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Digitales Zentralbankgeld | Coronavirus-Pandemie macht Fed, EZB und Co. bei der Digitalisierung Beine

Die Coronavirus-Pandemie hat die Digitalisierung des Geldverkehrs beschleunigt. Kein Wunder, können kontaktlose Zahlungen und Online-Einkäufe doch zum Schutz der eigenen und der Gesundheit anderer beitragen. Mittlerweile schwenkt daher selbst der letzte Skeptiker lieber die Karte, als Banknoten zu entfalten und Wechselgeld entgegenzunehmen. DWS | 11.08.2020 13:06 Uhr
Stefanie Holtze-Jen, Chef-Währungsstrategin der DWS / © DWS
Stefanie Holtze-Jen, Chef-Währungsstrategin der DWS / © DWS

Bei Federal Reserve (Fed), Europäischer Zentralbank (EZB) und Co. hat die Coronavirus-Pandemie die Digitalisierung nicht nur beschleunigt, sondern gleich eine Kulturrevolution ausgelöst. Dabei geht es um die Einführung von digitalem Zentralbankgeld für alle, also auch private Haushalte und Unternehmen. Bislang war es ein Privileg der Geschäftsbanken, über digitale Guthaben bei den Zentralbanken untereinander Zahlungen abzuwickeln.

Verfallsdatum und Zweckbindung im Geld programmiert.

„Dass die Entwicklung ausgerechnet jetzt so stark vorangetrieben wird, erklärt sich durch die vielseitigen Vorteile, die digitales Zentralbankgeld für die Fiskal- und Geldpolitik zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie mit sich bringt“, sagt Stefanie Holtze-Jen, Chef-Währungsstrategin der DWS.

So können Regierungen die Mittel zur Beschleunigung der Wirtschaftserholung mit Hilfe digitalen Zentralbankgeldes den Bürgern und Unternehmen unmittelbar nach dem entsprechenden Beschluss zur Verfügung stellen. Darüber hinaus lassen sich die Gelder zur Erfüllung des gewünschten Zwecks programmieren. „Die Verfügbarkeit kann beispielsweise zeitlich begrenzt werden und es ließe sich auch festlegen, wo und wie die Mittel ausgegeben werden sollen“, sagt Holtze-Jen. So werde das Geld nicht gespart oder zur Tilgung von Schulden verwendet, wie es entgegen der Intentionen der Regierungen während der großen Finanzkrise der Fall gewesen sei.

Darüber hinaus erreichen die vom Staat bereitgestellten Mittel so auch jene Teile der Bevölkerung, die keine Bankverbindung unterhalten. „In den USA etwa gibt es den Vorschlag, für jeden Bürger eine ‚FedAccount‘ genannte digitale Geldbörse einzurichten, die auch über Postämter zugänglich wäre“, erklärt die Währungsexpertin.

Tief negative Leitzinsen ohne Blessuren für Banken

Die Zentralbanken würden nach Ansicht von Holtze-Jen ein wertvolles zusätzliches Instrument für die Geldpolitik erhalten. „Kreiert man nämlich verzinsliche digitale Zentralbankkonten, können auch tief negative Leitzinsen beschlossen werden. Denn wegen des direkten Managements durch die Zentralbanken würden negative Auswirkungen von Minuszinssätzen auf die Profitabilität der Geschäftsbanken gar nicht auftreten“, sagt sie.

Zudem können die Zentralbanken so in Echtzeit detaillierte und kontextbezogene Zahlungsmetadaten abrufen. Dies kann ihnen helfen, die Reaktion der Wirtschaft auf Schocks oder politische und geldpolitische Maßnahmen besser zu verstehen. Darüber hinaus lassen sich so genauere makroökonomische Prognosen treffen. In Krisenzeiten könnte sich digitales Zentralbankgeld nach Einschätzung der Chef-Währungsstrategin auch als Stabilitätsanker für das Finanzsystem insgesamt erweisen. „Würde es zu einem Vertrauensverlust und zu einem Ansturm auf die Geschäftsbanken kommen, könnten die Folgen durch sichere Zentralbankkonten gemildert werden“, sagt Holtze-Jen. Über den gleichen Mechanismus lasse sich auch eine größere Verbreitung lokaler Währungen als Zahlungsmittel erreichen, was vor allem für Länder von Bedeutung sei, in denen Dollar oder Euro als Parallelwährung genutzt würden.

Hegemonie des Dollars langfristig fraglich

Der Wert des digitalen Zentralbankgeldes würde nach Ansicht der Chef-Währungsstrategin zunächst jenem des korrespondierenden gedruckten Geldes entsprechen. „Wer bei der Einführung zeitlich die Nase vorn hat, kann aufgrund erhöhter Nutzung und Nachfrage aber Aufwärtspotential für die eigene Währung schaffen“, sagt sie. Langfristig werde so die Entwicklung eines multipolaren Reservewährungsregimes begünstigt, durch das die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werden könne.

Die eingangs erwähnten Skeptiker könnten sich unter Umständen nicht nur über das eine oder andere gesparte Händewaschen freuen, sondern womöglich auch über einen steigenden Goldpreis. „Denn beispielsweise die Zentralbanken von China und Russland erwägen, ihre digitalen Währungen zumindest teilweise mit Gold zu hinterlegen, was den Preis strukturell stützen könnte“, sagt Holtze-Jen.

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