Familiengeführte Unternehmen: Vertrauen ist der Alphafaktor

Credit Suisse | 24.03.2022 14:21 Uhr
Gianfranco Iafigliola, Fondsmanager bei der Credit Suisse / © e-fundresearch.com / Credit Suisse
Gianfranco Iafigliola, Fondsmanager bei der Credit Suisse / © e-fundresearch.com / Credit Suisse

Familienunternehmen sind die Haupttreiber der Wirtschaft und weisen generell an der Börse eine nachhaltige Wertentwicklung aus, was sich zuletzt während der COVID-19-Pandemie gezeigt hat. Gemäß Gianfranco Iafigliola, Fondsmanager bei der Credit Suisse, können sich Investitionen in familiengeführte Unternehmen für Anleger mit langfristigem Anlagehorizont während allen Börsenphasen lohnen. Den Grund dafür sieht er in ihrem gewichtigen, unsichtbaren Alphafaktor: Vertrauen. Dieser genießt gerade auch in den aktuell unsicheren Märkten besondere Relevanz.

Während der COVID-19-Pandemie haben die Menschen wieder mehr Zeit zu Hause verbracht. Dabei sind unserer Ansicht nach viele auf interessante Geschäftsideen gestoßen, was sich an der deutlich höheren Anzahl Firmengründungen ablesen lässt. Obschon nur ein kleiner Teil aller neu gegründeten Firmen längerfristig erfolgreich ist, sehen wir Familienunternehmen und den damit verbundenen Unternehmergeist als Haupttreiber unserer Wirtschaft. Weltweit wird der Anteil familiengeführter Unternehmen auf zwei Drittel aller Unternehmen geschätzt, mit einem Anteil von rund 70 % am weltweiten BIP1. Sie haben unseres Erachtens wiederholt eine beachtliche Fähigkeit bewiesen, wirtschaftlichen Krisenzeiten standzuhalten, sich zu erneuern und in unterschiedlichen Marktphasen relevant zu bleiben. Beispiele dafür sind Familienunternehmen wie Hermès, Merck und L’Oréal.

Familienunternehmen outperformen den breiten Aktienmarkt

Diese Resilienz und Dynamik sind an den Aktienmärkten nicht unbeobachtet geblieben. Diverse Studien zeigen, dass über lange Frist familiengeführte Unternehmen den breiten Aktienmarkt outperformen. Eine vom Credit Suisse Research Institute publizierte Analyse berechnet für familiengeführte Unternehmen eine Outperformance von 4 % im Vergleich zu den übrigen Unternehmen seit 20062. Diese Outperformance hat sich auch durch die Pandemie gezogen. Unserer Ansicht nach hat ein Mix aus Innovationsgeist, Agilität und umsichtiger Geschäftsführung in Verbindung mit einem niedrigen Verschuldungsgrad einmal mehr die Fähigkeit dieser Unternehmen unter Beweis gestellt, sich schnell neuen Marktgegebenheiten anzupassen. Diese Krisenresistenz war in den letzten beiden Jahren gefragter denn je und wurde an den Börsen entsprechend honoriert. Ein weiterer Grund für die Outperformance während der Pandemie war unseres Erachtens die Sektorzugehörigkeit: Familienunternehmen sind tendenziell stärker im Konsumgüter- und Industriesektor vertreten. Doch auch im Gesundheits- und IT-Sektor positionieren sich viele dieser Unternehmen langfristig erfolgreich.

Familienunternehmen zielen auf nachhaltig profitables Wachstum

Erfolgreich geführte Familienunternehmen gehören am Aktienmarkt zu den sogenannten Qualitätstiteln. Eine starke Unternehmenskultur in Kombination mit einem langfristigen Anlagehorizont, einer ausgeprägten Innovationskultur und soliden Bilanzen führt dazu, dass Familienunternehmen tendenziell ein nachhaltig profitables Wachstum anstreben. Im letzten durch Niedrigzinsen und wirtschaftliche Unsicherheit geprägten Jahrzehnt wurden solche Qualitätstitel aufgrund ihrer Geschäftsentwicklung stark nachgefragt. Dies hat teilweise zu einer starken Ausweitung ihres Bewertungsniveaus geführt. Die Titel sind jüngst aufgrund der gestiegenen Inflationsraten und erwarteten Zinserhöhungsschritte der US-Notenbank teils massiv unter Druck gekommen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass familiengeführte Unternehmen in Zeiten starker zyklischer Erholung und steigender Zinsen aufgrund ihres Qualitätsbias dem Markt hinterherhinken. Russlands Invasion der Ukraine und deren Folgen für die Weltkonjunktur stellen das Ausmaß der zyklischen Erholung zwar infrage, doch der Inflationsdruck und damit verbunden die Erwartung an steigende Zinsen bleiben bestehen.

Familienunternehmen genießen das Vertrauen der Investoren

Trotzdem lohnt es sich unserer Ansicht nach, auch in Phasen steigender Zinsen in Familienunternehmen zu investieren. Den Grund dafür sehen wir in ihrem gewichtigen, unsichtbaren Alphafaktor: Vertrauen. Durch die unternehmerische Verbundenheit sind Familienunternehmen in der Regel stärker darauf bedacht, den Interessen von Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern sowie ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Sie tendieren auch stärker dazu, Gewinne in das Unternehmen zu reinvestieren. Dies schafft Vertrauen und ist der Schlüssel zu ihrem Erfolg. Auch, wenn kurz- oder mittelfristig die Aktien gewisser erfolgreicher Familienunternehmen eine bewertungstechnische Korrektur verkraften müssen, sollte dies das Vertrauen der Investoren in ihre langfristige Relevanz nicht tangieren. Es lohnt sich unseres Erachtens, über lange Frist am Innovationsgeist und den Visionen von familiengeführten Unternehmen teilzuhaben und entsprechend investiert zu bleiben.

Abbildung 1: Marktkapitalisierungsgewichtete und sektorbereinigte Renditen von Unternehmen in Familienbesitz gegenüber Unternehmen in Nicht-Familienbesitz

Quelle: Credit Suisse Research Institute

Abbildung 2: Familien-Alpha nach Region – relative Performance von Unternehmen in Familienbesitz gegenüber Unternehmen in Nicht-Familienbesitz

Quelle: Credit Suisse Research Institute

Gianfranco Iafigliola, Fondsmanager bei der Credit Suisse

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