abrdn-Experten zur COP27: Viele Ankündigungen, wenig Umsetzung

Die erste Woche der COP27 im ägyptischen Sharm El-Sheikh ist vorbei. Doch was haben die bisherigen Treffen bewirkt? Eva Cairns, Head of Sustainability Insights & Climate Strategy, und Jeremy Lawson, Chief Economist bei abrdn bewerten die erste COP27-Woche. abrdn | 14.11.2022 10:33 Uhr
Jeremy Lawson, Chief Economist und Eva Cairns, Head of Sustainability Insights & Climate Strategy, abrdn / © e-fundresearch.com / abrdn
Jeremy Lawson, Chief Economist und Eva Cairns, Head of Sustainability Insights & Climate Strategy, abrdn / © e-fundresearch.com / abrdn

„Die COP27 läuft ganz anders ab als die COP26 in Glasgow. Der Schwerpunkt sollte immer auf die Umsetzung und nicht auf große neue Ankündigungen liegen – aber haben wir genug Fortschritte gesehen?

Das sind unsere fünf wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Woche:

1. Ein anderer Schwerpunkt für die Klimafinanzierung: Auf der COP26 drehte sich alles um Transition Finance. Die Glasgow Financial Alliance for Net Zero wurde ins Leben gerufen, um darauf hinzuweisen, dass Billionenbeträge zur Umsetzung der Netto-Null-Ziele zur Verfügung stehen könnten, wenn die politischen Entscheidungsträger die Initiative ergreifen. Auf der COP27 liegt der Schwerpunkt viel mehr auf den Finanzmitteln, die für die Anpassung an den Klimawandel und die Entschädigung der Entwicklungsländer für die Verluste und Schäden, die sie erleiden, benötigt werden. Es ist ermutigend, dass dies fest auf der Tagesordnung steht und die ägyptische Präsidentschaft klare Ziele für die Anpassung bis 2030 festgelegt hat. Eine Reihe von Ländern, darunter Österreich und Neuseeland, haben bereits bescheidene Summen zugesagt. Aber die Mobilisierung privater Finanzmittel erweist sich als wesentlich schwieriger. Die Ausweitung von Blended Finance, d. h. die Verringerung des Risikos von Investitionen durch öffentliche und private Partnerschaften, war ein zentrales Thema der Treffen.

2. Das verschwindende „ratchet mechanism”: Auf der COP26 zeigte eine Analyse des Climate Action Tracker, dass die Zusagen für 2030 (Nationally Determined Contributions, NCDs) eine Erwärmung von 2,4 Grad bewirken. Die Länder wurden aufgefordert, ihre Zusagen bis zur COP27 zu aktualisieren, um sie stärker an 1,5 Grad anzupassen. Nur 24 Länder haben ihre NCDs seit der COP26 aktualisiert, und die jüngste Analyse des Climate Action Tracker legt nahe, dass sich dadurch der Stand von vor einem Jahr nicht verändert hat. Es ist bemerkenswert, wie wenig Aufmerksamkeit dies erfährt.

3. Wenig Umsetzungsanzeichen auf der „Umsetzungs“-COP: Genauso wie die Fortschritte bei den Zielen unzureichend sind, hinkt auch die Umsetzung hinterher. Laut dem UN-Emissionslückenbericht werden die globalen Emissionen im Jahr 2022 voraussichtlich einen neuen Rekordwert erreichen, nachdem sie 2021 aufgrund der Pandemie kurzzeitig gesunken waren. Im Climate Action Tracker-Bericht wird hervorgehoben, dass der Anstieg des Flüssiggasverbrauchs infolge der Energiekrise, die durch den Ukraine-Krieg noch verschärft wurde, sich wahrscheinlich negativ auf den Übergang zur Klimaneutralität auswirkt. Und neue Daten, die auf Satellitenbildern und Techniken der künstlichen Intelligenz beruhen, deuten darauf hin, dass die Öl- und Gasemissionen drastisch untererfasst sind. Das heißt, dass das Erreichen von Netto-Null-Emissionen bis 2050 noch weiter in die Ferne rückt.

4. Fokus auf die Kohlenstoffmärkte, um Kapital für die Dekarbonisierung zu mobilisieren: Mangels strengerer Vorschriften und formaler Kohlenstoffpreise setzen öffentliche und private Akteure verstärkt auf Kompensationsmaßnahmen und freiwillige Initiativen zum Kohlenstoffhandel. John Kerry kündigte einen Mechanismus an, der den Entwicklungsländern helfen soll, aus der Kohleverstromung auszusteigen. Eine Reihe afrikanischer Länder rief die African Carbon Markets Initiative ins Leben, die bis 2030 jährlich 300 Millionen Emissionsgutschriften im Wert von 6 Milliarden Dollar produzieren soll. Und mit großem Aufsehen verkündete Vella auf der COP27 den einmilliardsten Kohlenstoffkredit. All diese Initiativen haben gemischte Reaktionen hervorgerufen, da Bedenken hinsichtlich der Integrität und der Zusätzlichkeit der freiwilligen Kohlenstoffmärkte bestehen und die Möglichkeit der Kompensation von der tatsächlichen Dekarbonisierung ablenkt. 

5. Positive Fortschritte bei Offenlegung und Standardisierung: Bei der Standardisierung der Rahmen für Offenlegungs- und Übergangspläne wurden einige ermutigende Fortschritte erzielt, darunter:

1. Der globale ISSB-Standard für nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungen wurde eingeführt und offiziell in die CDP-Offenlegungsvorschriften aufgenommen.
2. Die UK Transition Plan Taskforce hat ihren Rahmen und ihren Umsetzungsleitfaden zur Konsultation veröffentlicht, um gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Übergangsplanung zu schaffen.
3. Die HLEG veröffentlichte einen Erwartungsrahmen für Netto-Null-Verpflichtungen von nichtstaatlichen Akteuren, um die Glaubwürdigkeit der Verpflichtungen zu stärken und Greenwashing zu vermeiden.
4. Die innovative Datenplattform climatetrace.org wurde von Al Gore ins Leben gerufen. Sie stellt globale Treibhausgasemissionsdaten auf der Grundlage von Satellitenmessungen bereit und könnte einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis von Emissionen in Regionen mit geringer Offenlegung, wie z. B. in Schwellenländern, aber auch zur Validierung der selbst gemeldeten Emissionen leisten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn es in den kommenden Tagen nicht zu bedeutenden Durchbrüchen kommt, wird Sharm El-Sheikh wahrscheinlich als eine der enttäuschendsten COPs des letzten Jahrzehnts in die Geschichte eingehen."

Von Eva Cairns, Head of Sustainability Insights & Climate Strategy und Jeremy Lawson, Chief Economist bei abrdn 

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