- ETFs werden durch Rentenreform elementarer Vorsorgebaustein
- Unsicherheit der Anleger bei Produktauswahl
- Aktive ETFs gewinnen an Bedeutung
Mit der Einführung des Altersvorsorgedepots zum 1. Januar 2027 rücken ETFs noch stärker ins Zentrum der privaten Vorsorge. Die Deutschland-Ergebnisse der im Auftrag von Fidelity International durchgeführten „Be Invested Global Survey 2026“1 unter 13.000 Privatanlegern - darunter 1.000 in Deutschland - zeigt: Immer mehr Anleger investieren in ETFs – und das zunehmend eigenverantwortlich. Gleichzeitig bestehen relevante Wissenslücken und Unsicherheiten in Bezug auf ETFs. Daraus ergeben sich zentrale Herausforderungen für Marktteilnehmer auf der Nachfrage- wie auch auf der Angebotsseite.
Die Umfrageergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Viele Anleger haben das Grundprinzip von ETFs verstanden. Sie werden als kosteneffiziente, diversifizierte und langfristig geeignete Anlageinstrumente wahrgenommen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass genau dort, wo Anlageentscheidungen konkreter werden, häufig Wissenslücken bestehen. So zeigt die Umfrage:
- Rund 40 % der Befragten unterschätzen die langfristigen Auswirkungen von Kostenunterschieden verschiedener ETFs
- Mehr als 33% fühlt sich bei der Auswahl konkreter ETFs unsicher
Besonders relevant ist dabei, dass Anleger Unterschiede zwischen ETF-Produkten nicht immer ausreichend verstehen. Kosten sind dabei nur ein Aspekt. Auch Indexkonzeption, Diversifizierung oder der Grad aktiver Steuerung können langfristig Einfluss auf das Anlageergebnis haben. Die Umfrage deutet darauf hin, dass viele Anleger trotz einiger Unklarheiten bei der Produktauswahl konkrete Anlageentscheidungen treffen. Diese Diskrepanz gewinnt vor dem Hintergrund der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge in Deutschland an Bedeutung.
„Immer mehr Menschen greifen für ihre Altersvorsorge auf ETFs zurück. Dieser Trend wird sich durch die Einführung des Altersvorsorgedepots noch verstärken. Das ist für das allgemeine Vorsorgeniveau in Deutschland ein großer Fortschritt“, so Stefan Kuhn. „Anleger werden sich noch öfter fragen, welcher ETF für welches Anlageziel geeignet ist. Faktoren wie Risikomanagement oder wie das jeweilige Produkt in die Portfoliokonstruktion passt, gewinnen an Relevanz.“, sagt Kuhn. Anleger müssten in der Lage sein, diese Fragen für sich beantworten zu können.
Eigenverantwortung steigt – Unsicherheit besteht
Die Studie zeigt zudem:
- 75 % der befragten Anleger treffen Investmententscheidungen eigenständig
- 31 % geben an, den Unterschied zwischen aktiven und passiven ETFs nicht zu kennen
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Eigenverantwortung nicht zwangsläufig mit Entscheidungssicherheit einhergeht. Viele Anleger treffen ihre Entscheidungen selbstständig, fühlen sich aber bei der Auswahl konkreter Produkte unsicher. „Die Daten zeigen nicht, dass Anleger ETFs grundsätzlich nicht verstehen. Sie zeigen vielmehr, dass die Unterschiede zwischen einzelnen ETF-Lösungen für viele Anleger schwerer zu beurteilen sind, als es auf den ersten Blick erscheint“, sagt Kuhn.
„Für den Erfolg des Altersvorsorgedepots wird es zentral sein, Anleger zu unterstützen, die Eigenschaften von ETFs noch besser zu verstehen und die ETF-Auswahl zu verbessern. Nur Zugang zu Produkten zu bieten, wird nicht reichen“, so Kuhn weiter.
Aktive ETFs gewinnen an Bedeutung
Die zunehmende Bedeutung der Produktauswahl dürfte auch die Rolle aktiver ETFs weiter stärken. Während passive ETFs einen effizienten Zugang zu breiten Marktsegmenten ermöglichen, bieten aktive ETFs Anlegern die Möglichkeit, gezielt auf Marktveränderungen, Bewertungsunterschiede oder Risikofaktoren einzugehen. Dass dieses Konzept auf zunehmendes Interesse stößt, zeigen auch aktuelle Marktentwicklungen. Aktive ETFs verzeichneten im zweiten Quartal 2026 Rekordzuflüsse und konnten ihren Marktanteil im europäischen ETF-Markt weiter ausbauen.2
„Mit zunehmender Produktvielfalt rückt für Anleger immer stärker die Frage in den Vordergrund, welche Lösung am besten zu ihren Anlage- und Vorsorgezielen passt", sagt Stefan Kuhn. „Gerade bei der Altersvorsorge könnten aktive ETFs eine wichtige Rolle spielen. Sie verbinden die Vorteile der ETF-Struktur mit den Möglichkeiten aktiver Anlageentscheidungen."
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* Die Befragung von 13.000 Privatanlegern wurde vom 12. Februar bis 11. März 2026 durch Opinium durchgeführt. Die berücksichtigten Länder waren Deutschland (1.000), Frankreich (1.000), Italien (1.000), die Niederlande (1.000), Spanien (1.000), die Schweiz (500), das Vereinigte Königreich (1.000), Hongkong (1.000), Singapur (1.000), Taiwan (1.000), Australien (1.000), Japan (1.000) und China (1.500).
** Fidelity International ETF-Markt-Update Juli 2026