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Finanzmärkte treffen auf konjunkturelle Dämpfer

Aegon Asset Management | 15.01.2021 09:54 Uhr
Hendrik Tuch, Head of Fixed Income NL bei Aegon Asset Management / © Aegon Asset Management
Hendrik Tuch, Head of Fixed Income NL bei Aegon Asset Management / © Aegon Asset Management

Rückblickend betrachtet kam die Bekanntgabe der ersten positiven Impfergebnisse im November gerade rechtzeitig. Wären wir ohne die Aussicht auf einen Impfstoff mit den aktuellen Pandemiezahlen konfrontiert worden, wäre die Stimmung der Anleger deutlich gesunken. Wahrscheinlich werden wir in den kommenden Wochen oder sogar Monaten weitere Lockdown-Maßnahmen angekündigt sehen, da die steigenden Zahlen der Krankenhauseinweisungen die Regierungen zwingen, zu reagieren. Gleichzeitig werden die Regierungen mit dem Beginn der Impfkampagnen versuchen, vollständige Lockdowns und die damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden zu vermeiden.

Erneute Lockdowns bedeuten konjunkturellen Dämpfer

Vor der jüngsten Lockdown-Runde sahen wir eine beträchtliche wirtschaftliche Erholung in den westlichen Volkswirtschaften und einen starken Anstieg der Industrieproduktion und der PMI's. In den nächsten Monaten sollten wir einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsindikatoren erwarten, wenn die erneuten Lockdowns greifen. Die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktzahlen könnte der Beginn dieses negativen Trends sein. Den Finanzmärkten wird es zunehmend schwer fallen, diesen konjunkturellen Dämpfer zu ignorieren, insbesondere wenn die anstehende Gewinnsaison von den Unternehmen genutzt wird, um einen abgeschwächten Gewinnausblick für 2021 zu geben. Im vergangenen Jahr wurde die Aktienrallye vor allem durch den Tech-Sektor gestützt, der von der Verschiebung des Konsumverhaltens als Folge der Lockdowns sogar profitiert hat. Solange sich der Gewinnausblick für diese Unternehmen nicht verschlechtert, werden die Anleger ihre Kaufbereitschaft wahrscheinlich beibehalten.

Neben den Herausforderungen, die das Coronavirus mit sich bringt, haben die Finanzmärkte bereits einen vollen Terminkalender. Nach Bidens Amtseinführung Ende des Monats werden wir bald mehr Einblicke in Team Bidens Pläne zur Wiederherstellung der Beziehungen der USA zu ihren globalen Partnern erhalten. Wir werden auch herausfinden, ob die neue Administration die harte Haltung gegenüber der chinesischen Regierung und den ihr nahestehenden Unternehmen fortsetzen wird. Geopolitische Themen sind im letzten Jahr aufgrund des Coronavirus und der US-Präsidentschaftswahlen aus den Schlagzeilen geraten, aber wir sollten uns auf eine Wiederaufnahme des Kampfes zwischen den USA und China einstellen. Es ist kein Wunder, dass in den letzten Tagen des Jahres 2020 die sich über sieben Jahre hinziehenden Handelsverhandlungen zwischen China und der EU mit einem Handelsabkommen abgeschlossen wurden. Unter Berücksichtigung des US-Wahlergebnisses und der anhaltenden Handelsfragen war China bereit, bei einer Reihe wichtiger Punkte Kompromisse einzugehen, um das EU-Handelsabkommen zustande zu bringen.

Anleger im Risk-on-Modus

Wir beginnen das Jahr 2021 aus Sicht der längerfristigen Anlagerenditen nicht gerade mit einer vielversprechenden Ausgangssituation. Die Renditen von Staatsanleihen bewegen sich immer noch auf dem niedrigsten Stand aller Zeiten, und es ist schwierig, sich ein weiteres Jahr mit positiven Renditen für diese Anlagen vorzustellen. Auch die Kreditspreads haben sich auf das untere Ende ihrer historischen Spanne eingeengt, so dass das Potenzial für eine Ausweitung von Carry und Spreads begrenzt ist. Der Mangel an Rendite bei Anleihen drängte die Anleger in andere Anlageklassen, wodurch die Bewertungen am Aktienmarkt weniger attraktiv geworden sind. Die anhaltenden geld- und fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen werden die Anleger jedoch weiterhin in einen Risk-on-Modus treiben. Sobald diese marktstützenden Maßnahmen reduziert werden, werden wir mit einer Neubewertung sowohl der Anleihen- als auch der Aktienmärkte konfrontiert sein. In den kommenden Monaten müssen wir uns über dieses Thema keine allzu großen Sorgen machen, da die Regierungen und Zentralbanken keine andere Wahl haben, als ihre Unterstützung für die Wirtschaft und die Finanzmärkte auszuweiten, während sie sich mit der Corona-Krise beschäftigen. Auch wenn das Buch über das Jahr 2020 nun geschlossen ist, wird der Beginn des Jahres 2021 ähnlich aussehen wie die vergangenen sechs Monate. Ein effizientes Impfprogramm ist die einzige Methode, um uns aus unserem kollektiven Murmeltiertag herauszuholen.

Hendrik Tuch, Head of Fixed Income NL bei Aegon Asset Management

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