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DWS Chart der Woche: Wir leben weiter über unseren Verhältnissen

Von Jahresbeginn an bis zum 29. Juli werden wir mehr nachwachsende Ressourcen verbraucht haben, als die Erde in einem Jahr zu bieten hat. Nachhaltig ist das natürlich nicht. DWS | 27.07.2021 11:11 Uhr
© Photo by Anthony DELANOIX on Unsplash
© Photo by Anthony DELANOIX on Unsplash

Der 29. Juli markiert den Earth Overshoot Day. An diesem Tag überschreitet der Verbrauch nachwachsender Ressourcen den Punkt, an dem die Erde diesen Bedarf binnen eines Jahres wieder reproduzieren kann. Ob Frischwasser, Wald oder Kohlendioxid, der absorbiert werden muss. In den frühen 1970er Jahren schlitterte der Planet in ein beunruhigendes Ungleichgewicht, als die jährliche Ressourcennachfrage des Menschen erstmals die jährliche Bereitstellungskapazität überschritt.1) Seitdem hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt2) und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sich vervierfacht.3) Es dauert nun weniger als acht Monate, bis der Mensch das verbraucht hat, was in einem Jahr regeneriert werden kann.

Zeugnis dieser steigenden Belastung ist die Beanspruchung unserer Böden und Meere. So wurde seit 1970 ein Drittel des weltweiten Mutterbodens degradiert und etwa ein Drittel der weltweiten Waldflächen4) vernichtet. Ein Drittel der Fischbestände sind überfischt5), die Bestände der Süßwasserfische sind seit 1970 um 84 Prozent6), und die aller Tierarten um 68 Prozent zurückgegangen. 

Nach Angaben des Stockholm Resilience Centre, das die „neun planetarischen Grenzen“7) beobachtet, werden viele von ihnen entweder erreicht oder sind bereits überschritten worden, wie zum Beispiel die Grenzen, die sich auf den Klimawandel, den Verlust der biologischen Vielfalt oder den Stickstoffkreislauf beziehen, der die Verschmutzung von Wasserwegen und Küstengebieten8) verursacht – siehe unser „Chart der Woche“.

Einige Unternehmen und Investoren versuchen, etwas gegen diese Entwicklung zu tun, zumindest auf dem Papier. So haben beispielsweise mehr als 60 Unternehmen den G7-Modepakt9) unterzeichnet, um mehr für den Stopp der globalen Erwärmung, die Wiederherstellung der Artenvielfalt und den Schutz der Ozeane zu tun. 57 institutionelle Investoren10) (verwaltetes Vermögen: 6,3 Billionen US-Dollar) haben die Sojaproduzenten und –händler aufgefordert, sich zu verpflichten, die Abholzung von Wäldern zu beenden. Darüber hinaus fordern 62 Vermögensverwalter (die fast 8 Billionen US-Dollar verwalten) die Palmölindustrie11) auf, Richtlinien zur Vermeidung von Abholzung, der Trockenlegung von Torfböden und von Ausbeutung umzusetzen.

Aber es muss noch mehr getan werden, wobei die Regierungen die Führung übernehmen. Als beispielsweise in den 1980er Jahren die gefährliche Dimension des Ozonschichtabbaus12) offensichtlich wurde, fanden die Regierungen schnell die Schuldigen und schränkten etwa den Einsatz vieler Fluorchlorkohlenwasserstoffe13) drastisch ein. Von den neun planetarischen Grenzen bewegt sich der Ozonabbau mittlerweile in unkritischen Regionen. Vielleicht hilft das dabei, die Hoffnung nicht aufzugeben, auch die anderen acht Grenzen wieder in den Griff zu bekommen.

1)  National Footprinting and Biocapacity Accounts 2021 Edition
2) United Nations World Population Prospects 2021
3) IWF WEO Database
4) Global Footprint Network (2021). Estimating the date of Earth Overshoot Day 2021
5) IPBES (2019). Global assessment report on biodiversity and ecosystem services
6) WWF (2020). Living planet report
7) Als planetare Grenzen (oder Belastungsgrenzen der Erde) werden (neun) ökologische Grenzen der Erde bezeichnet, deren Überschreitung die Stabilität des Ökosystems und die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet.
8) Stockholm Resilience Centre, Stockholm University, Steffen et al.
9) The Fashion Pact (2020) First steps to transform our industry
10) Ceres (März 2019)
11) PRI (April 2019). Investor expectations statement on sustainable palm oil
12) New York Times (October 1995). 3 win Nobel Prize for work on threat to ozone
13) UNEP FI website. The Montreal Protocol on substances that deplete the ozone layer

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