Die zuletzt höhere Inflation ist vor allem eine Folge höherer Energiepreise und bislang kein Hinweis auf einen neuen, breit angelegten Inflationsschub. Im Mai ist die Inflation im Jahresvergleich auf 2,6 Prozent gesunken und liegt damit etwas unter dem Niveau von April mit plus 2,9 Prozent. Der Preisdruck bleibt auf Kraftstoffe und energienahe Produkte begrenzt. Ohne die Preise für Energie- und Nahrungsmittel beträgt die Kerninflation 2,5 Prozent. Das zeigt: Der zugrundeliegende Preisdruck ist in der Breite beherrschbar.
Auch eine in den kommenden Monaten absehbare leichte Ausweitung des Preisdrucks ändert daran nichts. Höhere Energiepreise wirken mit Verzögerung auf Produktions-, Transport- und Düngemittelkosten und dürften deshalb bald auch bei Nahrungsmitteln und transportintensiven Gütern sichtbar werden. Ausgeprägte Zweitrundeneffekte über den Arbeitsmarkt erwarten wir nicht. Anders als während des Inflationsschubs 2021/2022 ist der Arbeitsmarkt heute weniger angespannt. Dies begrenzt das Risiko kräftiger Zweitrundeneffekte über die Löhne.
Eine Rückkehr der Inflation in Richtung von rund zwei Prozent im Jahr 2027 bleibt realistisch. Die EZB wird dennoch bei ihrem Juni-Treffen den Leitzins anheben, um die Gefahr von Zweitrundeneffekten bereits im Keim zu ersticken. Einen neuen Zinszyklus wird sie damit unserer Einschätzung nach nicht einläuten.
von Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment
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