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EU gibt Startschuss für erste Grüne Anleihe

Grüne Anleihen sind begehrt. Mit ihrem heute veröffentlichten Rahmenwerk gibt die Europäische Union den Startschuss für die Ausgabe von Grünen Anleihen zur Finanzierung des EU-Wiederaufbauplans. Die EU wird damit zur führenden Emittentin im Green-Bond-Markt. Insgesamt erwarten wir für den europäischen Markt für Grüne Anleihen ein kräftiges Wachstum bis Ende 2022. Union Investment | 07.09.2021 12:21 Uhr
Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten und Mitglied des Union Investment Committee, Union Investment / © Union Investment / e-fundresearch.com
Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten und Mitglied des Union Investment Committee, Union Investment / © Union Investment / e-fundresearch.com

Europas Kapitalmarkt steht vor einer riesigen Umverteilung von Anlagemitteln hin zu “grünen“ Projekten. Denn Grüne Anleihen sind ein wichtiges Finanzierungsinstrument auf dem Weg zu einer klimaneutralen EU. Jetzt kann die Europäische Union loslegen: Mit dem Green Bond Framework hat sich die Gemeinschaft den Rahmen gesteckt, um die Ausgabe eigener Grüner Anleihen zu starten. Die erste Grüne Anleihe der Gemeinschaft soll im Oktober an den Markt kommen. Rund ein Drittel der Mittel für den Wiederaufbaufonds „Next Generation EU“ (NGEU) will die Staatengemeinschaft bis 2026 über Green Bonds finanzieren, also rund 250 Milliarden Euro. Damit dürfte die EU rasch zum größten Green-Bond-Emittenten der Welt aufsteigen.

Wir begrüßen, dass die EU damit eine weitere „sichere“ Anlage schafft – nur diesmal in grün. Union Investment selbst verwaltet derzeit in Green Bonds ein Anlagevolumen von rund sieben Milliarden Euro. Die Grünen Anleihen der EU werden auf einen sehr aufnahmefähigen und -willigen Markt treffen: Die Anleger stehen bereit und die Dynamik im Markt bleibt hoch. Bis Ende 2022 wird das Volumen ausstehender europäischer Grüner Anleihen unserer Prognose nach auf eine Billion Euro wachsen.

Die EU dürfte bis 2026 jährlich für bis zu 40 Milliarden Euro Grüne Anleihen auflegen und rasch zum größten Green-Bond-Emittenten der Welt aufsteigen – noch vor Frankreich, das bislang Grüne Anleihen über gut 38 Milliarden Euro begeben hat. Zum Vergleich: Deutschland kann derzeit maximal 18 Milliarden Euro pro Jahr über Grüne Bundesanleihen aufnehmen, obwohl die Nachfrage nach Grünen Bunds um ein Vielfaches höher liegt. Grund hierfür ist das geringe Ausmaß grüner Investitionen im Bundeshaushalt. Hier dürften die neuen EU-Green-Bonds helfen, die Nachfrage der Investoren zu stillen.

Als wachsende Anlageklasse bieten Grüne Anleihen nicht nur eine Möglichkeit, ethischen Überzeugungen am Kapitalmarkt Ausdruck zu verleihen, sondern auch Diversifikation und Ertrag im Rentenportfolio zu steigern. Grüne Anleihen sind aber keine Selbstläufer: Sowohl auf Ebene der einzelnen Emission als auch auf Ebene des Emittenten ist eine sorgfältige Analyse notwendig.

Die EU begibt ihre Green Bonds auf Grundlage des derzeit maßgebenden, anerkannten Branchenstandards der International Capital Market Association (ICMA). Dadurch wird Transparenz bezüglich der Verwendung der Mittel geschaffen und garantiert, dass eine zweite Meinung eingeholt wird, welche die korrekte Mittelverwendung sicherstellen soll. Die Grünen Anleihen, welche die EU auf Grundlage des heute vorgestellten Green Bond Framework begibt, werden aber voraussichtlich nicht alle Kriterien des zukünftigen EU Green Bond Standards erfüllen. Denn die grünen Projekte des EU-Wiederaufbauprogramms müssten sonst zwingend die Vorgaben der EU-Taxonomie erfüllen, die künftig grüne Investitionen definieren soll. Dies ist aber nicht der Fall und zeigt, wie restriktiv der Vorschlag der EU für den Green Bond Standard durch den Verweis auf die EU-Taxonomie ist.

Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten und Mitglied des Union Investment Committee, Union Investment

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