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DWS Chart der Woche: Earth Day - 51 Jahre später leidet die Natur weiter

Anlässlich des Earth Day am Donnerstag gibt es für Anleger einiges zu überlegen. Viele Sektoren sind von der Natur abhängig. Die Pharmaindustrie hat besonders viel zu verlieren, wenn es nicht bald gelingt, den Rückgang an biologischer Vielfalt zu stoppen. DWS | 17.04.2021 13:28 Uhr
© Photo by Artem Beliaikin on Unsplash
© Photo by Artem Beliaikin on Unsplash

Der kommende Donnerstag markiert den Earth Day, der die Welt zum Schutz der Umwelt vereinen soll. Nicht, dass es viel zu feiern gäbe. Seit dem ersten „Tag der Erde“ 1970 haben die Bedrohungen für Land- und Meeresökosysteme sowie Artenpopulationen stark zugenommen. In den vergangenen 50 Jahren wurden beispielsweise 32 Prozent der Waldfläche der Welt zerstört, 85 Prozent der Feuchtgebiete sind verloren gegangen, 50 Prozent der Korallenriffsysteme der Welt sind verschwunden und es gab im Durchschnitt einen Rückgang von 60 Prozent an Wirbeltierarten.1] 

Dieser Grad an Verlust der biologischen Vielfalt gefährdet die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, und unsere Lebensmittelversorgung.2] Die direkten, jährlichen Kosten dürften nach Schätzungen drei Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen, wie unser „Chart der Woche“ zeigt. Nur militärische Konflikte und bewaffnete Gewalt belasten die Weltwirtschaft mit 9,1 Prozent des globalen BIP stärker.3] Die beiden sind verwandt, wie auch der von US-Präsident Biden veranstaltete Klimagipfel in der nächsten Woche zeigen dürfte. Laut einer Studie von Nature aus dem Jahr 2019 hat das Klima im letzten Jahrhundert zwischen 3 Prozent und 20 Prozent der bewaffneten Konflikte beeinflusst; dieser Anteil könnte in den kommenden Jahren zunehmen, selbst wenn es gelingt, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2° Celsius zu begrenzen.4]

Quelle: Business and Sustainable Development Commission; Stand: 01/2017

Glaubwürdige Schätzungen gehen davon aus, dass die indirekten Auswirkungen noch höher sein dürften. Mehr als die Hälfte des globalen BIP hängt von der Natur und den von ihr erbrachten Dienstleistungen ab, besonders in den Branchen Lebensmittel und Getränke, Landwirtschaft, Fischerei und Bauwesen.5] Auch die Pharmaindustrie ist stark von der Natur abhängig. Bis zu 50 Prozent der verschreibungspflichtigen Medikamente basieren auf einem Molekül, das in einer Pflanze natürlich vorkommt. Bei der Behandlung von Krebs sind 70 Prozent der Krebsmedikamente natürliche oder synthetische Produkte, die von der Natur inspiriert sind.6] Dazu kommt, dass nach Schätzungen bisher nur etwa 15 Prozent der geschätzten 300.000 Pflanzenarten auf der Welt auf ihr pharmakologisches Potenzial untersucht wurden.7] Die Arzneimittelforschung ist daher stark gefährdet, falls es nicht bald gelingt, den Zusammenbruch der Landökosysteme zu stoppen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem uns Wissenschaftler warnen, dass die Antibiotikaresistenzen zunehmen, von Pandemien mal ganz zu schweigen. 

1] WEF (January 2020). Nature risk rising: Why the crisis engulfing nature matters for business and the economy. https://www.weforum.org/reports/nature-risk-rising-why-the-crisis-engulfing-nature-matters-for-business-and-the-economy

2] DWS Chart of the Week (2 October 2020).Kann der Finanzsektor auch Biodiversität?

3] Business and Sustainable Development Commission (2017). Better Business, Better World

4] Nature (June 2019). Climate as a risk factor for armed conflict

5] WEF (January 2020). Nature risk rising: Why the crisis engulfing nature matters for business and the economy.

6] B. Hawkins, 2008, “Plants for life: Medicinal plant conservation and botanic gardens

7] R. Palhares et al., 2015, “Medicinal plants recommended by the World Health Organization: DNA barcode identification associated with chemical analyses guarantees their quality

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