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Schwellenländeraktien jenseits der Pandemie

In den Schwellenländern sind einige Branchen und Länder in besserer Verfassung als andere. Viele Unternehmen könnten von strukturellen Veränderungen profitieren. AllianceBernstein | 24.07.2020 11:30 Uhr
© Photo by Tan Kaninthanond on Unsplash
© Photo by Tan Kaninthanond on Unsplash

Aktien aus Schwellenländern haben es in der COVID-19-Krise schwer, aber nicht alle Branchen – oder Länder – sind gleichmäßig betroffen. Und viele Unternehmen verfügen über die richtigen Qualitäten, um jetzt und lange nachdem sich die lokalen Bedingungen verbessert haben, von strukturellen Veränderungen zu profitieren.

Seit Beginn der COVID-19-Krise haben die Flucht der Anleger in Sicherheitswerte und ein starker US-Dollar die Aktien der Schwellenländer (Emerging Markets, EM) in Mitleidenschaft gezogen. Doch nachdem der MSCI Emerging Markets Index im Juni wieder etwas Boden gutgemacht hatte, fiel er per 15. Juli in US-Dollar gerechnet um nur 3 % seit Jahresbeginn, was in etwa der Performance der entwickelten Märkte entspricht. Von Taiwan bis Polen haben einige Schwellenländer bei der Kontrolle der Ausbreitung der Pandemie und der Verhinderung von Todesfällen sogar besser als einige Industrieländer abgeschnitten. Während die Bekämpfung des Virus Veränderungen im Verbraucher- und Unternehmensverhalten nach sich zieht, eröffnen sich Anlagechancenfelder in den Schwellenländern, die wahrscheinlich weit über die Pandemie hinaus Bestand haben werden.

Virusbekämpfungserfolge unterscheiden sich von Land zu Land

Neun der zehn Länder mit den meisten neuen Coronavirus-Fällen befinden sich in Schwellenländern (die USA sind das einzige entwickelte Land der zehn Länder). Einige der größten südasiatischen Länder, darunter Indien, die Philippinen und Indonesien, haben immer noch Mühe, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen. In Lateinamerika verzeichnen Länder wie Brasilien, Mexiko, Chile und Peru nach wie vor ein rasches Wachstum der Neuinfektionen.

Aber die drei EM-Länder, die bei der Eindämmung am wirksamsten sind – China, Taiwan und Südkorea – machen mehr als 60 % der EM-Benchmark aus. Sie und andere aufstrebende Schwellenländer wie Malaysia und Thailand haben die Zahl der Fälle auf bemerkenswerte Weise auf weniger als 10 % ihrer jeweiligen Spitzenwerte reduziert (Abbildung).

Wenn dieser Erfolg anhält, können diese Länder den Weg zurück zur Normalität einschlagen und früher als die USA die Konjunktur wieder in Schwung bringen. Und solche Länder können ein günstiger Boden sein, um auf der Grundlage von fundamentalem Research und Risiko-Ertragsanalysen für einzelne Unternehmen die Gewinner der Schwellenländer zu finden.

Pandemie beschleunigt den Wandel

Während mehr als eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt die neue Norm von Heimarbeit, -bildung und -unterhaltung annehmen, schaffen veränderte Konsumgewohnheiten neue Anlagemöglichkeiten in den Schwellenländern. Die Pandemie beschleunigt beispielsweise in vielen EM-Ländern den Einsatz von Technologie in vielen Bereichen.

Online-Spiele sind ein weiterer Bereich, der aufgrund der Pandemie schneller wächst. Zu Hause zu bleiben bedeutet auch, zu Hause zu spielen und selbst Gelegenheitsspieler auf eine Art und Weise in die Gesellschaft einzubinden, die ihr Freizeitverhalten in den kommenden Jahren beeinflussen könnte. Die Herausgeber von Online-Spielen aus den Schwellenländern profitieren vom Rückenwind einer schnell wachsenden Nutzerbasis. Der E-Commerce ist ebenfalls eine Kraft des Wandels in Emerging Markets; allein in China sind die Online-Verkäufe von Lebensmitteln in den Monaten nach Ausbruch der Epidemie um mehr als 100 % gestiegen.

Ausgewählten Cloud-Anbietern und Rechenzentren hilft auch der dringende Bedarf vieler Unternehmen – deren Belegschaften fast ausschließlich aus der Ferne arbeiten –, die Abläufe zu digitalisieren und Heimarbeit zu ermöglichen. Die „Stay at home“-Welle treibt auch den Datenverbrauch und die Nachfrage nach Serverkapazität und damit auch nach Prozessoren und Speicherchips an, von denen viele von EM-Unternehmen hergestellt werden.

Chancen nicht nur im Technologiesektor

Neben der Technologie schaffen veränderte Verbrauchergewohnheiten, die wahrscheinlich noch lange nach COVID-19 fortbestehen werden, Chancen in anderen Branchen. Reinigungsdienste und Körperpflegeprodukte sind zwei unterschiedliche Bereiche, die ein rasches Wachstum verzeichnen. Zum Beispiel sind Unternehmen, die sich auf die Beseitigung medizinischer Abfälle spezialisiert haben, gut positioniert, um die steigende Nachfrage von überlasteten Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen zu befriedigen. In ähnlicher Weise profitieren EM-basierte Hersteller von Körperpflegeprodukten sowie Anbieter von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Bis zum Ausbruch der Pandemie war eine Persönliche Schutzausrüstung in den EM-Ländern nicht weitverbreitet, aber jetzt bemühen sich Gesundheitsdienstleister und Verbraucher gleichermaßen um die Verbesserung der Hygienestandards. Da die Krankheit dazu neigt, unerwartet wieder aufzutauchen, wird die starke Nachfrage nach diesen Produkten wahrscheinlich nicht so bald nachlassen.

Opportunitäten außerhalb Asiens sind solide, aber seltener

Einige asiatische Länder, die früh von der Pandemie betroffen waren, gehörten zu den ersten, die die Wende geschafft haben. Doch die Fortschritte in anderen Regionen sind uneinheitlich. Stockpicker müssen deshalb vorsichtig vorgehen, wenn sie die Anfälligkeit oder das Wachstumspotenzial eines Unternehmens auf der Grundlage lokaler Wirtschaftsfaktoren bewerten, einschließlich der Art und Weise, wie sie mit der Pandemie umgehen.

Russlands Wirtschaft etwa hat mit einem Doppelschlag durch die Pandemie und den Einbruch der Ölpreise zu kämpfen. Ausgewählte russische Unternehmen könnten jedoch unserer Ansicht nach davon profitieren, falls sich der Ölpreis wieder erholt und der gedrückte US-Dollar an Boden gewinnt. In Brasilien erweist sich die Pandemie als unkontrollierbar, und der Markt des Landes ist bis zum 30. Juni um fast 40 % gesunken, auf US-Dollar-Basis. Doch einige brasilianische Unternehmen überstehen die Krise mit den ihnen innewohnenden Stärken. Unternehmen mit starken Bilanzen und Cashflow zum Beispiel werden unserer Meinung nach besser abschneiden als ihre Konkurrenten und von der größeren Verfügbarkeit von Finanzhilfen profitieren, die durch konjunkturelle Impulse ausgelöst werden. Die Pandemie könnte auch zu einer Konsolidierung innerhalb der Schlüsselindustrien führen, was dazu führen könnte, dass starke Unternehmen – die derzeit zu gedrückten Bewertungen gehandelt werden – noch stärker aus der Krise hervorgehen.

Obwohl die Erfahrung jedes Landes einzigartig ist, befinden sich viele Schwellenländer jetzt in einem gewissen Erholungsmodus. Wenn die Länder die Wende schaffen, werden die Wachstumschancen sichtbarer werden. Selbst inmitten der aktuellen Herausforderungen sind wir der Meinung, dass ausgewählte EM-Unternehmen, die von langfristigen Trends profitieren, heute Anlagechancen bieten und das Potenzial haben, für geduldige Anleger Ergebnisse zu erzielen.

Laurent Saltiel ist Chief Investment Officer für Emerging Markets Growth bei AllianceBernstein (AB).

Sergey Davalchenko ist Portfoliomanager für Emerging Markets Growth bei AllianceBernstein (AB).

Naveen Jayasundaram ist Researchanalyst für Emerging Markets Growth bei AllianceBernstein (AB).

In diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Analysen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar, spiegeln nicht unbedingt die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider und können von Zeit zu Zeit überarbeitet werden.

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