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AB-Chefökonom Williams: Coronavirus stellt Finanzkrise 2008 in den Schatten

Die Coronavirus-Krise stellt die große Finanzkrise im Jahr 2008 in den Schatten: „Wir haben unsere globale Wachstumsprognose von 2,2 Prozent im letzten Monat auf -0,7 Prozent gesenkt“, sagt Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB). Und selbst das könnte sich als zu optimistisch erweisen. Denn: „Bei unserem Szenario sind wir davon ausgegangen, dass die Einschränkungen einige Wochen dauern. Sollten die strengen Regelungen weltweit länger aufrechterhalten werden, könnte das Wachstum noch weitaus geringer ausfallen, als bislang angenommen.“ AllianceBernstein | 14.04.2020 11:33 Uhr
Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB) / © AllianceBernstein
Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB) / © AllianceBernstein

Nach Williams‘ Ansicht werden die Volkswirtschaften der USA und der Eurozone um 1,5 beziehungsweise 3,5 Prozent schrumpfen. „Die monatliche Veränderung der Geschäftserwartungen in Deutschland war im März die größte, die jemals verzeichnet wurde. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) befindet sich gegenwärtig auf dem niedrigsten Stand in seiner 60-jährigen Geschichte“, betont der Experte. Für die Eurozone fiel der Index auf ein neues Rekordtief von 29,7 – und damit unter den Wert von 36,2, der während der globalen Finanzkrise registriert wurde.

Eine mögliche Erholung nach Aufhebung der Einschränkungen sieht Williams vor allem in den USA gefährdet – trotz rascher und umfangreicher Regierungsmaßnahmen: „Auch wenn die US-Wirtschaft die frühere Trendwachstumsrate von etwa 2 Prozent pro Jahr wieder erreichen könnte, glauben wir dennoch, dass es zu einem dauerhaften Aktivitätsverlust kommen wird“, so der Chefökonom. Die Krise werde Wunden in der Wirtschaft hinterlassen, die wahrscheinlich nicht vollständig heilen werden.

Die Situation in China beurteilt der Chefvolkswirt dagegen durchaus optimistisch. Die Daten für März seien ermutigender, da 90 Prozent der Großunternehmen ihre Geschäftstätigkeit wieder aufnähmen, und auch der Einzelhandel und Fabriken in Hubei kämen wieder in Gang. „Grund dafür sind die politischen Bemühungen Chinas seit Beginn des Ausbruchs, die Wirtschaft zu unterstützen“, betont Williams. Die Behörden haben 834 Milliarden US-Dollar an geld- und fiskalpolitischen Anreizen und Steuersenkungen bereitgestellt, weitere Staatsausgaben angekündigt und werden mehr spezielle Staatsanleihen zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen ausgeben. „Wir erwarten eine Ankündigung weiterer Konjunkturmaßnahmen im April und halten auch eine Lockerung der Regeln auf dem Immobilienmarkt für unvermeidlich“, so Williams.

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