Credit Suisse Fondsmanager Richli: Keine Energiewende ohne hohe Investitionen in die Infrastruktur

Ein Jahrzehnt unzureichender Investitionen und leerer Staatskassen haben weltweit zu einem großen Nachholbedarf bei Infrastrukturanlagen geführt. Besonders vor dem Hintergrund der angestrebten Energiewende muss nun großflächig in die Entwicklung und den Bau von Infrastrukturen investiert werden. Worin die Chancen und Möglichkeiten für Anlegerinnen und Anleger in diesem Sektor liegen, erklärt Werner Richli, Fondsmanager bei der Credit Suisse. Credit Suisse | 15.06.2022 12:45 Uhr
Werner Richli, Fondsmanager bei der Credit Suisse / © Credit Suisse
Werner Richli, Fondsmanager bei der Credit Suisse / © Credit Suisse

Wir erleben eine weltweite Renaissance der Infrastrukturausgaben. Nachdem über Jahrzehnte hinweg immer weniger investiert wurde (siehe Abbildung 1), befindet sich die kritische Infrastruktur in vielen Industriestaaten heute teilweise in einem prekären Zustand. Das wirkt sich auch negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Bereits 2017 schätzte Global Infrastructure Hub (GIH)1 den weltweiten Bedarf an notwendigen jährlichen Investitionen in die Infrastruktur bis 2040 auf 3.5 % gemessen am BIP oder USD 94 Billionen. Effektiv geplant waren über diese Periode hinweg hingegen nur Investitionen von 3 % pro Jahr. Gerade Staaten mit wenig finanziellem Spielraum sind für die Versorgung mit Strom, Energie und Wasser sowie den Transport und die Telekommunikation auf private Investoren angewiesen. Das schafft umgekehrt lukrative Opportunitäten für Infrastrukturunternehmen.

Staatliche Infrastrukturinitiativen mit Rückenwind

Die aufgrund der COVID-19-Pandemie befürchtete Rezession und vor allem die Dringlichkeit klimapolitischer Maßnahmen haben viele Regierungen dazu veranlasst, umfassende Fiskalprogramme aufzulegen. Allein die G20-Regierungen kündigten gemäß GIH2 zwischen Februar 2020 und August 2021 Infrastrukturprogramme in der Höhe von über USD 3.2 Bio. an, was 4.6 % ihres BIP entspricht (siehe Abbildung 2).

Diese Investitionen fließen in die Bereiche Transport, Kommunikation, Versorgung und vor allem in die grüne Energiewende. Um den weltweiten Temperaturanstieg und Treibhausgasausstoß zu reduzieren, beinhalten die Infrastrukturpakete spezifische Ziele für die Nutzung erneuerbarer Energien in den Sektoren Verkehr, Heizung und Kühlung, Gebäude und Industrie. Ein Beispiel dafür ist der kürzliche Beschluss der EU, unter anderem für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen EUR 300 Mrd. zu mobilisieren. Die EU hat sich auch mit dem Maßnahmenpaket «Fit for 55» zur Umsetzung des «grünen Deals» das Ziel gesetzt, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 % zu reduzieren sowie bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Die USA nennt ebenfalls 2050 als Jahr ihres Neutralitätsziels, und China plant für das Jahr 2060.3

Der Energiesektor ist für Anleger interessant

Um den Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt in der Periode seit Beginn

der Industrialisierung bis zum Jahr 2100 global auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, hatten sich die Teilnehmerstaaten an der UN-Klimakonferenz von 2015 in Paris vertraglich auf das 1,5-Grad-Ziel geeinigt. Damit dieses Ziel realisiert werden kann, müssen gemäß der International Renewable Energy Agency (IRENA) zwischen 2021 und 2050 USD 131 Bio. oder jährlich USD 4.4 Bio. für die Energiewende investiert werden. Das entspricht rund 5 % des weltweiten BIP.4 Die Investitionen verteilen sich auf diverse Bereiche wie erneuerbare Energiequellen, Energieeinsparungen und die Wasserstoffgewinnung oder die CO2-Speicherung und -rückgewinnung.

Gemäß dieser Prognose wird sich der Anteil der erneuerbaren Energien in der Stromproduktion bis 2050 von 28 % auf über 90 % erhöhen. Berücksichtigt man zudem, dass Wind- und Photovoltaik in der Produktion schon heute deutlich günstiger sind als die Stromerzeugung mit Kohle oder Atomkraft, eröffnen sich attraktive Investitionsmöglichkeiten in die Energieinfrastruktur und in erneuerbare Energien. Weil sowohl die Einspeisevergütungen der öffentlichen Hand als auch die ausgehandelten Stromkaufvereinbarungen mit privaten Abnehmern wie Industrie- oder Internetunternehmen langfristig abgeschlossen werden, können Anleger Renditen über lange Zeiträume gut einschätzen.

Investitionsmöglichkeiten ergeben sich in diesem Zusammenhang auch in den Bereichen Ladeinfrastrukturen, Kabelnetze und Energiespeicherung. Anwendungen wie zum Beispiel das autonome Fahren bedingen enorme Datenübertragungsleistungen, was Investitionen in Datenzentren oder Funktürme für den 5G-Standard weiterhin interessant macht.

Diversifiziert und reguliert

Kotierte Infrastrukturanlagen ermöglichen Investitionen in Vermögensanlagen verschiedener Teilsektoren und Märkte. Dazu gehören auch grundlegende, funktionsrelevante Bereiche wie der Transport, die Kommunikation, die Energie- und Stromversorgung sowie das Wasser- und Abfallmanagement.

Die Anlagen sind kapitalintensiv, haben oft eine Monopolstellung mit hohen Einstiegsbarrieren und sind teilweise durch teuerungsgeschützte Preisfestsetzungen oder Garantien für Mindestzahlungen reguliert. Die Anfangsinvestitionen für solche Anlagen sind hoch, die Betriebskosten jedoch eher niedrig. Dies führt dazu, dass Firmen im Infrastruktursektor grundsätzlich von langfristigen Verträgen und einer vorhersehbaren Nachfrage profitieren und dadurch stabile, wachsende Einnahmen und Dividenden erwirtschaften können. Dies ist wiederum aus Sicht von Anlegerinnen und Anleger von Interesse, die in das Thema Infrastruktur investieren möchten.

Abbildung 1: Staatliche Nettoinvestitionen in Sachwerte, in % des BIP

Quelle: IMF, Credit Suisse

Abbildung 2: Investitionsprogramm der G20 zwischen Februar 2020 und August 2021

Quelle: https://transformativeinfratracker.gihub.org/overview/


1 Global Infrastructure Hub: Global Infrastructure Outlook, Infrastructure investment needs, 50 countries, 7 sectors to 2040, Juli 2017.
2https://transformativeinfratracker.gihub.org/overview/
3https://ec.europa.eu/info/strategy/priorities-2019-2024/european-green-deal_en
4 International Renewable Energy Agency (IRENA), World Energy Transitions Outlook: 1.5º Celsius Pathway, June 2021

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