DWS ESG Perspectives: Russlands Krieg - Bedeutung für nachhaltiges Investieren

DWS | 08.07.2022 12:15 Uhr
Michael Lewis, Head of ESG Research der DWSMichael Lewis, Head of ESG Research der DWS / © e-fundresearch.com / DWS
Michael Lewis, Head of ESG Research der DWSMichael Lewis, Head of ESG Research der DWS / © e-fundresearch.com / DWS

Putins Krieg gegen die Ukraine hat die Themen "S" und "G" in den Fokus der Anleger gerückt. Aus sozialer Sicht verstößt die Invasion gegen internationales Recht und stellt eine Verletzung der Menschenrechte dar. Unter dem „Governance“ Gesichtspunkt offenbart sie, was schon seit einiger Zeit bekannt ist, nämlich die engen Verbindungen zwischen dem so genannten privaten und dem öffentlichen Sektor Russlands. Damit gehen Risiken zum Beispiel im Hinblick auf die Erleichterung von Korruption und die Förderung von ‚Vetternwirtschaft‘ einher.

Der Krieg hat dazu geführt, dass Investoren nicht nur die Geschäftstätigkeit der Unternehmen, in die sie investieren, berücksichtigen müssen, sondern auch die Frage, ob diese Unternehmen mit dem Staat und seinen Vertretern in Verbindung stehen oder nicht. Dies gilt insbesondere für solche, die in autokratischen Regimen tätig sind. Wir gehen davon aus, dass dies einen Sinneswandel bei Anlegern auslösen wird. Das Prinzip "im Zweifel für den Angeklagten" oder "Wegschauen" würde demnach durch eine genauere Prüfung der Auswirkungen von Investitionen auf soziale und „Governance“ Belange ersetzt werden.

Wir haben bereits gesehen, dass westliche Firmen Maßnahmen ergriffen haben, um ihre Beteiligung an russischen Unternehmen zu beenden. Dies stellt die von Milton Friedman in den frühen 1970er Jahren aufgestellte Theorie des ‚Vorrangs der Aktionäre‘ in Frage, wonach die einzige Aufgabe von Unternehmen in der Gewinnmaximierung besteht. Vielmehr werden Unternehmen zunehmend die „Governance“ und die sozialen Komponenten der Länder berücksichtigen, in denen sie tätig sind und mit denen sie Geschäfte machen.

Für nachhaltige Investitionen bedeutet Putins Krieg eine Verschiebung in der Bewertung von „Social“ und „Governance“ Faktoren mit klaren finanziellen Auswirkungen auf Staaten und Unternehmen. Nachhaltigkeitsbewusste Investoren können hierdurch mobilisiert werden offene und demokratische Gesellschaften zu unterstützen, die in der Regel ein geringeres Maß an Korruption und bessere Arbeitsbedingungen aufweisen.

Die Entwicklung von Staatsanleihefonds, die sich auf die SDGs konzentrieren, könnte dazu führen, dass Investoren eine aktivere Rolle bei der Förderung friedlicher Gesellschaften und dem Aufbau starker Institutionen spielen (SDG 16 - Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen). Investoren in Staatsanleihen könnten sich dann bei Finanzministerien stärker dafür einsetzen, dass diese nationale SDG-Strategien unterstützen.

Unser Fazit Aufgrund der Ereignisse in der Ukraine gewinnen Nachhaltigkeitsfaktoren noch mehr an Bedeutung. Die westliche Welt hat die Chance, Investitionen in Projekte für erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu beschleunigen und sich von russischen – und möglicherweise weiteren – Importen fossiler Brennstoffe unabhängig zu machen. Angesichts der Abhängigkeit der russischen Wirtschaft vom Sektor der fossilen Brennstoffe wird dies erhebliche wirtschaftliche und politische Auswirkungen haben und kann sich auf die von Russland ausgehende externe Bedrohung auswirken.

Auch die Definition für nachhaltige Investitionen wird sich weiterentwickeln. Die gestrige Entscheidung des Europäischen Parlaments, Kernenergie und Erdgas als grüne Energien einzustufen, zeigt den politischen Charakter von Nachhaltigkeitstaxonomien. Energieunabhängigkeit steht in Europa ganz oben auf der politischen Agenda. Auch Investitionen in Teile der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie könnten in zukünftigen Richtlinien zur Nachhaltigkeit akzeptabel werden.

Michael Lewis, Head of ESG Research der DWS

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