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Aegon AM CEO: "Der Lockdown hat verdeutlicht, wofür das S in ESG steht"

„Die Coronavirus-Krise und der darauffolgende Lockdown haben letztendlich Klarheit darüber geschaffen, wie die die Kompetenz von Unternehmen zur Bewältigung sozialer Probleme bewertet werden kann. Es 'kristallisierte' sich heraus, was das S in ESG wirklich bedeutet“, erklärt Bas NieuweWeme, CEO von Aegon Asset Management in seinem CEO View. Aegon Asset Management | 16.06.2020 15:07 Uhr
Bas NieuweWeme, CEO von Aegon Asset Management / © Aegon AM
Bas NieuweWeme, CEO von Aegon Asset Management / © Aegon AM

Historisch betrachtet sei die soziale Komponente von ESG immer schwieriger zu bewerten gewesen, da sie typischerweise auf qualitativen Messungen mit begrenzten Mitteln zur Bewertung der tatsächlichen Performance beruhe. Aufgrund der gravierenden Auswirkungen des Coronavirus und der Veränderungen der Art und Weise, wie die Menschen arbeiten und leben mussten, sei dies nun sehr deutlich geworden. 

"Der Lockdown hat es ermöglicht, dass sich die tatsächliche Performance in sozialen Fragen gegenüber reinen Richtlinien und Positionierungen herauskristallisiert hat", so NieuweWeme. "Wir können jetzt beurteilen, wie sich die Unternehmen in dieser Krise verhalten haben. Zum Beispiel: Stellen sie ihren Mitarbeitern genügend Hilfsmittel und eine angemessene Infrastruktur zur Verfügung, um ihre Arbeit zu erledigen? Haben sie die Folgen der Krise geteilt, wenn es um die künftige Vorstandsvergütung geht – oder haben sie ihre Mitarbeiter oder Kunden in diesen schwierigen Zeiten im Stich gelassen?“ 

Die Bedeutung der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter in Bezug auf ihr geistiges und körperliches Wohlbefinden sei während des Lockdowns in den Vordergrund gerückt und stehe bei der Bewältigung der Krise an erster Stelle. NieuweWeme zufolge besteht die Rolle der Investoren jetzt darin, zu beurteilen, wie Unternehmen tatsächlich Praktiken und Arbeitsumgebungen angepasst haben, um das Wohlergehen der Mitarbeiter zu gewährleisten. 

"Früher haben wir uns meist auf Diskussionen mit Vorständen verlassen, während wir die Richtlinien in Bereichen wie Diversität und Eingliederung, Kinderbetreuung sowie flexible Arbeitszeiten bewertet und Websites wie Glassdoor genutzt haben, um ein Gefühl für die Unternehmenskultur zu bekommen. Schlüsselereignisse verdeutlichen zuweilen ein schlechtes Abschneiden in sozialen Fragen und bieten uns die Möglichkeit, mit den schwächsten Leistungsträgern in Kontakt zu treten. Doch erfasst wird nur, was öffentlich berichtet wird", merkt NieuweWeme an. "Zukünftig werden wir genau beobachten, wie Unternehmen neue Richtlinien und Vorschriften in Bezug auf die Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter umsetzen. Und wir werden die Vergütung von Führungskräften und Aktionären derjenigen Firmen genau im Auge behalten, die staatliche Rettungsfonds akzeptieren." 

Im Hinblick auf die Märkte und die Wirtschaft im weiteren Sinne sei die gegenwärtige Krise ein klarer Katalysator für Veränderungen, so NieuweWeme. "Wenn es aus dieser Entwicklung etwas Gutes aus Investorensicht zu erwarten gibt, dann ist es die Tatsache, dass sie ein größeres Bewusstsein für Fragen hinsichtlich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung geschaffen hat."

"In Bezug auf die Ökologie haben es viele von uns genossen, dass es während des Lockdowns weniger Umweltverschmutzung und folglich eine frischere Luft gab – während die Natur offensichtlich damit begonnen hat, einen Teil unserer urbanen Umgebung für sich zu gewinnen. Es gibt auch einige wissenschaftliche Voruntersuchungen, die auf einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und der Covid-19-Sterblichkeit hinweisen. Dies führt zusammen mit anderen Faktoren dazu, dass die Umweltstandards nach einer Pandemie zunehmend überprüft werden."

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