- Anleger reduzieren Risiko und investieren weniger neues Geld in den ETF-Markt
- Europa und Schwellenländer-ETFs weiterhin mit Zuflüssen, aber abnehmende Dynamik
- Ultrakurzlaufende Anleihe-ETFs halten Markt über Wasser
Auch der europäische ETF‑Markt* konnte sich im März 2026 dem Risk-Off der Märkte nicht entziehen. So investierten Anleger mit 12,1 Mrd. USD so wenig wie seit April 2024 nicht mehr – ein klarer Bruch mit dem starken Jahresauftakt. Gleichwohl verzeichnet der ETF-Markt nach wie vor konstante Mittelzuflüsse, was für dessen Resilienz spricht. „Der Iran‑Konflikt erhöht die Unsicherheit – und das sieht man in den Zahlen. ETF-Anleger investieren weiter, aber sie werden selektiver: weniger Risiko, mehr Liquidität und defensivere Bausteine“, sagt Stefan Kuhn, Head of ETF & Index Distribution, Europe bei Fidelity International.
Angesichts des tendenziell eher schwächeren Gesamtmonats zeigte sich im Aktienbereich eine regionale Präferenz: US‑Aktien‑ETFs wurden per saldo verkauft, während Europa und Emerging Markets noch Zuflüsse verzeichneten. Was auffällt: Gerade bei Schwellenländer‑ETFs nahm die Dynamik der Zuflüsse ab. Das passt zu einem Umfeld, in dem geopolitische Risiken und Energiepreisschocks Anleger zwar nicht vollständig aus Risikoanlagen drängen, aber risikoreichere Regionen und Beta‑Exposures stärker unter Druck geraten.
„Der März war kein klassischer Crash‑Monat, sondern ein Monat der Neujustierung. Ob mit der jüngsten Entspannung im Iran die Kaufbereitschaft aus den Vormonaten zurückkehrt, bleibt abzuwarten“, sagt Kuhn.

Anleihen: Defensive Positionierung statt klassische Bond‑Flucht
Insgesamt blieben Anleihe‑ETFs im März zwar noch leicht im Plus, das Bild dahinter ist jedoch klar defensiv geprägt. Ein Großteil der Neuinvestitionen floss in ultrakurzlaufende Anleihe‑ETFs, die im Monat rund 5,4 Mrd. USD anzogen. „Anleger nutzten diese Produkte gezielt als Parkposition für Liquidität, nicht als Ausdruck einer stärkeren Überzeugung für den Rentenmarkt“, sagt Kuhn.
Parallel dazu kam es in risikoreicheren Segmenten zu deutlichen Abflüssen. Insbesondere High‑Yield‑ETFs standen unter Druck, aber auch klassische Staats‑ und Unternehmensanleihe‑ETFs konnten ebenfalls keine stabilisierenden Zuflüsse verzeichnen. Dies deutet weniger auf eine klassische „Flucht in sichere Häfen“ hin, sondern auf einen breiten Risikoabbau: „Anleger reduzieren Kredit‑ und Durationsrisiken und bleiben flexibel, solange geopolitische Unsicherheit, Inflationsrisiken und die weitere Zinsentwicklung schwer kalkulierbar bleiben“, sagt Kuhn abschließend.
* im gesamten Kommentar sind mit „ETFs” immer UCITS-ETFs gemeint.
** Quelle: Bloomberg, Deutsche Bank, Januar 2026