Zweimal pro Woche - Kostenlos per E-Mail. Jeden Werktag neu - Kostenlos per E-Mail.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.

Analyse: Wie Lieferengpässe die Weltwirtschaft belasten

Durch die synchrone Erholung nach der Corona-Krise und der Wiedereröffnung der Wirtschaft hält die Knappheit der Vorprodukte weiter an. Deshalb senken immer mehr Unternehmen ihre Gewinnprognosen für das dritte und vierte Quartal. Welche weiteren Folgen – etwa auf Inflation und Konjunktur – erwarten wir aufgrund der Lieferengpässe? Union Investment | 05.10.2021 15:01 Uhr
© e-fundresearch.com / Canva
© e-fundresearch.com / Canva

Die anhaltenden Lieferengpässe als Folge der Corona-Krise und der Wiedereröffnung der Wirtschaft (Re-Opening) machen der globalen Wirtschaft länger zu schaffen als gedacht. Gestörte Lieferketten und lange Lieferzeiten besonders in der Containerschifffahrt belasten derzeit die Branchen. Besonders betroffen ist etwa die Halbleiterbranche, was sich in einem anhaltenden Chipmangel in der Autoindustrie bemerkbar macht. So musste Opel das Werk in Eisenach bis Ende des Jahres wegen fehlender Halbleiterprodukte schließen. Aber auch viele andere Branchen berichten von Knappheitsphänomenen und damit Schwierigkeiten, die vielen Aufträge auch abzuarbeiten. Es gibt Engpässe im Transport- und Bausektor mit stark gestiegenen Preisen sowie generell höhere Rohstoffpreise und Inputkosten (etwa für Vorprodukte). Hinzu kommen stark gestiegene Energiepreise etwa in Europa und China.

Kettenreaktion – Lieferengpässe lasten auf der Weltwirtschaft - Knappe Vorprodukte

Hersteller im verarbeitenden Gewerbe, Anteil der Nennung in Prozent Quelle: ifo Konjunkturumfrage, 30. September 2021.

Auswirkungen der Lieferkettenstörungen auf den Geschäftsbetrieb der Unternehmen

Quelle: Statista global, 30. September 2021.

Ursächlich für die langen Lieferzeiten ist die synchrone globale Erholung nach den Corona-Einschränkungen, verstärkt durch einen pandemiebedingt höheren Güterkonsum (im Vergleich zu Dienstleistungen). Dazu kommen auf der Angebotsseite auch immer wieder Produktionseinschränkungen inklusive temporärer Fabrikschließungen in Asien aufgrund von strikten Corona-Eindämmungsmaßnahmen. Einschätzungen zufolge ist eine Entspannung der Lieferzeiten erst in den nächsten sechs bis zwölf Monaten wahrscheinlich.

Zahlreiche Senkungen der Gewinnprognosen erreichen die Branchen

Eine in den vergangenen Wochen deutlich steigende Zahl an Unternehmen hat inzwischen gewarnt, dass die Gewinne im dritten und vierten Quartal nicht den Prognosen entsprechen könnten. Für die in diesem Monat anlaufende Berichtssaison sind das nicht die besten Vorzeichen. In erster Linie sind es Produktionsunternehmen, die mit Unterbrechungen der Lieferkette zu kämpfen haben.  Aber auch für die Autoindustrie stellt sich die Frage, wie groß die Delle ist, die durch die aus der weltweiten Chipknappheit resultierenden Produktionsdrosselung resultiert und wie groß auch die Einnahmeverluste bei den Auto- und Teileherstellern ist.

Ein prominentes Beispiel ist auch die Sportartikelbranche. So hat der US-Sportartikelhersteller Nike seine Umsatzprognose zurücknehmen müssen. Für das laufende Geschäftsjahr wird nur noch mit einem einstelligen statt vorher zweistelligen Umsatzplus gerechnet. Nike produziert rund die Hälfte seiner Schuhe und auch einen Teil der Sportkleidung in Vietnam. Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Werke in Vietnam lange geschlossen und die Produktion wurde kurzfristig in andere Länder verlagert. Derzeit dauert es rund 80 Tage und damit etwa doppelt so lang wie normal, bis die fertige Ware in den USA eintrifft. Hinzu kommen höhere Frachtkosten. Die gestiegenen Logistikpreise haben das Potenzial, zu weiteren Umsatz- oder gar Gewinnrevisionen nicht nur in der Textilbranche zu führen. Allerdings sind viele Unternehmen derzeit aufgrund der anhaltend robusten Nachfrage auch in der Lage, steigende Input-Preise an die Kunden weiterzugeben.

Brexit Auswirkungen führen zu Engpässen an Tankstellen

Besonders stark treffen Lieferengpässe gerade Großbritannien: Der Chef der Bank of England, Andrew Bailey, hob hervor, in seinem Land kämen globale Faktoren wie die Pandemiefolgen und spezifische Folgen des Brexit zusammen. Zwei Drittel der britischen Tankstellen haben nach Angaben des Tankstellenverbandes, der rund 5.500 unabhängige Tankstellen vertritt, keinen Treibstoff mehr. Vor den Zapfsäulen in Großbritannien kommt es deshalb zu langen Staus. Das Problem ist, dass nicht genug Lkw-Fahrer vorhanden sind, die die Kraftstoffe an die Tankstellen transportieren können. Johnson wies den Vorwurf zurück, dass das Problem des „driver shortage“ nur mit dem Brexit zu tun habe. Dies sei weltweit zu beobachten. Um die Lage zu entspannen, hat die Regierung das Militär in Bereitschaft versetzt. Auch die Wettbewerbsregeln wurden vom Wirtschaftsminister ausgesetzt, damit die Branche gemeinsam gegen die Engpässe vorgehen kann.

Notenbanken zeigen sich besorgt über den anhaltenden Preisdruck

Welche Folgen haben die Lieferengpässe auf die Konjunkturentwicklung? Sie dürften die Beruhigung auf der Inflationsseite etwas hinauszögern, aber sollten den laufenden Konjunkturaufschwung nicht abwürgen, solange die Notenbanken nicht hart gegensteuern, sondern wie bisher mit Augenmaß vorgehen und ihre Geldpolitik weiterhin an einem mittelfristig moderatem Inflationsausblick ausrichten. In den USA sind die Konsumentenpreise im August gegenüber dem Vorjahr um 5,3 Prozent gestiegen und liegen damit weit über dem geldpolitischen Ziel von im Mittel zwei Prozent. US-Notenbankchef Jerome Powell rechnet kurzfristig mit keiner Entspannung in der Inflationsentwicklung, wie er auf der Notenbankkonferenz in Sintra deutlich machte. Die Engpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen werden seiner Einschätzung nach bis ins nächste Jahr andauern. Er erwartet, dass die Inflation auch in den nächsten Monaten über dem Ziel der Federal Reserve (Fed) liege, bevor sie sinken werde. Grund dafür ist der aus den Engpässen hervorgerufene Preisdruck. Die Notenbank werde reagieren, sollte eine anhaltende höhere Teuerung zu einem ernsthaften Problem werden. 

Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), bezeichnete auf der Konferenz in Sintra die Lieferengpässe ebenfalls als ein Aufwärtsrisiko für die Inflation in der Eurozone. Die EZB ist aber in ihrer Kommunikation weiterhin klar im transitorischen Lager zu verorten. Im Moment treibe ein Anstieg der Energiepreise im Vergleich zu den sehr niedrigen Vorjahreswerten die Inflationsraten. Die Wirtschaft der Eurozone habe nach der Krise zwar das Tal durchschritten, sei aber noch nicht über den Berg. Dies sollte 2022 der Fall sein, so Lagarde. 

Wir gehen zwar auch davon aus, dass zum Jahresende das Vorkrisenniveau im Euroraum-BIP wieder erreicht wird und erwarten für 2022 ein erneut kräftiges Wachstums von 4,8 Prozent. Bis die Euroraum-Wirtschaft aber wieder zurück auf den Wachstumstrend von vor der Pandemie klettert, dürften wir uns im Jahr 2023 befinden. In den USA ist der Wachstumsausblick für 2022 mit 4,3 Prozent ebenfalls gut. Angesichts der fortgeschrittenen Erholung sollte der Vorkrisentrend aber bereits am Jahresende 2021 erreicht sein, weshalb sich die Wachstumsdynamik im Vergleich zum Euroraum im nächsten Jahr auch etwas ausgeprägter abschwächt.

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:

01. Oktober 2021, soweit nicht anders angegeben.

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.
Für diesen Suchebgriff konnten wir leider keine Ergebnisse finden!
Fonds auf e-fundresearch.com

Weitere Informationen zu diesem Fonds Kennzahlen per 30.09.2021 / © Morningstar Direct
Bereiche auf e-fundresearch.com
NewsCenter auf e-fundresearch.com
Kontakte auf e-fundresearch.com

{{ contact.email }}

{{ contact.phonenumber }}

{{ contact.secondary_phonenumber }}

{{ contact.address }}

Weitere Informationen im {{ contact.newscenter.title }} Newscenter
Artikel auf e-fundresearch.com