Knapp drei Viertel der Befragten (73 Prozent) sehen die Verantwortung für die Vermittlung von Finanzwissen bei der Schule, 68 Prozent bei den Eltern. Allerdings finden nur 32 Prozent, dass die eigenen Eltern sie gut auf den Umgang mit Finanzen vorbereitet haben. 24 Prozent vergeben hier ein „mangelhaft“ bzw. „ungenügend“. Noch weniger zufrieden sind die Umfrageteilnehmer mit der Schule beim Vermitteln von Finanzwissen. Zehn Prozent finden, dass in Klassenzimmern gut auf den Umgang mit Finanzen vorbereitet wird. Aber mehr als die Hälfte findet, dass mangelhaft oder ungenügend vermittelt wird (57 Prozent). „Finanzwissen ist heute wichtiger denn je – gerade in einer zunehmend komplexen Welt. Schulen und Eltern müssen daher gemeinsam stärker Verantwortung übernehmen, um junge Menschen möglichst lebensnah auf finanzielle Entscheidungen vorzubereiten“, betont Jessica Bräu, Landesdirektorin von Union Investment Austria. Immerhin vier von zehn (40 Prozent) sind der Meinung, dass Finanzberater bzw. Geldinstitute Finanzwissen vermitteln sollten. Die Politik sehen lediglich 26 Prozent in der Verantwortung.
Schulnote 3 für eigenes Finanzwissen
Die Mehrheit der Befragten (42 Prozent) hält das eigene Finanzwissen für befriedigend, gibt sich selbst also die Schulnote 3. Immerhin 23 Prozent halten es für sehr gut oder gut. Interessanterweise zeigen sich hier Männer selbstbewusster in ihrer Einschätzung: 31 Prozent der befragten Männer bewerten ihr Finanzwissen als sehr gut oder gut. Unter den Frauen sind es mit 14 Prozent nur etwa halb so viele.
Wissenslücken bei den Themen Rendite, Aktien und Fonds
Die größten Wissenslücken haben die Befragten bei den Themen Aktien, Fonds und Rendite. So schätzt mehr als jeder Dritte sein Wissen zu Aktien als mangelhaft oder ungenügend ein (32 Prozent). Fast genauso viele bewerten ihre Kenntnisse rund um Investmentfonds mit der Schulnote 5 (29 Prozent), beim Begriff Rendite sind es 28 Prozent. Wesentlich besser sieht es beim Thema Zinsen aus. Hier fühlen sich 42 Prozent gut oder sehr gut informiert. Dies gilt auch für das Thema Inflation, mit dem sich 40 Prozent der Befragten nach eigener Einschätzung gut oder sehr gut auskennen. Allerdings gibt es hier deutliche Geschlechterunterschiede: 51 Prozent der Männer geben an, sich mit diesem Thema sehr gut oder gut auszukennen, unter den Frauen sind es mit 27 Prozent nur etwa halb so viele. „Gerade in Zeiten hoher Inflation, ist es jedoch essenziell, zu wissen, was dies für das eigene Geld bedeutet und wie sie sich auf die eigene Geldanlage auswirkt. Aufgrund der Herausforderungen bei der Altersvorsorge ist es zudem für jeden, aber insbesondere auch für Frauen wichtig, sich mit Lösungen für das Alter zu beschäftigen“, so Bräu.
Internet und Bankberater als Hauptinformationsquelle
Obwohl die Befragten ihrem eigenen Finanzwissen eher schlechte Noten geben, scheint es aber an Interesse nicht zu mangeln. Etwa sechs von zehn Befragten beschäftigen sich häufig oder manchmal mit Finanzthemen und Möglichkeiten zur Geldanlage (62 Prozent). Die meisten nutzen als Informationsquelle das Internet (61 Prozent). Einen Bankberater fragen vier von zehn Befragten (40 Prozent). Dies tun deutlich mehr Frauen als Männer (45 vs. 35 Prozent). Auch die Familie und Freunde werden häufig um Rat gefragt. Jeweils 35 Prozent der Befragten tun dies. „Wer bei allem, was Geld und Finanzen betrifft, das persönliche Gespräch sucht, ist bei seinem Bankberater oder seiner Bankberaterin auf jeden Fall an der richtigen Stelle“, meint Bräu.
Zur Studie
Das Marktforschungsinstitut Forsa hat im Juli 2025 im Auftrag von Union Investment 1.007 Personen im Alter von 20 bis 59 Jahren befragt, die in privaten Haushalten über Finanzen entscheiden und mindestens eine Geldanlage besitzen. Die Befragten nahmen an einer Online-Umfrage teil und konnten sich Zeit und Umgebung der Bearbeitung selbst aussuchen. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu 100 Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.