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Kames Capital CIO Stephen Jones zur globalen Geldmarktpolitik

Stephen Jones, Chief Investment Officer bei Kames Capital, beleuchtet in seinem "Investorenbrief" die globale Geldmarktpolitik unter dem Gesichtspunkt einer sich möglicherweise verlangsamenden Weltwirtschaft. Aegon Asset Management | 15.04.2019 15:20 Uhr
Stephen Jones, CIO, Kames Capital / ©  Kames Capital
Stephen Jones, CIO, Kames Capital / © Kames Capital
Sehr geehrte besorgte Investoren,  schön, wieder von Ihnen zu hören. Ich hoffe, dass es Ihnen gut geht und Ihre Finanzen in diesen Achterbahn-Aktienmärkten gut laufen. Ähnlich wie auch beim Fußball gab es in diesem Winter zwei Halbzeiten.
Sie nehmen völlig zu Recht an, dass, wenn die US-Notenbank besorgt ist, auch wir beunruhigt sein sollten. Zweifelsohne war die Entwicklung der US-Geldmarktsätze seit letztem November dramatisch. Die Zinsen sind Ende 2018 
von 3,3% auf 2,5% gesunken. Man fragt sich wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte und was die Fed zu befürchten hat, während doch die Löhne in den USA real fast so schnell wie seit fünf Jahren nicht mehr steigen. Und außerdem alles darauf hindeutet, dass es im Jahr 2019 zu keiner Erhöhung der US-Leitzinsen (die immer noch weit unter den historischen Normen liegen) kommen wird.
 

Wie der bevorstehende Sprung in der Gewichtung chinesischer Aktien und Anleihen in populären Marktindizes bestätigt, hinterlässt China nun eine sehr starke Präsenz in der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten. Frühere Schritte, um etwas Dampf aus der Überhitzung der chinesischen Kreditmärkte zu ziehen, gingen unweigerlich zu weit und Anfang des Jahres äußerte Mark Carney von der BoE erstmals innerhalb der Zentralbankgemeinschaft Bedenken bezüglich der Wachstumsaussichten für die chinesische Wirtschaft. Die chinesische makroökonomische Politik reagierte auf die Situation mit einem abrupten Wechsel und wir sind bereit, diese Reflationsbemühungen im Zweifelsfall zu nutzen. 

In den USA dürfte die Konjunkturschwäche im ersten Quartal niemanden überraschen. Seit mehr als einem Jahrzehnt liegt das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal durchschnittlich etwa halb so hoch wie in den übrigen Quartalen. Wenn wir diesem Jahr den bisher längsten beobachteten Stillstand der US-Regierung, geringere Steuerrückerstattungen als angenommen und die Auswirkungen von Trumps Einfuhrzöllen hinzufügen, ist es kein Wunder, dass die Wirtschaft schwächelt - Anfang März schien sie regelrecht festgefahren.

Wir hätten aus Vernunftsgründen erwarten können, dass die Fed diese saisonalen und ungewöhnlichen handelsbedingten Gegenwinde als Wachstumskurs verstehen würde. Möglicherweise ist die Realität so, dass die Fed nicht mehr weiß als wir, wenn es darum geht, zu beurteilen, wie fragil die US-Wirtschaft sein könnte - vor allem angesichts der Schwäche des Immobilienmarktes, der während des vergangenen Jahres zu beobachten war. Es stimmt auch, dass die Konjunktur - außerhalb Chinas und der USA – wenig begeistert. Die japanische Wirtschaft schafft ein Wachstum von nur 1% (an einem guten Tag) und die Eurozone zeigt eine Konjunkturschwäche, die über Probleme, die durch Kraftfahrzeug-Emissionskontrollen im wichtigen Automobilsektor verursacht wurden, hinausgehen. Zweifellos ist es nach wie vor viel einfacher, eine Wirtschaft zu verlangsamen (durch Zinsanhebungen) als sie zu stimulieren (für den letzten Stimulus waren Nullzinsraten und eine massive QE-Bemühung nötig, um erneut Wachstum zu erzeugen). Ist es also besser sich eine Auszeit zu nehmen – besonders, wenn Trump dir im Nacken sitzt? 

Der Frühling folgt immer noch dem Winter und, während ich schreibe, ist die neueste Echtzeitmessung des US-Wachstums (annualisiert) der Atlanta Federal Reserve Bank auf ziemlich gesunde +1,7% gestiegen. Da die Aktienmärkte nach wie vor einen positiven Vermögenseffekt erzielen und die langfristigen Anleiherenditen wieder niedrig sind, erscheinen die Aussichten für die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten vernünftig. Auch in der Eurozone gibt es mehr als nur ein paar Anzeichen für den Frühling. 

Aktienanalysten haben den Winter damit verbracht ihre Gewinnprognosen zu nach unten zu korrigieren, aber auch dieser Abwärtstrend scheint sich zu drehen - und Analysten sollten sicherlich positiv auf bessere Konjunkturdaten reagieren. Die Bewertungen, die zu Beginn des Jahres billig waren, sind weiterhin fair. Daten über Investitionsströme in Fonds enthalten für den langfristigen Anleger oftmals wenig Informationen. Dennoch führte der Winter zu einem nachhaltigen Nettoverkauf an Fonds trotz der stärksten Erstquartals-Gewinne in globalen Aktien seit 20 Jahren. Sofern sich die Politik weiterhin raushält, sehen die Aktienmärkte - überall - vernünftig platziert aus. Bessere Zeiten für die Untergewichtung von Aktien sollten kommen. 

Dieser Vorbehalt ist jedoch von Bedeutung. Nach dem zweiten starken Abschneiden eines Komikers bei den Europawahlen sehen wir hier in Großbritannien immer noch unsere eigene Brexit Black-Komödie. Die Märkte mögen Recht haben, wenn sie davon ausgehen, dass eine weichere Scheidungsregelung die Richtung des parlamentarischen Kompromisses ist, aber Fehler passieren. Andererseits hat man das Gefühl, dass die Europäische Kommission, sobald der Brexit gelöst ist, ihren Zorn auf Rom richten wird. Dann besteht die Hoffnung, dass es den Präsidenten Trump und Xi gelingen wird eine gemeinsame Position im Handel zu finden. Vielleicht auch nicht.

Die jüngsten Entwicklungen haben gezeigt, dass, wenn - nicht falls - die nächste Rezession eintritt, die globale Geldpolitik nach den jüngsten Entwicklungen weit von den als "normal" angesehenen Niveaus entfernt sein wird und daher weitaus weniger in der Lage sein wird, auf eine Verlangsamung in "normaler" Weise zu reagieren.  Nun, das ist etwas, worüber man sich Sorgen machen sollte! 

Viel Glück.

Stephen Jones, CIO at Kames Capital

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