- US-Aktien-ETFs dominieren die Zuflüsse und bauen ihre Führungsrolle weiter aus
- Europa-ETFs verzeichnen den dritten Monat in Folge Abflüsse
- Zweites Quartal markiert Rekordzeitraum für ETF- und aktive ETF-Zuflüsse
Der europäische UCITS-ETF-Markt blieb auch im Juni auf Wachstumskurs. Mit 44,9 Mrd. USD Nettomittelzuflüssen lagen die Flows sowohl über dem 3-Monats- als auch über dem 12-Monats-Durchschnitt. Besonders auffällig war die Rückkehr des Anlegerinteresses an den USA. Mit 14,6 Mrd. USD verzeichneten US-Aktien-ETFs die höchsten Zuflüsse aller Aktienregionen und knüpften damit an einen Trend an, der sich bereits im gesamten zweiten Quartal abgezeichnet hatte.
„Die Geschichte des zweiten Quartals war die Rückkehr der USA“, sagt Stefan Kuhn, Head of ETF Distribution, EMEA bei Fidelity International. „Während Anleger zu Jahresbeginn verstärkt auf Europa und andere Regionen gesetzt hatten, sehen wir inzwischen wieder eine klare Präferenz für den US-Markt. Die Kombination aus starken Unternehmensgewinnen und neuen Rekordständen an den Aktienmärkten hat das Vertrauen vieler Investoren gestärkt.“
Tatsächlich erreichte der S&P 500 im zweiten Quartal neue Höchststände, während sich die Bewertungen dank des robusten Gewinnwachstums etwas normalisierten. Entsprechend entfiel im Juni der größte Anteil der Aktienzuflüsse auf US-Produkte. Gleichzeitig verlor Europa weiter an Dynamik. Europäische Aktien-ETFs verzeichneten bereits den dritten Monat in Folge Nettoabflüsse, was die anhaltend verhaltenen kurzfristigen Wachstumserwartungen für die Region widerspiegelt.

Rohstoffe verlieren an Attraktivität
Ein weiterer bemerkenswerter Trend im Juni war die schwächere Nachfrage nach Rohstoff-ETFs. Die Abflüsse fielen zeitlich mit dem Rückgang des Goldpreises zusammen, nachdem sich die geopolitische Lage im Nahen Osten gegenüber den Vormonaten etwas entspannt hatte.
„Mit dem Ende der unmittelbaren Eskalationsphase ist ein Teil der geopolitischen Risikoprämie aus den Rohstoffmärkten verschwunden“, sagt Kuhn. „Gleichzeitig gehen viele Anleger davon aus, dass die Notenbanken die Zinsen länger hoch halten werden. Das macht insbesondere unverzinste Anlageklassen wie Gold weniger attraktiv.“
Obwohl auch die Ölpreise zuletzt nachgegeben haben, bleiben die Auswirkungen der Energiekrise auf Inflation und Geldpolitik ein zentrales Thema für die Kapitalmärkte.
Q2: Rekordquartal für aktive ETFs
Trotz geopolitischer Unsicherheiten und schwankender Konjunkturerwartungen war das zweite Quartal 2026 das stärkste ETF-Quartal seit Beginn der Datenerhebung. Besonders dynamisch entwickelten sich aktiven ETFs, die im zweiten Quartal einen neuen Rekord bei den Nettomittelzuflüssen erreichten und ihren Marktanteil am Gesamtmarkt weiter ausbauen konnte.
„Die starke Nachfrage nach aktiven ETFs zeigt, dass Anleger zunehmend zwischen Regionen, Sektoren und Unternehmen differenzieren wollen. Gerade in einem Markt, in dem sich Gewinner und Verlierer immer deutlicher auseinanderentwickeln, kann aktive Selektion einen echten Mehrwert bieten“, sagt Kuhn abschließend