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Transformation Insight: Öl- und Gassektor

Unser modernes Leben ist ohne Strom kaum vorstellbar. Doch die Stromerzeugung hat ein ökologisches Problem: Sie erfolgt noch immer relativ stark auf Basis fossiler Brennstoffe. Wie kann die nachhaltige Transformation und damit die Dekarbonisierung des Versorgersektors gelingen? Union Investment | 16.07.2021 11:00 Uhr
© Photo by Zbynek Burival on Unsplash
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  • Traditionelle Geschäftsmodelle von Öl- und Gasunternehmen stehen auf dem Prüfstand
  • Meist wenig diversifiziertes Produktangebot mit gleichzeitig sehr schlechter CO2-Bilanz
  • Risiken durch Klimaklagen steigen stetig
  • Nur Unternehmen mit umfassenden Transformationsstrategien werden langfristig belohnt

Öl- und Gassektor: Die Zeit läuft ab

Manch einer wird sich erinnern: Noch vor ein paar Jahrzehnten gab es die Sorge, der Menschheit könne das Erdöl ausgehen. Im Jahr 1974 prognostizierte der Geologe Marion King Hubbert, 1995 werde das weltweite Fördermaximum erreicht werden – und ab da werde die Erdölgewinnung deutlich sinken. Technologischer Fortschritt sowie die Entdeckung und Erschließung immer neuer Ölvorkommen haben dafür gesorgt, dass Hubberts Prognose nicht eingetreten ist. Aus heutiger Sicht ist die Sorge ohnehin eher, das restliche Öl könnte tatsächlich gefördert werden. Denn um den Klimawandel zu bremsen, muss eigentlich so viel wie möglich davon in der Erde bleiben.

Doch trotz aller bisherigen Anstrengungen gilt: Fossile Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl deckten im Jahr 2019 noch immer rund 80 Prozent der globalen Nachfrage nach Primärenergie. Gemäß des „New Energy Outlook 2020“ von Bloomberg lässt der Energiehunger weltweit nicht nach, er nimmt – getrieben durch Länder wie China und Indien – sogar weiter zu. Die International Energy Agency (IEA) kommt in einer Studie zu einem ähnlichen Ergebnis1. Aber die Zeit zu Handeln läuft ab. Neben der notwendigen Substitution von fossilen Brennstoffen durch regenerative Energiequellen ist der Öl- und Gasbereich auch gefordert, die von ihm bereitgestellte Energie und abgeleitete Produkte aus Öl und Gas CO₂-effizienter zu gestalten.

Zwei bedeutsame Ereignisse in den vergangenen Wochen haben die Notwendigkeit einer Wende zusätzlich unterstrichen:

Ein potenziell bahnbrechendes Gerichtsurteil in den Niederlanden verlangt vom Ölkonzern Royal Dutch Shell, seine zu wenig ambitionierte und zu unkonkrete Klimastrategie anzupassen2. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die bisherige Strategie nicht mit den Pariser-Klimazielen in Einklang zu bringen ist, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das Gericht verlangt eine Beschleunigung der CO₂-Reduktionen auf nunmehr 45 Prozent bis zum Jahr 2030 – zuvor wurde von Royal Dutch Shell nur eine Reduktion um 20 Prozent angestrebt. Das Urteil könnte – insbesondere wenn es auch in der Berufung besteht – weitreichende Folgen haben. Auch die Klimastrategien anderer Öl- und Gasunternehmen (im Branchenjargon „Oil Majors“) könnten dann überarbeitet werden müssen.

Inhaltlich gestützt wird die Begründung der Richter aus den Niederlanden durch einen weiteren, vielbeachteten Report der International Energy Agency3. Die in einer „Roadmap“ enthaltenen Forderungen und Hinweise sind bemerkenswert, auch weil die IEA in der Vergangenheit die wichtige Rolle fossiler Brennstoffe stets betonte und das Wachstum im Bereich erneuerbarer Energiequellen unterschätzte. Um bis zum Jahr 2050 die Emissionen des Sektors auf Netto-Null zu senken – und dennoch eine stabile, weltweite Energieversorgung zu gewährleisten – sind laut der IEA unter anderem folgende Voraussetzungen und Maßnahmen erforderlich:

  • Auf dem Weg zur Erreichung der Reduktionsziele sind in der IEA-Studie, abseits bereits genehmigter Fördervorhaben, nach 2021 keine neuen Öl- und Gasförderprojekte mehr vorgesehen.

  • Die jährlichen Ausgaben zur Deckung des Energiebedarfs müssen bis zum Jahr 2030 von jährlich zwei Billionen US-Dollar auf rund fünf Billionen US-Dollar ansteigen. Dabei muss der Investitionsfokus klar auf erneuerbaren Energiequellen („Renewables“, vor allem Windkraft- und Solaranlagen) liegen, die sukzessive fossile Brennstoffe ersetzen.

  • Um einen noch effizienteren Einsatz von Renewables zu erzielen und um weitere technische Lösungen zur Unterstützung der Energiewende zu entwickeln, sind massive Forschungsausgaben notwendig. Denn 45 Prozent der Emissionsreduktionen sollen bis zum Jahr 2050 durch den Einsatz neuer Technologien erzielt werden. In manchen Bereichen ist eine Unterstützung von staatlicher Seite notwendig, um die teilweise immens hohen Anfangskosten abzumildern. Ein Beispiel: Grüner Wasserstoff.

Bei erfolgreicher Umsetzung ergibt sich laut der IEA-Studie ein möglicher Reduktionspfad in Richtung „net-zero“-Emissionen – wie Abbildung 1 skizziert.

Bis zum Jahr 2050 schrumpfen die Treibhausgasemissionen durch fossile Brennstoffe demnach markant. Die geringen, verbleibenden Emissionen sollen unter anderem durch Verfahren ausgeglichen werden, die CO₂ bei Produktionsprozessen abtrennen, weiterverwenden und speichern (CCUS) oder CO₂ direkt aus der Luft auffangen (DAC)4. Die von der IEA empfohlenen Maßnahmen und der sich daraus ergebende Reduktionspfad zeigen: Die Transformation des Sektors ist ambitioniert, aber möglich.

Emissionen müssen auf allen Ebenen sinken

Soweit die Vision. Doch die Umsetzung ist natürlich komplex und mit Unsicherheiten verbunden. Öl- und Gasunternehmen müssen zum einen nach Möglichkeiten zur Senkung der eigenen Emissionen suchen (Scope1 und 2). Beispiele dafür sind: Verringertes Abbrennen von Gas während der Förderung, die Vermeidung von ungewollten Methanemissionen und der verstärkte Einsatz von grünem Strom an den eigenen Standorten. Viel wichtiger ist aber: Auch die auf Öl und Gas basierenden Endprodukte (zum Beispiel Treibstoffe für Verbrennungsmotoren; Scope 3) müssen – so weit wie möglich – dekarbonisiert werden5. In den betroffenen, nachgelagerten Sektoren muss nach Energiealternativen und neuen Inputfaktoren gesucht werden.

Darin steckt allerdings so etwas wie die Quadratur des Kreises: Denn grundsätzlich implizieren die Pariser Klimaziele und in der Ableitung etwa das erwähnte Gerichtsurteil und der IEA-Report nichts anderes als die weitgehende Aufgabe des klassischen Geschäftsmodells für die betroffenen Unternehmen. Wie gehen diese aktuell damit um? Drei Richtungen sind erkennbar, die sich unter anderem dadurch unterscheiden, ob sie von Staatskonzernen oder privaten Unternehmen verfolgt werden:

Klima-Pioniere: Bereits vor mehreren Jahren haben sich einige Unternehmen entschieden, so schnell wie möglich aus ihren historischen, klimaschädlichen Geschäftsfeldern auszusteigen und auf Segmente zu setzen, die dem Renewables-Bereich zuzurechnen sind. Zwei prominente Beispiele: Das dänische Unternehmen Orsted – ehemals Dong Energy mit einem geschäftlichen Fokus auf Kohle, Öl und Gas – will spätestens bis zum Jahr 2025 komplett aus dem Segment fossile Brennstoffe aussteigen. Stattdessen plant das Unternehmen, ein führender Windpark-Betreiber und Anbieter von grünem Strom zu werden. Die finnische Neste wiederum produziert vor allem Bio-Diesel. Das Unternehmen hat sich frühzeitig auf dieses Segment spezialisiert und ist mittlerweile Marktführer. Bereits jetzt erzielt Neste einen Großteil seiner Gewinne in diesem nachhaltigen Geschäftsfeld. Unter Klima- und Transformationsgesichtspunkten sind beide Unternehmen Vorreiter innerhalb der Branche.

Die Bewahrer: Den Gegenentwurf dazu stellen die Zukunftsstrategien von vielen staatseigenen Ölkonzernen dar, sogenannten „National Oil Companies“ (NOCs). Da sich diese Unternehmen in Staatsbesitz befinden und mehrheitlich nicht an einer Börse notiert sind, sind sie weniger stark öffentlichem und regulatorischem Druck ausgesetzt, teilweise werden sie von ihren Regierungen sogar gehätschelt. Der Wandel hin zu einem Geschäftsmodell mit einem geringeren CO2-Fußabdruck steht oft nicht im Fokus. Stattdessen treten Unternehmen wie Saudi Aramco, Qatar Petroleum, Abu Dhabi National Oil und auch chinesische Ölunternehmen immer stärker als Käufer zusätzlicher Öl- und Gas-Assets auf – auch auf die Gefahr hin, dass sich diese Anlagen langfristig zu „stranded assets“ entwickeln könnten. Bereits jetzt stammen rund 85 Prozent des weltweiten Ölangebots von den NOCs und nur 15 Prozent von den global agierenden, an Börsen notierten Oil Majors. Deutliche und schnelle CO2-Reduktionen sind von den NOCs kurz- bis mittelfristig nicht zu erwarten.

Aber auch einige private US-amerikanische Unternehmen bleiben mit ihren Anpassungsbemühungen in puncto Klima hinter ihren (europäischen) Konkurrenten zurück. Exxon und auch Chevron sind ebenfalls eher bestrebt, ihre Marktstellung in etablierten Geschäftsbereichen zu behaupten oder auszubauen. Absichten, das Produktportfolio zu erweitern und CO2-ärmer aufzustellen, bestehen kaum. Lediglich der zuvor beschriebene, verstärkte Einsatz der CCUS-Technologie wird vorangetrieben – allerdings nur zur Kompensation der eigenen Emissionen. Ein wichtiger Unterschied besteht jedoch im Vergleich mit den NOCs: Exxon und Chevron sind gerade in der letzten Zeit zunehmendem Aktionärsdruck ausgesetzt. Investoren verlangen immer stärker auch von diesen Unternehmen transparente und glaubwürdige Klimastrategien.

Transformationskandidaten: Auch wenn wie erwähnt die Bedeutung der Oil Majors bei der Förderung fossiler Brennstoffe im Vergleich mit den NOCs sukzessive abnimmt, so ist deren Rolle bei der Suche nach Strategie- und Technologiealternativen nicht zu unterschätzen. Einige von ihnen sind anpassungsbereit. Ihr Vorgehen unterscheidet sich im Detail, gemein ist ihnen aber das Streben nach einem CO₂-effizienteren Produktangebot zur Bedienung des nach wie vor ungezügelten Appetits nach Energie. Abbildung 2 gibt einen Überblick über klimafreundliche und zukunftsträchtige Investitionsgebiete und -ausgaben von ausgewählten Oil Majors.

Trotz der Corona-bedingten Investitionsdelle in 2020 zeigt Abbildung 2: Neben Wind- und Solarkraft investieren Öl- und Gasunternehmen noch in weitere Technologie- und Effizienzprogramme. So spielen unter anderem Energie-Speichersysteme, CCUS, Bio-Kraftstoffe und auch Wasserstoffanwendungen eine wichtige Rolle bei der Erweiterung des Produktangebots. Unter anderem sind BP, Royal Dutch Shell, Equinor und Repsol Gründungsmitglieder des internationalen „Hydrogen Council“, da sie sich langfristig wirtschaftliche Chancen im Bereich Wasserstoffwirtschaft ausrechnen und dadurch gleichzeitig ihre CO₂-Bilanz verbessern. Viele Oil Majors besitzen durch ihre aktuellen Tätigkeiten bereits jetzt wichtige Kompetenzen für die neuen Geschäftsfelder. So können beim Transport von Wasserstoff zukünftig Teile der Pipeline-Infrastruktur genutzt werden. Bei der Speicherung von CO₂, im Zusammenhang mit CCUS, können ausgebeutete, unterirdische Öl- und Gasfelder zum Einsatz kommen.

Transparenz, Stringenz und Glaubwürdigkeit werden belohnt

Unternehmen, die für den ökologischen Wandel bereit sind, und die sich auch in Hinblick auf „S“- und „G“-Kriterien qualifizieren, werden bei Union Investment anhand von drei proprietären Kennzahlen („Key Performance Indicators“, KPIs) analysiert und beurteilt:

  • Vision & Strategie (KPI 1): Die Bereitschaft zur Transformation muss bestehen. Dokumentiert durch klare, strategische Ziele zur Dekarbonisierung, aber auch durch das kontinuierliche, transparente Berichten über Transformationsfortschritte in der kurzen, mittleren und langen Frist. Dabei wird zum Beispiel bewertet, ob das Unternehmen sowohl absolute, als auch relative CO₂-Kennzahlen seiner Produktion berichtet und seine ausreichend ambitionierten Ziele zur Senkung der Emissionen einhält. Zudem ist eine nachvollziehbare Berücksichtigung von sozialen Risiken und Kriterien im Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit erforderlich, auch um potenzielle, kostspielige Reputationsrisiken zu vermeiden.

  • Nachhaltige Investitionsstrategie (KPI 2): Die Investitionsentscheidungen stehen im Einklang mit den KPI 1-Zielen. Die verfügbaren finanziellen Mittel sollen kaum noch im Bereich fossile Brennstoffe eingesetzt werden. Stattdessen ist eine CO₂-arme Erweiterung des Produktportfolios das Ziel. Mögliche Investitionsbereiche sind: Erneuerbare Energien, Bio-Kraftstoffe, CCUS, ein breiteres Produktangebot im Zusammenhang mit der Elektromobilität und verstärkte Anstrengungen im Bereich CO₂-effiziente Energiedienstleistungen. Zusätzlich werden die Investitionsaufwendungen in den Bereichen Digitalisierung und Personensicherheit beurteilt.

  • Glaubwürdige Unternehmensführung (KPI 3): Der Aufsichtsrat muss sich nachweisbar der drohenden Gefahren durch eine fehlende Nachhaltigkeitsstrategie bewusst sein und diese berücksichtigen. Auf Vorstandsebene sollen die Bezüge in einem direkten Bezug zu mehreren relevanten und messbaren ESG-Kriterien stehen. Zur Verbesserung der Transparenz auf der Governance-Ebene sind Lobby-Tätigkeiten und die Zugehörigkeit zu Branchenvereinigungen auszuweisen.

    Unternehmen, die diese Kriterien befolgen und sich daran messen lassen, wird es gelingen, den notwendigen, umfänglichen Wandlungsprozess erfolgreich zu gestalten. Positiver Nebeneffekt: Vorreiter sollten am Kapitalmarkt auf größeres Interesse stoßen – gerade auf Seiten nachhaltiger Investoren.

Transformation kann erfolgreich sein – aber nicht über Nacht

Die Gewinner und Verlierer des eingeleiteten Transformationsprozesses stehen noch nicht fest. An der Suche nach neuen, ergänzenden Geschäftsmodellen beteiligen sich aber fast alle (privaten) Unternehmen. Dieser kapitalintensive Innovationsprozess dürfte jedoch erst mittel- bis langfristig Früchte tragen. Kurzfristig besitzen zwar jene Unternehmen einen betriebswirtschaftlichen Vorteil, die vergleichsweise niedrige Produktionskosten aufweisen und durch Zukäufe von weiteren Öl- und Gas-Assets ihren Marktanteil sogar noch ausweiten. Dies trifft vor allem auf Teile der NOCs zu. Langfristig könnte sich dieses Vorgehen aber als ein Pyrrhussieg erweisen. Denn grundsätzlich bestehen für alle Beteiligten ähnliche Rahmenbedingungen – und Risiken:

Regulatorische Vorgaben und gesetzliche Regelungen zwingen gerade börsennotierte Unternehmen wie die Oil Majors zur Transformation. Ein starres Festhalten am bestehenden Produktangebot stellt somit ein Risiko dar, das insbesondere die transformationsunwilligen NOCs in der Zukunft hart treffen könnte.

Zudem führt die steigende CO₂-Bepreisung – zum Beispiel mittels CO₂-Zertifikaten – in einer Vielzahl von Ländern zu einer immer stärkeren Kostenbelastung bei den betroffenen Unternehmen. Mit der Folge, dass die Profitabilität fossiler Brennstoffe und daraus abgeleiteter Endprodukte sinkt und den gesamten Sektor belastet.

Dies hat bereits jetzt zu weitreichenden Folgen am Kapitalmarkt geführt. Unternehmen aus dem Öl- und Gasbereich waren in den vergangenen Jahren gezwungen, Abschreibungen und Wertberichtigungen in Milliardenhöhe auf ihre bestehenden Projekte und Anlagen vorzunehmen. Der Wert dieser Assets stand nicht mehr mit den (höheren) Bewertungsniveaus der Vergangenheit im Einklang. Für langfristig orientierte Anleger, die auf diese Unternehmen setzen, sind dies keine guten Nachrichten. Auch zukünftig besteht die Gefahr, dass sich vor allem teurere Anlagen von ausgewählten Öl- und Gasunternehmen zu „stranded assets“ entwickeln, wenn Anlagen aus Rentabilitätsgesichtspunkten aufgegeben werden oder neue Wertberichtigungen notwendig sind.

Am Kapitalmarkt wenden sich nicht nur nachhaltige Investoren zusehends von Unternehmen ab, die keine glaubwürdige Klimastrategie aufweisen und die dem erwähnten Bewahrer-Lager zuzurechnen sind. Langfristig könnte dies sogar eine finanzielle Belastung für ganze Länder darstellen. Und zwar genau dann, wenn Staaten mit ihren Volkswirtschaften zu einseitig auf die Erträge aus den Geschäften mit fossilen Brennstoffen angewiesen sind, wie zum Beispiel einige Länder auf der arabischen Halbinsel.

Auch wenn der Wandel im Öl- und Gasbereich langwierig, komplex und kostspielig sein wird, so ergeben sich aus dem unter Klimagesichtspunkten notwendigen Umbruch auch Chancen für die Transformationskandidaten. Strategische Investoren können dies am Kapitalmarkt nutzen:

Die Erfolge von Klima-Pionieren wie Orsted und Neste können dazu dienen, anderen Unternehmen Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft nach einer grundsätzlichen Transformation zu machen. Zum einen haben Neste und Orsted nun in aussichtsreichen Marktsegmenten eine führende Stellung inne. Zum anderen wurde der Wandel der Unternehmen auch am Kapitalmarkt honoriert. Investoren konnten von deutlichen Kurssteigerungen profitieren, wenn sie sich frühzeitig in den Unternehmen engagierten.

Diejenigen Transformationskandidaten, die sich früher als die Konkurrenz Marktanteile in neuen, aussichtsreichen und CO₂-armen Marktsegmenten sichern können, haben gute Chancen, am Kapitalmarkt einen „early mover“-Bonus zu erhalten. Zum einen wird durch den Bonus ein glaubhafter Strategiewechsel seitens der Investoren honoriert. Zum anderen kann es diesen ausgewählten Unternehmen gelingen, frühzeitig vom Wachstum in diesen Zukunftsmärkten zu profitieren. In diesem Zusammenhang sind vor allem europäische Unternehmen wie Total, Equinor und Repsol zu nennen, die bereits seit einigen Jahren in den Bereichen Wind- und Solarkraft große Expansionsanstrengungen unternehmen.

Unternehmen, die es schaffen glaubhafte und transparente Klimastrategien zu entwickeln und umzusetzen, sind grundsätzlich auch seltener von Klimaklagen betroffen und vermeiden Reputationsverluste. Sie können sich diesbezüglich positiv von Konkurrenten innerhalb der Branche absetzen. Bei den Oil Majors setzt diesbezüglich das italienische Unternehmen Eni mit seinen ambitionierten CO₂-Reduktionszielen den Standard. Ein Beispiel: Eni emittierte im Juni 2021 die erste „Sustainability-Linked“-Anleihe des Sektors, deren Kuponhöhe an spezielle Nachhaltigkeitsziele gekoppelt ist.

Fazit und Ausblick

„Big Oil wird zu Big Energy“ – so muss das Motto der Unternehmen im Öl- und Gasbereich unter Klimagesichtspunkten lauten. Doch der Weg dorthin ist komplex – ein Transformationsmarathon, kein Sprint. Und nicht alle Marktteilnehmer machen dabei mit. Dennoch: Transformation im Öl- und Gassektor ist essentiell im Kampf gegen zunehmende Treibhausgasemissionen und die fortschreitende Erderwärmung.

Eine allgemeingültige „Roadmap“ für den Weg zum erfolgreichen Wandel gibt es nicht. Zu unterschiedlich stellt sich auf Unternehmensebene die jeweilige Ausgangslage dar und zu verschieden sind auch die individuellen Zielbilder für die zukünftigen, geschäftlichen Schwerpunkte. Aus Investorensicht ist entscheidend, dass die speziellen Transformationspläne ambitioniert genug, stringent und transparent sind, damit eine kontinuierliche Erfolgskontrolle gewährleistet ist. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sind besonders solche Strategien vielversprechend, die das bisherige Produktportfolio sukzessive auf CO₂-effiziente Geschäftsbereiche umstellen. Langfristig problematisch erscheinen hingegen Strategien, die aufgrund des momentan (noch) günstigen Branchenumfeldes, weiterhin fossile Brennstoffe in den Fokus ihrer Aktivitäten und Investments stellen.

Union Investment analysiert und begleitet den eingeschlagenen Transformationsprozess im Öl- und Gassektor durch seine proprietäre Analyse wichtiger KPIs und eigene Engagement-Initiativen. Der Anspruch: Glaubwürdige Transformationskandidaten zu benennen, die sich auch für nachhaltige Anleger als Investition qualifizieren.

Angela Quiroga Manrique und Mathias Christmann, Union Investment

1 Siehe dazu den IEA-Bericht Oil 2021 – Analysis and forcast to 2026 aus dem März 2021.

2 Siehe dazu auch Hintergründe und Ergebnisse der Klage gegen Royal Dutch Shell.

3 Siehe dazu IEA: Net Zero by 2050 – A Roadmap for the Global Energy Sector.

4 Dabei ist CCUS die Abkürzung für „Carbon Capture Utilisation & Storage“, also das Auffangen, die Verwendung und Speicherung von CO2 besonders im Zusammenhang mit industriellen Produktionsprozessen; DAC steht für „Direct Air Capture“, dabei wird der Umgebungsluft durch den Einsatz spezieller Filter ein Teil des CO2 entzogen, welches anschließend als Inputfaktor zum Beispiel im Chemiebereich verwendet werden kann.

5 Scope 1 Emissionen stehen im direkten Zusammenhang mit der Förderung, der Weiterverarbeitung und dem Transport von Öl und Gas. Scope 2 sind dem Sektor zurechenbare Emissionen durch den Kauf und die Verwendung von Energie und Wärme. Scope 3-Emissionen fallen außerhalb des Sektors, beim Verbrauch von fossilen Brennstoffen (unter anderem in Verbrennungsmotoren) oder als Vorleistungsprodukt (zum Beispiel für chemische Produkte) an.

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