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Thematic Insights: Neue Perspektiven auf dem Organtransplantationsmarkt

Jährlich erhalten zehntausende Amerikaner neue Organe. Trotzdem sterben durchschnittlich 8.000 Menschen im Jahr, die auf neue Organe warten. Credit Suisse | 18.06.2019 10:06 Uhr
© Pixabay.com
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Organtransplantationen helfen Gesamtkosten zu senken  Nierentransplantationen werden von allen Organtransplantationen mit großem Abstand am häufigsten durchgeführt (66 % der 2016 insgesamt transplantierten Organe). (http://www.transplant-observatory.org/contador1/, letzter Zugriff am 30. April 2019) Trotz hoher Kosten wurde durch mehrere Studien zur Gesundheitsökonomie belegt, dass dieser Prozess kostensparend sei. Eine dieser Studien kommt zum Schluss dass Nierentransplantationen bei allen Spendertypen trotz hohen Kosten für periphere Organe und innovativen Praktiken bei Lebendspenden kosteneffizient sind. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29451350, Mai 2018)

Die Zahl der weltweiten Organtransplantationen steigt

Zwischen 2000 und 2016 stiegen die weltweiten Organtransplantationen von rund 40’000 auf etwa 135'000 per annum (Summe der Nieren-, Herz-, Lungen-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen- und Dünndarmtransplantationen). (https://www.transplant-observatory.org, letzter Zugriff am 30. April 2019) Es würden noch wesentlich mehr Organtransplantationen vorgenommen, gäbe es nicht schwerwiegende Hürden, die zu langen Transplantationswartezeiten führen. So ist beispielsweise die Zahl der Patienten, die jedes Jahr auf US-amerikanische Transplantationswartelisten hinzugefügt werden – ungefähr 50’000 – verschwindend gering im Vergleich zu den rund 730’000 Menschen, die jedes Jahr in den USA an terminalen Organerkrankungen sterben. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5724041/#R1, letzter Zugriff am 30. April 2019)

Die Hürden, die eine weitere Erhöhung der Transplantationsanzahl erschweren

Es gibt drei Herausforderungen, die angegangen werden müssen: Spender-Empfänger-Zuordnung, Mangel an verfügbaren Organen und Lebens- und Funktionsdauer der transplantierten Organe. Für jede dieser Herausforderungen können digitale Gesundheitsunternehmen Lösungen anbieten. Dieser Thematic Insight konzentriert sich vor allem darauf, wie der Mangel an verfügbaren Organen angegangen werden kann und wie die transplantierten Organe länger funktionsfähig bleiben können.

Spender-Empfänger-Zuordnung 

Das Problem der Organzuordnung ist kompliziert, da hierbei eine Vielzahl verschiedener Faktoren berücksichtigt werden muss. Eine der Haupteinschränkungen ist die Zeit, die ein Organ außerhalb des Körpers frisch gehalten werden muss, bis es den Spende-Empfänger erreicht. Diese Tatsache verhinderte bis anhin, dass Transplantationszentren die Merkmale ihrer Patienten auf der Warteliste an weit entfernte Krankenhäuser weitergaben. Wenn allerdings der Transport der Organe verbessert wird, sollten mehr passende Zuordnungen in einem geografisch größeren Gebiet möglich sein.

Die Auseinandersetzung mit dem Mangel an verfügbaren Organen 

Der weltweite Mangel an Transplantationsorganen wird seit geraumer Zeit als eine wichtige Herausforderung für die öffentliche Gesundheit erachtet – die Weltgesundheitsorganisation (Genf) schätzt, dass nur 10 % des weltweiten Transplantationsbedarfs abgedeckt werden können. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5724041/#R1, letzter Zugriff am 30. April 2019)

Es gibt zwei Hauptgründe für den Mangel an verfügbaren Organen: Einerseits gibt es nicht genügend potenzielle Spender, die das Dokument zur erlaubten Nutzung ihrer brauchbaren Organe im Fall von Hirntod mit sich führen. Mehrere Regierungen haben bereits damit begonnen, ihre Bevölkerung auf dieses Thema zu sensibilisieren. Spanien konnte beispielsweise große Erfolge bei der Steigerung der Organspenden verzeichnen, wobei dies durch eine eher kontroverse Gesetzesänderung erreicht wurde: In Zusammenhang damit wird am häufigsten das «Opt-out-System» (bzw. die Widerspruchslösung) für Organspenden als Erfolgsfaktor genannt. Opt-out bedeutet, dass angenommen wird, dass ein Patient der Organspende zustimmen würde, auch wenn er sich nie als Spender registriert hat. (https://mosaicscience.com/story/spain-uk-organ-donation-transplants-liver-kidney-heart-lungs-surgery-nhs/, letzter Zugriff am 30. April 2019)

Zweitens beschädigen die aktuellen Transportmethoden, bei denen Organe auf Eis gelegt werden, oftmals die Organe. Diese Schäden können mit zunehmender Dauer bis zur Organimplantation auch noch zunehmen. Jüngste Entwicklungen bieten vielversprechende Lösungsansätze hierfür: Wenn die entnommenen Organe in einem besseren Zustand am Leben erhalten werden können, eignen sich wesentlich mehr Organe für eine Transplantation, wodurch der Radius der Organversorgung erheblich vergrößert werden kann. Eine interessante, innovative Technologielösung stellt die «Organ-in-a-Box»-Lösung dar: Das Organ Care System (OCS) fungiert als eine Intensivstation in Miniaturausführung, die Organe am Leben hält. Dies geschieht durch Beibehaltung eines natürlichen Zustands, der den menschlichen Körper nachahmt, sodass die Organe auf dem Weg zum Empfänger transplantierbar bleiben können. (https://www.transmedics.com/ocs-heart/, letzter Zugriff am 30. April 2019)

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Transplantierte Organe länger funktionsfähig halten 

Die Lebensdauer einer transplantierten Niere beträgt durchschnittlich zwischen 15 und 20 Jahre. Funktioniert die Niere nicht mehr, wird der Patient erneut auf die Warteliste für eine Spenderniere gesetzt. Allerdings gestaltet sich eine zweite oder sogar eine dritte Transplantation zunehmend schwieriger, da die Suche nach einer guten Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger immer komplexer wird. In der Praxis führt dies oftmals dazu, dass sich Patienten über längere Zeit oder sogar für den Rest ihres Lebens einer Dialysebehandlung unterziehen müssen. Um dies zu vermeiden, sollte zum Beispiel die Verlängerung der Lebensdauer von transplantierten Nieren prioritär behandelt werden. (https://medicalxpress.com/news/2018-07-transplanted-kidneys-survive-longer.html, letzter Zugriff am 30. April 2019)

Vor Kurzem wurden Tests zur Patientenüberwachung nach Transplantationen eingeführt. Diese können den Organstress messen und helfen bei der Ergreifung von Maßnahmen gegen Organversagen. In vielen Fällen kann schon eine Anpassung der Dosis von Immunsuppressiva dabei helfen, ein Organ erfolgreich transplantiert und ordnungsgemäß funktionsfähig zu erhalten. Der AlloSure-Test von CareDX ist der erste und einzige nicht invasive Test, mit dem die Organgesundheit durch direkte Messung einer eventuellen Allotransplantatverletzung bewertet werden kann. AlloSure kann eine aktive Abstoßung akkurat feststellen, was ein besseres Management der Nierentransplantierten ermöglicht. AlloSure ist ein klinisch und analytisch validierter, nicht invasiver Bluttest, der die zellfreie DNA des Spenderorgans («donor-derived cell-free DNA», dd-cfDNA), ein Indikator für Nierenschädigung, misst. (http://www.allosure.com/, letzter Zugriff am 30. April 2019)

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Zellfreie DNA (cfDNA) ist ein Biomarker: Dabei handelt es sich um fragmentierte DNA im Blut, die auf Zellschädigung und Zelltod hinweist. Wenn eine Transplantatschädigung auftritt, nimmt die zellfreie DNA des Spenderorgans im Blut zu. Die Messung der cfDNA ist eine genaue, nicht invasive Option zur Überwachung von Nierentransplantationen und ermöglicht dem Arzt beispielsweise Medikamentendadaptionen oder die Beurteilung, ob Organstress von anderen Faktoren, wie z. B. schlechtbefolgter Medikamenteneinnahme, herrührt. Eine frühzeitige Erkennung verbessert den langfristigen Erfolg der Organtransplantation – eine Information, die alle Transplantationskrankenhäuser zwingend veröffentlichen müssen.

Warum es wichtig ist

Für chronisch Nierenkranke beispielsweise ist eine Nierentransplantation in der Regel eine wesentlich attraktivere Option als chronische Dialyse. Selbst wenn die Dialyse zuhause anstatt in einem Dialysezentrum durchgeführt werden kann (Heimdialyse), ist der Prozess dennoch zeitaufwändig und geht mit hohen Kosten und verschiedenen medizinischen Risiken einher. Wartelisten sind jedoch lang und könnten noch länger werden. Trotz hoher Transplantationskosten werden sie selbst von Leistungsträgern in der Regel bevorzugt, da die Gesundheitsökonomie aufgrund der geringeren Kosten für die chronische Pflege recht positiv ausfällt. Lange Wartelisten stellen niemanden zufrieden und werfen zudem die schwierige Frage auf, wie verfügbare Organe am besten den Kandidaten zugeordnet werden können. Mithilfe besserer Datenbanken für die Spender-Empfänger-Zuordnung, Fortschritten beim Organtransport, die wiederum die Anzahl verwendbarer Organe steigern kann, sowie Tests zur Vorhersage des Gesundheitszustandes des implantierten Organs sollte der Organtransplantationsmarkt so transformiert werden können, dass zukünftig deutlich mehr Patienten von transplantierten Organen profitieren können.

Fazit

Organtransplantationen nehmen zu, werden aber immer noch durch Spender-Empfänger-Zuordnung, mangelnde Verfügbarkeit von Spenderorganen sowie zu frühem Versagen transplantierter Organe eingeschränkt. Für diese Herausforderungen bieten digitale Gesundheitsunternehmen Lösungen an, die sich positiv auf die Anzahl der Transplantationen und die Warteliste auswirken könnten. Denn ohne Berücksichtigung dieser grundlegend neuen Ansätze wird sich der allgemein erhoffte Anstieg von Transplantationen schwierig gestalten. Nur durch die Kombination dieser neuen Ansätze kann der gesamte Transplantationsbereich revolutioniert werden, wodurch wesentlich mehr Patienten, aber auch Kostenträger von transplantierten Organen profitieren können.

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Thomas Amrein, Portfoliomanager, Credit Suisse Asset Management

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