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DWS Chart der Woche: Die Geldmenge steigt, aber nicht die Inflation

Rund um den Globus steigt die Geldmenge. Das sollte aber nicht zu steigender Inflation führen, zumindest auf kurze Sicht. DWS | 06.09.2020 09:45 Uhr
© Photo by Chiara Daneluzzi on Unsplash
© Photo by Chiara Daneluzzi on Unsplash

In den vergangenen Monaten ist so manche bis dahin kaum vorstellbare Entwicklung eingetreten. Wir wurden Zeuge eines beispiellosen Einbruchs der Wirtschaftstätigkeit, genauso beispiellos waren aber auch die Rettungspakete von Geld- wie Fiskalpolitik, um die Folgen der Rezession abzufedern. Angesichts der unter großem Druck entwickelten und implementierten Maßnahmen stellt sich natürlich die Frage, ob die hastig verabreichten Maßnahmen nicht irgendwelche unerwünschten Nebenwirkungen entwickeln könnte.

Ein monetärer Indikator, der seit Ausbruch der Krise eine bemerkenswerte Entwicklung zeigt, ist das Wachstum der Geldmenge. In den USA, in der Eurozone, im Vereinigten Königreich, in China, so gut wie überall, kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Geldmengenaggregate. Bei Monetaristen lässt diese Entwicklung natürlich die Alarmglocken läuten. Ist das ein Vorbote für einen ebenso sprunghaften Inflationsanstieg? Besteht gar ein Zusammenhang zwischen dem starken Geldmengenwachstum und den anziehenden Inflationserwartungen, wie man sie aus der Bewertung von inflationsindexierten Anleihen ablesen kann? 

Wie aus unserem "Chart der Woche" ersichtlich ist, kann ein aus theoretischen Modellen abgeleiteter Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum (M3) und Inflation auch in der Praxis nachgewiesen werden. Der aktuelle Geldmengenanstieg würde eine (Kern-)Inflationsrate von rund 1,5 Prozent nahelegen. Der statistische Zusammenhang ist aber alles andere als perfekt. 

Hauptverantwortlich für den aktuellen Anstieg der Geldmenge dürfte einerseits die Kassenhaltung der öffentlichen Hand sein, die den zu erwartenden Steuerausfall durch verstärkte frühzeitige Kreditaufnahme kompensiert hat. Auch der Unternehmenssektor hat sich noch reichlich mit Liquidität eingedeckt, nicht zuletzt mithilfe staatlich garantierter Kredite aus den Rettungsmaßnahmen. Aber auch die Emissionstätigkeit bei Unternehmensanleihen ist auf Rekordhöhen gestiegen.

Dem steht jedoch eine immer noch hoch fragile Wirtschaftslage gegenüber. Millionen von Arbeitnehmern befinden sich nach wie vor in Kurzarbeit. Angesichts der angespannten Lage am Arbeitsmarkt weltweit ist nicht mit aggressiven Lohnforderungen zu rechnen. Die schwache Nachfrage sowie die drastische Unterauslastung der Kapazitäten sprechen ebenfalls nicht für ein schnelles Anziehen der Inflationsraten. Die Senkung der Mehrwertsteuer hat in Deutschland die Inflationsrate sogar in den negativen Bereich abgleiten lassen. 

Insofern sehen wir aktuell keine großen Inflationsgefahren. Längerfristig sind jedoch Entwicklungen erkennbar, die uns in ein paar Jahren durchaus höhere Inflationsraten bescheren könnten. Das geht jedoch deutlich über den normalen zeitlichen Vorlauf der Geldmengenentwicklung hinaus.

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