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USA-China-Konflikt: Technologiewettstreit um Macht und Wohlstand

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China verlagert sich zunehmend in die Arena der Hochtechnologie. Denn hier liegt der Schlüssel zu künftigem Wohlstand und Einfluss in der Welt. „Das Reich der Mitte bedroht aus Sicht der Vereinigten Staaten ihre Wettbewerbsposition und nationale Sicherheit. Es ist ein Kampf um die globale Vormachtstellung“, sagt Michael Herzum, Leiter Macro & Strategy bei Union Investment. Union Investment | 26.11.2020 11:07 Uhr
Michael Herzum, Leiter Macro & Strategy, Union Investment / © Union Investment
Michael Herzum, Leiter Macro & Strategy, Union Investment / © Union Investment

Nach zähem Ringen ist die US-Wahl endlich entschieden. Doch für China ändert sich durch den Sieg Joe Bidens wenig. Auch die Anhänger der Demokraten stehen dem Machtstreben Chinas skeptisch gegenüber. „Der Ton wird gemäßigter, aber in der Sache wird Biden die harte Linie von Trump fortsetzen“, ist Herzum überzeugt.

Wettbewerb der Großmächte um Chips, Technologien und Daten

China ist für die USA das, was die Sowjetunion letztlich nie war. Ein Konkurrent, der das Potenzial hat, nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich und strategisch auf Augenhöhe zu agieren. Aktuell befindet sich das Land auf der Überholspur: China stößt in das Machtvakuum, das sich durch den Trump’schen Rückzug aus Abkommen und Bündnissen sowie die Corona-Krise bietet. Die USA sind angreifbar, bei der Versorgung im Gesundheitssektor und der eigenen Abhängigkeit von China innerhalb der Wertschöpfungsketten im Technologiebereich.

Denn über den künftigen Wohlstand entscheidet nicht der Im- oder Export klassischer Industriegüter, sondern die Positionierung bei Hightech-Produkten. Beispiel: der Mobilfunkstandard 5G. Er wird in vielen Bereichen revolutionäre Weiterentwicklungen anstoßen. Ohne die schnelle und sichere Verbindung von 5G gibt es kein autonomes Fahren, keine vernetzten Fabriken, keine Smart Cities. Und hier ist China mit Huawei, das in diesem Bereich die fortschrittlichste Technik zum besten Preis liefert, optimal aufgestellt. „5G wird das zentrale Nervensystem der vierten industriellen Revolution. Und wer an den Schalthebeln sitzt, kann den globalen Datenfluss kontrollieren“, sagt Sandra Ebner, Senior Economist bei Union Investment. Entsprechend hitzig verlief die Diskussion über die Beteiligung von Huawei beim Ausbau des Netzes in den westlichen Staaten.

Doch China hat eine Achillesferse: Mikrochips der neuesten Generation. Die Chips sind ein vollständig globalisiertes Produkt. Keine Nation ist bei der Herstellung autark. Design aus den USA, Maschinen aus den Niederlanden, Fertigung in Taiwan – an manchen Chips sind hunderte Unternehmen aus dutzenden Ländern beteiligt. Der Knackpunkt: Ein Stück US-Technik steckt in fast allen Chips. So konnte die Trump-Regierung verfügen, dass selbst ausländische Unternehmen Huawei nicht mehr mit den hochwertigsten Komponenten versorgen dürfen.

Allerdings werden die USA zukünftig nicht nur auf eine solche Verteidigungsstrategie setzen. Durch aktive Industriepolitik – etwa Subventionen und Steuererleichterungen als Investitionsanreize – wird die Regierung Biden versuchen, die eigenen Spitzenunternehmen noch ein bisschen besser zu machen und den Wettbewerbsvorteil auszubauen. China will zwar seinerseits auch bei Mikrochips unabhängiger vom Ausland werden. Doch das Land liegt im Chip-Wettlauf rund vier Jahre zurück und das benötigte Know-how lässt sich weder kurzfristig kopieren noch einkaufen. „Halbleiter sind die Basis, 5G das Rückgrat und Daten der Rohstoff, um die Innovationen von morgen zu ermöglichen. Der Zugang zu diesen Basiskomponenten entscheidet damit über Wohlstand und Macht“, sagt Herzum.

Die Großmachtkonkurrenz zwischen den USA und China wird die kommende Dekade prägen. Eine Rückkehr zu vermehrter Kooperation wird es nicht geben. In strategisch wichtigen Technologiebereichen ist deshalb eine Blockbildung mit geographisch getrennten Einflusssphären sehr wahrscheinlich. Das chinesische Megaprojekt der „Neuen Seidenstraße“ lässt den möglichen Grenzverlauf erahnen.

Zunächst werden die entstehenden Doppelstrukturen bei Produkten und Wertschöpfungsketten zwangsläufig Ineffizienzen schaffen. Mittelfristig ist es jedoch möglich, dass das Pendel sogar in die andere Richtung schwingt: „Der staatlich massiv geförderte Innovationswettbewerb zwischen den USA und China hat das Zeug dazu, einen globalen Produktivitätsschub auszulösen“, analysiert Ebner. Möglicherweise steht sogar das Zeitalter der schwachen Wachstumsraten vor dem Ende.

Weitreichende Konsequenzen für Unternehmen und Staaten

Diese Entwicklung muss auch bei der Portfolioausrichtung berücksichtigt werden: „Der Wettbewerb der Supermächte wird in der Unternehmenslandschaft deutliche Spuren hinterlassen“, sagt Michael Herzum. Halbleiter-Ausrüster wie Applied Materials, LAM Research und die niederländische ASML könnten es kurzfristig schwerer haben. Rund 30 Prozent ihrer Umsätze und ein Großteil des Wachstums finden in China statt. Langfristig dürften sie aber genauso von steigenden Investitionen profitieren wie die europäischen 5G-Akteure Nokia und Ericsson.

Für die Staaten der Welt wird die Frage nach der eigenen Positionierung in diesem Konflikt der Großmächte besonders heikel. Denn die Entscheidung für eine Seite birgt immer die Gefahr, deutliche Nachteile durch die andere Seite zu riskieren. Bei chinesischen Anrainerstaaten wie Taiwan steht sogar die Souveränität auf dem Spiel, da der Technologievorsprung ein weiterer Grund für eine Invasion Chinas sein könnte. Auch Europa wird sich entscheiden müssen: Setzt man auf die alte, aber zuletzt merklich abgekühlte Freundschaft zu den USA, geht man mit China, das schon jetzt wichtigster Handelspartner vieler EU-Staaten ist, oder gibt es einen Mittelweg? „Das Risiko für Europa, zwischen den beiden Wirtschaftsmächten in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten, hat klar zugenommen“, sagt Herzum. Er ergänzt mit Blick auf den Heimatmarkt: „Das deutsche Exportmodell steht auf dem Prüfstand, wenn sich China als Nachfrager für heimische Industriegüter zurückziehen sollte. Deshalb ist Deutschlands Position in diesem Konflikt für den Kapitalmarkt hoch relevant.“

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