Woche findet die COP27 im ägyptischen Sharm El-Sheikh statt. Ein Lichtblick für die weltweiten Klimaambitionen? Inwiefern die Energiekrise in Europa den grünen Wandel vorantreibt, erläutert Daniel Bowie-MacDonald, Investment Specialist bei abrdn, in einem aktuellen Kommentar abrdn | 10.11.2022 14:28 Uhr
Daniel Bowie-MacDonald, Investment Specialist bei abrdn / © e-fundresearch / abrdn
Daniel Bowie-MacDonald, Investment Specialist bei abrdn / © e-fundresearch / abrdn

„Die Energiekrise in Europa führte dazu, dass einige kohle- und ölbefeuerte Kraftwerke wieder in Betrieb genommen wurden. Aber sie hat auch Maßnahmen und größere Investitionen in den Übergang von fossilen Brennstoffen zu grüner Energie angestoßen.

Im Jahr 2021 wurde eine Rekordsumme von 755 Milliarden US-Dollar in die Umstellung auf grüne Energie investiert. In diesem Jahr, in dem die russischen Öl- und Gaslieferungen nach Europa aufgrund des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine eingebrochen sind, wird erwartet, dass die Investitionen in saubere Energie weltweit 1,4 Billionen US-Dollar übersteigen werden.

Bislang war 2022 ein Jahr mit erheblichen Wetterextremen, die durch den Klimawandel noch verschärft wurden. Waldbrände in Portugal und Spanien, Wirbelstürme in der Karibik, Dürren in Europa, China und den USA sowie Rekordtemperaturen in Pakistan, gefolgt von verheerenden Überschwemmungen, von denen mehr als 30 Millionen Menschen betroffen waren und die Leben, Vieh und Häuser vernichtet haben. Die pakistanische Ministerin für Klimawandel, Sherry Rehman, bezeichnete die Überschwemmungen als „das Klimaereignis des Jahrhunderts“ und „eine katastrophale Gesundheitskrise“.

Es ist klar, was zu tun ist: Reduzierung der Kohlenstoffemissionen, um die globale Erwärmung zu verlangsamen. Die europäische Energiekrise hat zu steigenden Energiepreisen und Versorgungsengpässen geführt, die die Suche nach alternativen Energiequellen und -versorgungen noch dringender machen. Doch die europäische Krise zeigt, dass sich die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf saubere Energie nicht von heute auf morgen bewerkstelligen lässt, auch nicht im wohlhabenden Europa.  

Als Reaktion auf Russlands Vorgehen in der Ukraine kündigte die EU REPowerEU an, eine ehrgeizige Strategie, die darauf abzielt, Europa weit vor 2030 völlig unabhängig von Russland zu machen. Kurzfristig konzentriert sich der Plan auf den Aufbau neuer Energiepartnerschaften mit zuverlässigen Lieferanten; die rasche Einführung von Solar- und Windenergieprojekten sowie den Einsatz von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien; die verstärkte Produktion von Biomethan; EU-weite Wasserstoffprojekte; EU-weite Beratung über Energiesparmöglichkeiten für Bürger und Unternehmen; und die Auffüllung der EU-Gasspeicher auf 80 Prozent bis zum 1. November 2022.

Zu den mittelfristigen Zielen von REPowerEU gehören: Die Ermöglichung von Investitionen und Reformen im Wert von 300 Milliarden Euro; die Förderung der industriellen Dekarbonisierung durch Projekte im Wert von 3 Milliarden Euro im Rahmen des Innovationsfonds; die Verbesserung der Rechtsvorschriften und Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien; Investitionen in ein angepasstes Gas- und Strominfrastrukturnetz; die Erhöhung der Energieeffizienzziele und die Anhebung des europäischen Ziels für erneuerbare Energien für 2030 von 40 auf 45 Prozent.

Die Sanierung der Energieversorgung der Industrie ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt mit Zielen wie Elektrifizierung, Energieeffizienz und Ausbau der erneuerbaren Energien. Die größten Einsparungen könnten die Hersteller von nicht-metallischen Mineralien, Zement, Glas, Chemikalien und Raffinerien erzielen. Schätzungsweise 30 Prozent der EU-Stahlproduktion sollen bis 2030 auf erneuerbaren Wasserstoff umgestellt werden.

Die Finanzierung dieser enormen Ambitionen wird sowohl öffentliche als auch private Investitionen in gewaltigem Ausmaß erfordern. Bis 2027 sind zusätzliche Investitionen in Höhe von 210 Milliarden Euro erforderlich, um die Einfuhren fossiler Brennstoffe aus Russland schrittweise einzustellen. Die Recovery and Resilience Facility (RRF) ist das Herzstück der Finanzierung des REPowerEU-Plans. Die Mitgliedstaaten können die verbleibenden RRF-Darlehen (derzeit 225 Milliarden Euro) und neue RRF-Zuschüsse nutzen, die durch die Versteigerung von Emissionshandelszertifikaten finanziert werden. Weitere Finanzierungsquellen dürften der Innovationsfonds, nationale Steuermaßnahmen, private Investitionen und die Europäische Investitionsbank sein.

Kürzlich hat die Europäische Investitionsbank die Finanzierung der Erneuerbare Energien-Infrastruktur aufgestockt. Die Darlehensvergabe soll um 60 Prozent bzw. weitere 30 Milliarden Euro über fünf Jahre erhöht werden. Dieses Geld soll nicht in die Gasinfrastruktur fließen, sondern in Projekte in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Netze und Energiespeicherung. Auch private Investitionen, die sich bis 2027 auf etwa 115 Milliarden Euro belaufen, werden für diese Art von grünen Energieprojekten angestrebt.

Diese enormen Ambitionen werden sicherlich Investoren für erneuerbare Energien anlocken. Nehmen wir als Beispiel die Möglichkeiten der Photovoltaik: Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) beträgt der Anteil der Solarenergie an der weltweiten Stromerzeugung heute nur 3,6 Prozent. Aber sie entwickelt sich in vielen Teilen der Welt schnell zur kostengünstigsten Option für die neue Stromerzeugung und wird voraussichtlich bis 2050 zur größten Energiequelle werden. Dazu muss die Solarkapazität um das 20-fache steigen. Die IEA erwartet, dass bis 2050 zwei Drittel der gesamten Energieversorgung aus Wind, Sonne, Bioenergie, Erdwärme und Wasserkraft kommen. Investoren nehmen diese schnell wachsende Anlagemöglichkeit zunehmend wahr. Die meisten Vermögensverwalter gehen davon aus, dass sie ihr Exposure in saubere Energien in den nächsten zwölf Monaten erhöhen werden.

Die ehrgeizigen Klimaziele der EU sind durch die jüngsten Ereignisse sicherlich erschüttert worden. Die Treibhausgasemissionen könnten in der EU kurzfristig ansteigen, da die Länder versuchen, die Energielücken im kommenden Winter zu schließen. Doch diese schockierenden umwelt- und geopolitischen Ereignisse haben auch Fortschritte auf dem Weg zu einem energieunabhängigen und kohlenstoffneutralen Europa bewirkt.

Aber über Europa hinaus und mit der laufenden COP27 hoffen viele, dass die Länder ihre Verpflichtungen verbessern und ihre Ambitionen durch glaubwürdige Maßnahmen unterstützen, um die globale Erwärmung auch in diesem späten Stadium noch auf 1,5 Grad zu begrenzen."

Daniel Bowie-MacDonald, Investment Specialist bei abrdn

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