Trump und Xi: Kalter Friede... vorerst

Trump und Xi haben in Busan nur einen einjährigen Waffenstillstand vereinbart - kein Handelsabkommen, kein Durchbruch. Beide Seiten machen Zugeständnisse, doch zentrale Konfliktpunkte bleiben ungelöst. Der Handelsfrieden ist fragil und dürfte nur vorübergehend sein. Carmignac | 30.10.2025 16:19 Uhr
Raphaël Gallardo, Chefvolkswirt bei Carmignac / © e-fundresearch.com / Carmignac
Raphaël Gallardo, Chefvolkswirt bei Carmignac / © e-fundresearch.com / Carmignac

Wie erwartet handelt es sich bei dem, was Trump und Xi in Busan vereinbart haben, lediglich um ein vorläufiges Rahmenwerk für einen einjährigen Waffenstillstand – nicht um ein Handelsabkommen und schon gar nicht um einen großen Durchbruch. Die Ergebnisse zeigen deutliche Zugeständnisse auf beiden Seiten.

US-Zugeständnisse:

  • Halbierung der 20-prozentigen Fentanyl-Zölle im Austausch gegen vage Versprechen Xis, Lieferungen von Vorstufen für das Opioid einzudämmen
  • Gegenseitige Zölle bleiben für ein Jahr bei 10 Prozent statt bei 36 Prozent
  • Die Ausweitung der US-‚Entities List‘ auf Tochterunternehmen mit mehr als 50 Prozent Beteiligung wird um ein Jahr verschoben

Chinesische Zugeständnisse:

  • Sofortige Wiederaufnahme von Sojabohnen- und anderen Agrarimporten
  • Vage Zusagen zum Kauf von US-Energie
  • Abschluss des TikTok-Deals
  • Exportkontrollen für Seltene Erden und andere kritische Mineralien um ein Jahr verschoben

Damit bewegen wir uns von einer Abfolge von 90-Tage-Deals hin zu einem einjährigen Rahmen. Das ist zweifellos positiv für die Marktstimmung – allerdings bleiben wichtige Einschränkungen.

Erstens: Noch wurde nichts unterzeichnet. Der endgültige Abschluss soll erst beim Staatsbesuch Trumps in Peking im März erfolgen. Bis dahin kann es jederzeit wieder zu überraschenden Spannungen kommen (man denke nur an den chinesischen Spionageballon).

Zweitens: Abgesehen von der Senkung der Zölle auf 10 Prozent führt dieses Abkommen lediglich zurück zum Genfer Waffenstillstand im Mai – bevor die Eskalation rund um die 50-Prozent-Regel und die Gegenmaßnahmen mit Seltenen Erden begann.

Drittens: Ausgeklammert bleiben die eigentlichen Konfliktpunkte. Keine US-Zugeständnisse in Bezug auf Taiwan, keine chinesischen Zugeständnisse in Bezug auf Russland, keine Diskussion über den Verkauf von US-Hochleistungschips. All diese Themen dürften zur Sprache gekommen sein, jedoch ohne Ergebnisse. Von einem ‚großen Durchbruch‘ kann also keine Rede sein.

Wir erleben somit weiterhin einen Prozess des ‚gesteuerten Entkoppelns‘ einer 40-jährigen symbiotischen Wirtschaftsbeziehung.

Auf dem Papier drehen wir die Uhr zurück auf Mai in Genf. Doch in der Zwischenzeit haben beide Seiten bereits einmal auf den ‚nuklearen Knopf‘ gedrückt: Die USA schlossen Schlupflöcher in der Entities List, China spielte seine Karte der Seltenen Erden aus. Diese Schritte haben irreversible Prozesse angestoßen. Die USA bauen nun ihre Lieferkette für Seltene Erden im Eiltempo neu auf. China hat auf dem Vierten Plenum signalisiert, dass die Prioritäten des nächsten Fünfjahresplans erneut der Aufbau einer sanktionssicheren Kriegswirtschaft sein werden. Mit anderen Worten: Wir befinden uns weiterhin auf einem programmierten Kollisionskurs zwischen zwei Schwergewichten – die sich lediglich eine vorläufige Atempause von einem Jahr verschafft haben. Die Spannungen werden nach der sorgfältig inszenierten Unterzeichnungszeremonie im März mit großer Wahrscheinlichkeit wieder aufflammen. Die Märkte sollten diese Phase des kalten Friedens genießen, solange sie anhält.

Von Raphaël Gallardo, Chefvolkswirt bei Carmignac

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