Deutsche Industrie: Sand im Getriebe?

Die deutsche Volkswirtschaft profitierte lange vom anziehenden Welthandel. Aber in Zeiten von Handelsstreit und Protektionismus wird die einstige Stärke zur Schwäche. Ergebnis: Das Wachstum stockt, vor allem in der Industrie. Der Dienstleistungssektor bleibt stabil. Union Investment | 28.08.2019 12:14 Uhr
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Lange lief die deutsche Volkswirtschaft rund wie eine geölte Maschine. Nach der schwersten Rezession der Nachkriegszeit am Ende der Finanzkrise folgte zunächst eine schnelle Erholung. Während viele europäische Nachbarländer mit einer über Jahre dauernden Schuldenkrise kämpften, profitierte Deutschland von seiner Exportstärke und der hohen Nachfrage aus Asien und Amerika. Die deutsche Industrie wurde zum Aushängeschild und machte das Land zum Exportweltmeister. Auf diese Weise zog Europas größte Volkswirtschaft als Wachstumsmotor den Rest des Kontinents mit nach oben.

Exportabhängigkeit wird zur Last

Das ändert sich gerade. Denn: Vor allem die erfolgsverwöhnte Industrie machte zuletzt mit Negativ-Schlagzeilen von sich reden. BASF, das größte Chemieunternehmen der Welt, überraschte die Börse im Juli mit einer herben Gewinnwarnung. Die Stärke der Vorjahre, die Exportorientierung, wird dabei zur Schwäche. Der lange florierende Welthandel gerät angesichts der Debatten um Protektionismus und Handelsbeschränkungen ins Stocken. Bereits im vergangenen Jahr machten sich die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen China und den USA in den Bilanzen der großen deutschen Unternehmen bemerkbar. In keinem anderen Industrieland sind die Gewinne derart stark eingebrochen wie in Deutschland. Nimmt man die 1.000 umsatzstärksten Unternehmen der Welt als Gradmesser, dann gingen die Gewinne vor Steuern und Zinsen der deutschen Firmen 2018 im Vergleich zu 2017 um zehn Prozent zurück.

Autoindustrie strahlt auf andere Branchen ab

Deutschlands Volkswirtschaft hat also Sand im Getriebe. Gewinnwarnungen wie die von BASF gehören in einigen Sektoren fast schon zum Alltag. Zu den großen Börsenverlierern im Juli gehörte die Aktie von Daimler. Die Stuttgarter mussten zum vierten Mal (!) innerhalb von nur zwölf Monaten ihre Prognose senken. Auch andere Unternehmen aus der Branche bzw. aus der Zulieferindustrie waren im Zuge von Abgasskandal und der weltweit rückläufigem PKW-Absatz gezwungen, ihre Ergebnisschätzungen nach unten korrigieren.

Zudem strahlt die Autoindustrie auf andere Industriezweige ab. Viele Firmenchefs sind vorsichtiger geworden und kalkulieren mit geringeren Zuwachsraten. Gleichzeitig sehen sie von neuen Investitionen ab. Dies wiederum löst gewissermaßen eine Kettenreaktion aus. Der Maschinenbau, Deutschlands wichtigste Branche, bekommt die Krise ebenfalls zu spüren und vermeldet ein deutliches Auftragsminus. Zuletzt verringerte sich die deutsche Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent.

Beschäftigung hoch, aber Kurzarbeit nimmt zu

Immerhin: Die Binnenkonjunktur läuft nach wie vor rund. Die Zahl der Erwerbstätigen ist auf mehr als 45 Millionen Menschen gestiegen, ein Rekordwert in der Geschichte der Bundesrepublik. Allerdings nimmt die Zahl der Arbeitslosen kaum noch ab. Der positive Trend der letzten Jahre könnte zum Erliegen kommen. Schon jetzt mehren sich die Meldungen über Kurzarbeit.

Bauwirtschaft und Handel stützen

Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer. Je weniger exportabhängig ein Unternehmen ist, desto besser ist die Lage. Die Bauwirtschaft arbeitet mit hoher Drehzahl und ist damit eine wichtige Stütze. Auch bei konsumnahen Dienstleistungen und im Handel ist von der Schwäche nichts zu spüren. Das lässt sich auch an der auseinanderlaufenden Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes, einem vielbeachteten Konjunkturbarometer, ablesen.

Fazit

Die deutsche Wirtschaft schwächelt. Dabei sind es vor allem der Fahrzeug- und der Maschinenbau, die unter einem geringeren Welthandel, einer verhaltenen Nachfrage aus China, dem ungeklärten Brexit und insbesondere unter den zunehmenden Handelsbeschränkungen leiden. Andere Branchen sind jedoch bislang kaum betroffen. Auf Jahressicht rechnen die Experten von Union Investment nicht mit einer Rezession. Doch Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Eurozone, ist damit das ökonomische Schlusslicht der Staatengemeinschaft. Die Exportorientierung, der Austritt der Briten aus der Europäischen Union und die politische Unsicherheit in Italien sind Belastungsfaktoren für das europäische Wachstum.

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