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CFA Institute Studie: Nur ein Viertel der Anleger vertraut der Finanzbranche

Die Finanzbranche leidet in Deutschland noch immer unter einem angekratzten Ruf. Laut einer neuen Studie des CFA Institute stuft nur jeder vierte Privatanleger (28 Prozent) sein Vertrauen in die Finanzindustrie als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein. CFA Society Germany | 29.04.2020 08:40 Uhr
© Photo by Sebastian Herrmann on Unsplash
© Photo by Sebastian Herrmann on Unsplash

Zwar entspricht dies einer Verbesserung um vier Prozentpunkte gegenüber der Vorgängerbefragung aus dem Jahr 2018 – auf einem niedrigeren Niveau rangieren jedoch nur Australien und Japan. Dies sind die Ergebnisse der aktuellen Anlegerstudie Earning Investors’ Trust des CFA Institute. Für die Studie wurden weltweit 4.446 Anleger in 15 Ländern befragt, davon 3.525 Privatanleger (Deutschland: 250) und 921 institutionelle Investoren (Deutschland: 75). Die Ergebnisse wurden heute weltweit vorgestellt.

Deutsche Anleger kritisch
Deutsche Privatanleger gehören im internationalen Vergleich zu den kritischsten: Aus der Studie gehen die Deutschen (28 Prozent) neben den Australiern (24 Prozent) und Japanern (27 Prozent) mit den geringsten Vertrauenswerten in die Finanzindustrie hervor. Im globalen Durchschnitt liegt der Wert bei 46 Prozent. Im Branchenvergleich schneiden bei den deutschen Umfrageteilnehmern nur der Automobilsektor (24 Prozent) und die Medienbranche (25 Prozent) schlechter ab. 

Skepsis gegenüber Beratern
Nur drei von zehn deutschen Privatanlegern (34 Prozent) halten ihre Anlageberater für imstande, ein Portfolio in besonders herausfordernden Marktphasen und Krisen erfolgreich zu managen. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem internationalen Durchschnitt (49 Prozent). Insgesamt wird der Anlageberatung hierzulande mehr Skepsis entgegengebracht, als in anderen Ländern: Während weltweit jeder dritte Kunde (33 Prozent) den Finanzberater als wichtigste Quelle für Investmententscheidungen nennt, sind es in Deutschland nur 17 Prozent.

Gebühren und Kundenprioritäten
Nur jeder zehnte deutsche Privatkunde (9 Prozent) glaubt, dass Anlegerinteressen in der Finanzberatung stets an oberster Stelle stehen. Im internationalen Schnitt ist dieses Grundvertrauen mit 35 Prozent signifikant höher. „Die Anlageberatung wird in Deutschland leider noch immer stark mit Provisionssystemen und reinen Selbstzweck-Produkten assoziiert“, kommentiert Susan Spinner, CFA, Geschäftsführender Vorstand der CFA Society Germany. 

Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass diese kulturelle Sensibilität auch beim Thema Gebühren zu berücksichtigen ist. Dass ihre Berater bei Honoraren und Entgelten vollumfänglich transparent sind, dies bejahen nur 41 Prozent der deutschen Privatanleger (weltweit: 50 Prozent), ein Rückgang um 16 Prozentpunkte gegenüber der letzten Untersuchung. Die Offenlegung von Interessenkonflikten fällt ebenfalls in diese Kategorie. „Das Thema Preistransparenz und Kosten hat zuletzt auch durch neue Anbieter im Markt, etwa FinTechs, Robo-Advisors oder ETFs, weiter an Aufmerksamkeit gewonnen“, so Spinner.

Ausblick: Vertrauen zurückgewinnen
Die Ergebnisse der Studie deuten sowohl in Deutschland als auch weltweit auf ein höheres Misstrauen unter Privatanlegern als bei institutionellen Investoren hin. „Um diese Kluft zu überwinden, bedarf es einerseits guter, breiter Finanzbildung. Zudem müssen Anlageberater verlässlich ausweisen, dass sie sich zu professionellen Standards und ethischen Regeln bekennen“, bemerkt Susan Spinner. 

Initiativen zur beruflichen Weiterbildung verfolgen in Deutschland weithin einen hohen Qualitätsanspruch, die vorliegende Studie zeichnet jedoch ein uneinheitliches Bild: Zwar stimmen neun von zehn deutschen Privatanlegern zu, dass regelmäßige Fortbildung positive Effekte auf das Know-how ihres Beraters und das betreute Portfolio hat. Allerdings steht ein Viertel aller Privatanleger (26 Prozent) regelmäßigen Weiterbildungsprogrammen der Arbeitgeber ihrer Investmentmanager eher indifferent gegenüber beziehungsweise sieht darin keinen differenzierenden oder vertrauensbildenden Mehrwert. „Gute Ausbildung sollte im Interesse aller Marktteilnehmer sein. Die Finanzindustrie muss hier voranschreiten, das Thema weiter verankern und damit die Voraussetzungen für eine anleger- und anlagegerechte Finanzberatung schaffen“, so Spinner.

„Vertrauen im Investment Management fußt wesentlich auf dem Grad der Professionalisierung und der Glaubwürdigkeit eines Anbieters“, ergänzt Rhodri Preece, globaler Leiter Research des CFA Institute. „Der Einsatz neuer, innovativer Technologien - etwa KI - sowie personalisierte Finanzlösungen können dabei helfen, Mehrwerte für den Kunden zu schaffen und Vertrauen zu stärken“.

Wichtig sei ferner, nicht zuletzt angesichts der aktuellen Marktsituation, die persönliche Nähe im Arbeitsverhältnis zwischen Anbieter und Anleger. „Die hohe Bedeutung des Themas Vertrauen, welche die Studie für den Zeitraum vor Beginn des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie zeichnet, dürfte angesichts der Ungewissheiten und Herausforderungen der bevorstehenden Phase nach dem Stillstand eher zunehmen“.

Über die Studie Earning Investors’ Trust 2020 des CFA Institute

Für die Studie wurde weltweit 4.446 Anleger in 15 Ländern (Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Hongkong, Indien, Japan, Mexiko, Singapur, Südafrika, Vereinigte Arabische Emirate, Großbritannien und USA) befragt, davon 3.525 Privatanleger (Deutschland: 250) und 921 institutionelle Investoren (Deutschland: 75).

Die durchschnittliche Anlagesumme der befragten Privatanleger beläuft sich auf mindestens 100.000 US-Dollar.
Die befragten institutionellen Investoren (u.a. Pensions- und Staatsfonds, Stiftungen und Versicherungsgesellschaften) betreuen ein Vermögen von 50 Millionen US-Dollar oder mehr.

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