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AllianceBernstein-Chefvolkswirt: Warum der Einkaufsmanagerindex aktuell keinen guten Indikator darstellt

Für die USA dürfte die schwere Zeit noch kommen, für die Eurozone ist der Ausblick dagegen recht ermutigend – trotz des rückläufigen Einkaufsmanagerindex. „Man sollte im gegenwärtigen Umfeld nicht zu viel in den Index hineininterpretieren“, sagt Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB). Was der Chefökonom für die Märkte erwartet und welche politischen Ereignisse Investoren noch lange beunruhigen könnten, lesen Sie hier: AllianceBernstein | 10.09.2020 08:23 Uhr
Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB) / © Allliance Bernstein (AB)
Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB) / © Allliance Bernstein (AB)

„Unser globaler Ausblick bleibt weitestgehend unverändert und die globale Wirtschaft dürfte in diesem Jahr unserer Erwartung nach um 4,8 Prozent schrumpfen. Ein Blick auf die einzelnen Regionen zeigt aber: Die verschiedenen Volkswirtschaften driften in ihrer Entwicklung auseinander.

Zwar expandiert die US-Wirtschaft weiter, doch wir denken, dass der Weg zur Erholung in Zukunft steiniger wird: Erstens ist der Arbeitsmarkt nach wie vor schwach und das Einkommen der Haushalte, die sich bisher mit staatlicher Unterstützung über Wasser gehalten haben, wird wegbrechen. Wenn Einkommen sinken, dürfte sich auch der Konsum verlangsamen. Zweitens steigt das Risiko, dass der wirtschaftliche Schaden dauerhaft wird, je länger die Wirtschaftsschwäche anhält. Viele Arbeitnehmer werden ihre frühere Beschäftigung wieder aufnehmen; wenn jedoch mit der Zeit immer mehr Unternehmen Konkurs anmelden, wird es keine Arbeitsplätze geben, zu denen Angestellte zurückkehren können. Eine gute Politik hat den Aufprall bisher gemildert, aber der Wahlkampf erschwert die Fortsetzung dieser Bemühungen. Die Untätigkeit, die so entsteht, wird das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens noch vergrößern – und ihn dauerhaft machen.

Europa besser als erwartet

In der Eurozone sieht die Lage etwas besser aus – auch wenn die erneuten Fallzahlen von Covid-19-Erkrankungen in Ländern wie Spanien Grund zur Sorge geben. Zwar ließ der Rückgang des Einkaufsmanagerindex (PMI) im August Zweifel an der Erholung aufkommen; wir warnen jedoch davor, im gegenwärtigen Umfeld zu viel in den Index zu interpretieren. Bei PMI-Umfragen bewerten die Teilnehmer das Niveau bestimmter Variablen im Vergleich zum Vormonat – daraus ergibt sich die Botschaft, dass sich das Tempo der Erholung eher verlangsamt hat. Umfragen, die sich stärker auf die Aktivität beziehen, wie etwa der Indikator der wirtschaftlichen Einschätzung (ESI), zeichnen dagegen ein Bild einer Wirtschaft, die sich weiterhin auf dem Weg der Erholung befindet, deren Produktionsniveau aber immer noch deutlich unter dem Niveau von vor der Krise liegt.

Chinas Motor brummt 

Positiv überraschte China: Dort zeigte sich nicht nur eine Beschleunigung bei den Stadtsanierungsprojekten, die eine wichtige Stütze für die chinesische Wirtschaft bilden und die Nachfrage nach Stahl, Zement und Baumaschinen fördern. Auch die Industrieprofite erhöhten sich bedeutend von 11,5 Prozent im Juni auf 19,6 Prozent im Juli. Die wirtschaftliche Erholung ist fest auf Kurs – und als ‚first in and first out‘ im Hinblick auf die Covid-19-Pandemie benötigt China zum jetzigen Zeitpunkt keine zusätzlichen Lockerungen. Hinzu kommt: 2021 markiert nicht nur den 100. Jahrestag der Kommunistischen Partei, sondern auch den Beginn des vierzehnten Fünfjahresplans Chinas mit großen, strategisch wichtigen Infrastrukturprojekten, die der Finanzierung bedürfen. Aus diesem Grund dürfte China im nächsten Jahr keine aggressive Lockerung seiner Politik benötigen, es sei denn, die Risiken für seine wirtschaftliche, politische und soziale Stabilität nehmen zu.“

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