- ETF-Markt absorbiert Iran-Schock und verzeichnet wieder deutliche Zuflüsse
- KI-Zuversicht überwiegt geopolitische Sorgen bei US-ETFs
- Vorsichtige Reallokation bei Anleihe-ETFs
Der europäische UCITS‑ETF‑Markt hat im April wieder spürbar Tritt gefasst und den vom Iran-Konflikt ausgelösten Abverkauf gestoppt. Mit 45,8 Mrd. USD Nettomittelzuflüssen wuchs der ETF-Markt über den kurz‑ und mittelfristigen Durchschnitten. „Die Risikoaversion im Markt nimmt ab“, sagt Stefan Kuhn, Head of ETF & Index Distribution, Europe bei Fidelity International. „Der Markt versucht, das Iran‑Thema so gut es geht auszublenden und fokussierte sich zuletzt stark auf die US-Gewinnsaison und KI-Rotation. Davon profitiert vor allem der US-Markt“, sagt Kuhn.
Allerdings bleibt das Makro‑Bild zweigeteilt. Der Energie‑ und Angebotsschock durch die anhaltenden Störungen rund um die Straße von Hormus wirkt in Europa als Belastungsfaktor. Preise, Inflation und Wachstumserwartungen werden in Mitleidenschaft gezogen. „Europa trifft der Konflikt wegen der höheren Abhängigkeit von Energieimporten stärker. Entsprechend hat sich die Dynamik bei Europa-ETFs in den letzten zwei Monaten abgeschwächt“, sagt Kuhn.

Anleihen: Staatsanleihen ziehen an – High Yield stabilisiert sich
Mit +10 Mrd. USD entwickelten sich Anleihe‑ETFs im April deutlich stärker als im Vormonat. Dabei tendierten Anleger stärker in Richtung Qualität und kauften überdurchschnittlich Government-Bond-ETFs. „Insgesamt sprechen die Bewegungen bei Bond‑ETFs für eine Neujustierung von Anlegerportfolios: Staatsanleihen werden als Stabilitätsanker wieder stärker nachgefragt, während Anleger beim Kreditrisiko selektiv bleiben. Dass High Yield im April wieder leicht positiv wird, zeigt aber: Risikoappetit kehrt zurück – nur eben nicht auf breiter Front“, sagt Kuhn.