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Earth Overshoot Day | Shiitake statt Steak: Warum pflanzliche Proteinalternativen unumgänglich sind

DWS | 29.07.2021 11:00 Uhr
Tim Bachmann, Fondsmanager des DWS Invest ESG Climate Tech, DWS / © e-fundresearch.com / DWS
Tim Bachmann, Fondsmanager des DWS Invest ESG Climate Tech, DWS / © e-fundresearch.com / DWS

In diesem Jahr hat die Menschheit am 29. Juli bereits so viel an nachwachsenden Rohstoffen verbraucht, wie die Erde 2021 insgesamt reproduzieren kann. Damit liegt der so genannte Earth Overshoot Day (Erdüberlastungstag) in diesem Jahr fast einen Monat früher als 2020, als er auf den 22. August fiel. Diese Berechnung wird allerdings durch die Lockdown-Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie verzerrt. Welches Ausmaß der Raubbau an den natürlichen Grundlagen mittlerweile tatsächlich angenommen hat, zeigt aber der Blick noch weiter zurück: 2000 waren die nachwachsenden Ressourcen des gesamten Jahres erst am 22. September erschöpft.

Nach Berechnungen des World Wide Fund For Nature (WWF) ließe sich der Earth Overshoot Day jedoch um 17 Tage verschieben, würde die Menschheit den Fleischkonsum global um 50 Prozent reduzieren. „Aufgrund einer steigenden Weltbevölkerung und eines zunehmenden Wohlstands soll der Fleischkonsum bis 2050 aber weltweit noch einmal um 75 Prozent steigen. Nehmen wir Nachhaltigkeit ernst, müssen wir also schnell und entschlossen gegensteuern mit Proteinalternativen zu Geflügel, Schwein und Rind“, sagt Tim Bachmann, Fondsmanager des DWS Invest ESG Climate Tech. Mit seinem Fonds investiert er nicht nur in Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen den Klimawandel abmildern, sondern auch in Firmen, die zu einer Anpassung an die bereits heute eingetretenen Folgen des Treibhauseffekts beitragen. „In solche Adaptionsstrategien dürften jährlich zwischen 150 Milliarden bis 300 Milliarden Dollar fließen“, weiß der ESG-Experte.

Die Landwirtschaft gehört zu den fünf größten Emittenten von Treibhausgasen

Doch was macht den Fleischkonsum eigentlich so ressourcenhungrig? „Für die Viehzucht müssen enorme Mengen von Soja und Mais als Futtermittel von den Anbauflächen vor allem in Lateinamerika per Seefracht an Großabnehmer wie China und die USA verschifft werden. Durch den übermäßigen Einsatz von Düngemitteln übersäuern die Böden bei den Futtermittelerzeugern, was langfristig die Verfügbarkeit von fruchtbarem Land reduziert“, sagt Bachmann.

Darüber hinaus sind Tiere oftmals sehr schlechte Futterverwerter. Zur Gewinnung von 500 Gramm Rindfleisch beispielsweise ist der Einsatz von drei Kilogramm Futter notwendig. Bei Fisch liegt die Relation hingegen bei eins. Doch durch die „ineffiziente“ Verdauung der Tiere gehen nicht nur Ernteerträge verloren, sondern es entstehen auch große Mengen an Emissionen. So stößt eine Milchkuh täglich etwa 235 Liter Methan aus, was der Füllung von rund eineinhalb Badewannen entspricht. Weltweit stehen Nutztiere derzeit für etwa ein Viertel aller Methanemissionen.

Durch Nahrungszusätze lässt sich die Verwertung mittlerweile zwar verbessern, doch selbst dann bleibt die Gewinnung tierischer Proteine ineffizient. So werden jährlich weltweit geschätzt 60 bis 70 Milliarden Tiere geschlachtet, doch 40 bis 50 Prozent dieser Menge wandern in Form von Knochen und Sehnen in den Müll. Und was nicht weggeworfen wird, ist verderblich und muss ununterbrochen kühl transportiert und gelagert werden. Unter dem Strich gehört die Landwirtschaft damit zu den fünf größten Emittenten von Treibhausgasen weltweit. „Vor diesen Hintergründen wird klar, dass der global steigende Bedarf an proteinhaltigen Lebensmitteln langfristig nicht aus tierischen Quellen gedeckt werden kann. Vielmehr brauchen wir pflanzliche Alternativen“, so der Fondsmanager.

Für besonders attraktiv hält Bachmann die Produktion von Speisepilzen als Proteinersatz. Dabei denkt er nicht nur an heimische Arten wie Champignons und Pfifferlinge, sondern auch an Shiitake, Maitake und Eringi aus Japan. Diese Speisepilze sind seiner Ansicht nach nicht nur hochwertige Nahrungsmittel, sondern auch sehr wirtschaftlich zu züchten und zu vertreiben: So sind beispielsweise für den Herstellungs- und Kühlprozess von 100 Gramm Speisepilzen gerade einmal 0,2 Kilowattstunden an Energie nötig, bei 100 Gramm Fleisch sind es sieben Kilowattstunden.

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