Was bedeutet ein höheres US-Dollar-Risiko für Anleger?

Fiskalischer Druck, geopolitische Entwicklungen und eine volatile Politik haben dazu geführt, dass das Bild des US-Dollars als sicherer Hafen Risse bekommt. Auch wenn man sich vermutlich nur langsam von ihm abwenden wird, so ergeben sich daraus doch Risiken für Portfolios. AllianceBernstein | 31.10.2025 15:00 Uhr
Inigo Fraser Jenkins, Investment Strategist bei AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein
Inigo Fraser Jenkins, Investment Strategist bei AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein

Es wird viel darüber diskutiert, ob die jüngste Talfahrt der US-Währung anhalten wird, und ihr Status als sicherer Hafen wird in Frage gestellt. Das Dollar-Risiko ist gestiegen — aus Sorge über die fiskalische Tragfähigkeit sowie über geo- und innenpolitische Entscheidungen.

  • Zwar sind bislang noch keine Anzeichen dafür erkennbar, dass Anleger Geld aus Dollar-Anlagen abziehen, in den nächsten Jahren rechnen wir aber mit einer Verlagerung hin zu anderen Vermögenswerten.
  • Anleger, die sich weiter an den bisher geltenden Faustregeln für den Dollar orientieren, könnten sich mit einem höheren Währungsrisiko konfrontiert sehen, als ihnen lieb ist. Wir halten es daher für sinnvoll, Engagements in US-Dollar zu hinterfragen.
  • Generell sind wir der Meinung, dass Nicht-US-Anleger ihre Dollar-Engagements stärker als bisher absichern sollten, wobei der Absicherungsansatz jeweils individuell auf den einzelnen Anleger abgestimmt sein sollte.

Korrelation zwischen Dollar und Anleihenrenditen wandelt sich

Seit die USA Anfang April hohe Zölle verhängt haben, hat sich die Korrelation zwischen dem Wert des US-Dollars und den Renditen von US-Anleihen verändert.

An Tagen, an denen der Dollar sinkt, steigen die US-Anleihenrenditen (Abbildung). Darin äußern sich unseres Erachtens Zweifel der Anleger an der traditionellen Rolle des Dollars als sicherer Hafen.

Die Korrelationen mit Gold, Silber und Bitcoin sind ebenfalls gestiegen — sogar ohne höhere Inflationserwartungen. Das legt nahe, dass Anleger diese Vermögenswerte als potenzielle Alternativen zu staatlich gestützten Währungen nachfragen, während die Debatte über den Status und das Risiko des Dollars weitergeht.

Warum sorgen sich Anleger um den US-Dollar?

Für Anleger außerhalb der USA reichen die Dollar-Risiken von steigenden fiskalischen Belastungen bis hin zur Suche konkurrierender Länder nach Alternativen zu der weit verbreiteten US-Währung.

Die USA bieten Anlegern große und liquide Kapitalmärkte mit vielfältigen Möglichkeiten. Doch ihr Vertrauen in den Dollar — und in auf Dollar lautende Vermögenswerte — wird durch die Unsicherheit über die künftigen politischen Entscheidungen des Landes erschüttert.

Was den Dollar unmittelbar belastet, ist die Sorge über die fiskalische Tragfähigkeit. Das „One Big Beautiful Bill”-Gesetz könnte laut Schätzung des Congressional Budget Office die Nettoverschuldung der USA in den nächsten zehn Jahren um etwa 3,3 Billionen US-Dollar in die Höhe treiben. Zwar liegt die Schuldenlast in vielen wichtigen Ländern am oberen Ende der seit dem zweiten Weltkrieg vorherrschenden Spanne, die USA stehen aber vor einer zusätzlichen Herausforderung: Die jährlichen Kosten für den Schuldendienst übersteigen mittlerweile das Verteidigungsbudget. Daher wird es kritisch, wenn die langfristigen Zinsen steigen.

Der zweite Sorgenpunkt betrifft die Möglichkeit, dass die US-Gesetzgeber ausländischen Anlegern, die US-Vermögenswerte halten, ungünstige Bedingungen auferlegen könnten. Denkbar wäre, dass US-Schuldtitel in deutlich länger laufende Papiere umgewandelt werden, oder dass vielleicht eine Servicegebühr auf Anleihenkupons erhoben wird. Die Möglichkeit einer Regeländerung für ausländische Investoren birgt Risiken.

Der dritte Unsicherheitsfaktor ist die Geopolitik. Die Konkurrenten der USA, insbesondere Russland und China, sehen sich veranlasst, Zahlungssysteme außerhalb der Reichweite der USA zu etablieren. Betrachtet man die aktuelle geopolitische Lage als einen neuen Kalten Krieg zwischen den USA und China, so ergibt sich daraus ein zusätzlicher Anreiz für die konkurrierenden Staaten, Alternativen zum US-Dollar zu finden.

Viel Lärm um nichts? Status quo der Kapitalbewegungen

Es wird viel über eine Massenflucht aus US-Anlagen gemutmaßt, doch die Kapitalströme bei Investmentfonds lassen keine Anzeichen für Verkäufe erkennen.

Unserer Meinung nach sollten Anleger auch die Ausnahmestellung des amerikanischen Wachstums als Argument für US-Aktien ins Kalkül ziehen. Trotz aller Turbulenzen sind in diesem Jahr bislang keine Nettoabflüsse aus US-Anlagen zu beobachten. Vermutlich wird ein gewisser Kapitalabzug aus US-Anleihen stattfinden, aber bislang überwiegt der Liquiditätsbedarf.

Für eine strategische Umschichtung weg von US-Anleihen müssen Anleger ihr Regelwerk anpassen und eine geringere Liquidität in Kauf nehmen – und das könnte schwierig werden. Es gibt allerdings Anzeichen dafür, dass Nicht-US-Anleger ihre Dollar-Engagements stärker absichern.

Ist der US-Dollar immer noch die Weltreservewährung?

Ein allmählicher Abfluss aus dem Dollar in andere Vermögenswerte scheint am wahrscheinlichsten, da es keine ernsthafte Alternative zum Dollar als Reservewährung gibt.

China wird seine Währung vermutlich nicht konvertierbar machen, und Gold ist nicht ausreichend präsent, um den Dollar zu ersetzen. Eine Fragmentierung der Zahlungssysteme, einschließlich digitaler Währungen der Zentralbanken und privater digitaler Währungen, könnte zu einer Gefahr werden, auch wenn einer Einführung auf breiterer Basis Hindernisse im Wege stehen.

Wir erkennen derzeit keine echte Alternative zum US-Dollar als Reservewährung, rechnen aber mit einer allmählichen Abwertung. Bedeutsamer sind allerdings das gestiegene Dollar-Risiko und die entsprechenden Folgen für Nicht-US-Anleger mit Dollar-basierten Investments.

Wir sehen keine echte Alternative zum Dollar als Reservewährung, erwarten aber, dass er sich im Laufe der Zeit abschwächen wird.

Währungsabsicherung: Die Optionen

Die globalen Aktienmärkte sind überwiegend US-Dollar-basiert, sodass sich Anleger mit der Frage nach einer Absicherung konfrontiert sehen.

Einige Anleger sichern ihr Währungsrisiko nicht ab – entweder weil sie sich des Risikos nicht bewusst sind oder weil sie eine starke Präferenz für ihr Heimatland haben und daher nur einem geringen Währungsrisiko ausgesetzt sind. Eine vollständige Absicherung ist üblich bei Investmentfonds, die auf eine einzige Währung ausgerichtet sind, sowie bei Anlegern, die vermeiden möchten, dass Währungsbewegungen die Erträge übermäßig stark beeinflussen (Abbildung).

Andere Investoren, häufig kleinere Vermögensberater und bestimmte Institutionen, sichern nur risikoärmere Anlagen wie Anleihen und Absolute-Return-Strategien ab. Versierte Institutionen und Vermögensverwalter sichern möglicherweise bestimmte Vermögenswerte auf der Grundlage ihrer Volatilität ab.

Natürlich sollten Anleger bei der Entscheidung über eine Währungsabsicherung ihre individuelle Situation berücksichtigen.

Fazit

Der US-Dollar sieht sich zweifellos mit größeren Risiken konfrontiert, und wir erwarten einen allmählichen Abfluss aus der Weltreservewährung in andere Vermögenswerte. Generell sind wir der Auffassung, dass alle Anleger bei ihren Portfolioallokationen eine Reduzierung des Dollar-Engagements in Betracht ziehen sollten.

Von Inigo Fraser Jenkins, Investment Strategist und David Hutchins, FIA, Portfolio Manager–Multi-Asset Solutions bei AllianceBernstein

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