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CFA Society Umfrage zu den Folgen von 16 Monaten COVID und 12 Jahren Niedrigzins

Der Verband CFA Society Germany hat die Nachwuchs-Finanzprofis und Investmentmanager von morgen zu ihrer Sicht auf die größten Umbrüche am hiesigen Finanzplatz befragt. Mehr als 16 Monate COVID und 12 Jahre Niedrigzins haben tiefe Spuren hinterlassen. Wie erlebt die junge Generation die Folgen? CFA Society Germany | 12.07.2021 12:02 Uhr
© Photo by Jon Tyson on Unsplash
© Photo by Jon Tyson on Unsplash

Die CFA Society Germany, der mit rund 3.000 Mitgliedern größte Berufsverband für professionelle Investoren in Deutschland, hat die Nachwuchs-Finanzprofis und Investmentmanager von morgen zu ihrer Sicht auf die größten Umbrüche am hiesigen Finanzplatz befragt.

Mehr als 16 Monate COVID und 12 Jahre Niedrigzins haben tiefe Spuren hinterlassen. Wie erlebt die junge Generation die Folgen? Die CFA Society will ihnen eine Stimme geben. Jetzt reden Deutschlands Studierende: Wie wird die Finanzindustrie der Zukunft aussehen?

„Brot und Butter“-Themen aktueller denn je

Schwerpunkt der Umfrage waren die Themen Finanzbildung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie Integrität und Kapitalmarktethik am Standort Deutschland. „Trotz des Aufkommens neuer Innovationsthemen und der Hinwendung zu Digitalisierungstrends: Die Studierenden haben eine erstaunlich bodenständige Sicht auf die dringlichsten Herausforderungen, die ihrer Generation aus wirtschaftlichen Shutdowns und jahrelanger Schuldenpolitik entstehen“, kommentiert Susan Spinner, CFA, Geschäftsführender Vorstand der CFA Society Germany.

So zeigen sich die meisten Jüngeren besorgt hinsichtlich der Konsequenzen Corona-bedingter Neuschulden, ultralockerer Geldpolitik und zunehmender Kaufkraftverluste. Allen voran der kaum zu bewältigende Aufbau von Vermögen dürfte erhebliche Auswirkungen auf die Lebensumstände der jungen Bevölkerung haben. Die Generation Z (um die Jahrtausendwende geboren) kennt seit über 12 Jahren, also den überwiegenden Teil ihres Lebens, praktisch nur Märkte mit kaum oder ohne Zinsen. Schüler, Studenten und die breite Bevölkerung in Deutschland sollten aus ihrer Sicht daher besser zu den Herausforderungen des Niedrigzinsumfelds aufgeklärt werden. Dies denken 41 Prozent der Umfrageteilnehmer. Damit einher geht eine intensivere Beschäftigung mit der Aktienkultur in Deutschland (55 Prozent) sowie mit den Themen Altersvorsorge und Vermögensaufbau als Basis jeglicher Finanzbildung (54 Prozent)

Digitalisierung: Ausstattung und Inhalte

Die Erfahrungen der letzten Monate haben offengelegt, dass Deutschland im Bereich des digitalen Wandels noch einige Aufholbedarfe hat. 98 Prozent der Vertreter der jungen Generation sind allerdings davon überzeugt, dass Digitalisierung mit entsprechender Ausstattung und Infrastruktur helfen kann, um die Finanzbildung in Deutschland zu verbessern. Auf einer Schulnoten-Skala (1=beste Note) von 1 bis 6 bewerten sie die bisherige Nutzung der Digitalisierung für die Finanzbildung in Deutschland mit einer 4+. „Die Studierenden haben einige interessante Ideen in den Diskurs eingebracht, um Digitalisierung künftig produktiver für die Finanzbildung einzusetzen“, erläutert Susan Spinner. „So könnten etwa edukative Bewegtbild- und Multimedia-Inhalte mehr Personen frei zugänglich gemacht oder Online Banking- und Portfoliomanagement-Trainings bereits in Schulen behandelt werden“.

Mit Blick auf Inhalte möchten rund zwei Drittel der Teilnehmer (62 Prozent) mehr zum Thema Künstliche Intelligenz lernen. Jeder zweite junge Investmentexperte wünscht sich mehr Berücksichtigung der Themen Kryptowährungen (56 Prozent) und Blockchain (52 Prozent) am Finanzplatz Deutschland und im Curriculum der Hochschulen.

Nachhaltigkeit: Umweltbewusstsein und ESG-Themen

Das Thema Nachhaltigkeit sollte aus Sicht der Studierenden sowohl im Finanz- und Wirtschafts-Curriculum der deutschen Hochschulschulen ausgebaut, als auch im politischen Bereich zusätzlich aufgewertet werden. Zwei von drei Nachwuchs-Finanzprofis (65 Prozent) finden, dass das Thema noch zu wenig gelehrt wird. Fast die Hälfte der Teilnehmer (49 Prozent) hält die von Politik und Regulierungsbehörden angestoßenen Maßnahmen zur Aufwertung von Nachhaltigkeitskriterien in der Finanzbranche für noch nicht ausreichend.

Die Umfrageteilnehmer haben zahlreiche interessante Maßnahmenvorschläge für die Zusammenarbeit mit Wirtschafts- und Finanzhochschulen, Aufsichtsbehörden und politischen Gremien genannt: „Die Vorschläge reichen von der Etablierung eines funktionsfähigen Systems zur Bepreisung von CO2-Emissionen bis hin zu Exkursionen zu Regulierungsbehörden, um Nachhaltigkeitsmotive, Prioritäten und Lösungen noch besser nachzuvollziehen“, ordnet Susan Spinner ein. Die Größe des Themas zeigt sich nicht zuletzt am Arbeitsmarkt: Zahlreiche Marktakteure haben für die kommenden Jahre Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe in neue Arbeitsplätze, die auf ESG- und Klimathemen spezialisiert sind, angekündigt.

Fälle wie Wirecard und GameStop schärfen Blick für Finanzmarktintegrität

Das Thema Ethik hat bisher noch keinen Top-Stellenwert unter Studierenden der Finanz- und Wirtschaftswissenschaften. Knapp ein Fünftel steht dem Thema eher indifferent gegenüber. Fast jeder Zweite (46 Prozent) hält das Thema zumindest für interessant, immerhin einer von drei Befragten (31 Prozent) sogar für sehr interessant

Finanzmarktethik oder Kapitalmarktethik wird bislang an weniger als der Hälfte (46 Prozent) der befragten Universitäten gelehrt: In den meisten Fällen als eigener Kurs (60 Prozent) oder als Teil eines anderen Unterrichtsfachs der Fakultät (40 Prozent). Die Ergebnisse der Umfrage legen jedoch nahe, dass das Thema im Zusammenhang mit aktuellen Fragestellungen rund um Finanzmarktintegrität und Regulierung zunehmend mehr eingefordert wird: „Eine Mehrheit von fast 70 Prozent der jüngeren Finanzcommunity möchte in den Universitäten mehr zu Corporate Governance und Finanzmarktaufsicht lernen“, erläutert Susan Spinner. Anlass sind für viele die aktuellen Fälle Wirecard und Greensill Bank, die gezeigt haben, dass der deutsche Börsenplatz verwundbar sein kann. Wie international verflechtet der Markt ist, zeigte indes die Attacke von Kleinanlegern gegen leerverkaufende Hedgefonds im Fall Gamestop

„Die Generation Z ist mit der expansiven Geld- und Fiskalpolitik der letzten Dekade aufgewachsen und hat bisher wenig Erfahrung mit starken, freien Marktwirtschaften gemacht. Inwieweit sich Meinungsklima und Einstellungen gegenüber Vorgängergenerationen ändern, zum Beispiel in der Frage des Funktionierens marktwirtschaftlicher Kräfte versus staatliche Intervention, dies gilt es zu beobachten“, so Susan Spinner.

Fazit und Ausblick

Mit der Zinspolitik der letzten 12 Jahre und den pandemiebedingten Neuschuldenmaßnahmen der vergangenen 16 Monate bürden die derzeit politisch Verantwortlichen den Jüngeren erhebliche Verpflichtungen auf. Die Frage nach der Generationengerechtigkeit und Bilanz wird aufgeworfen. Die Qualität der Finanzbildung spielt bei der Adressierung dieser Herausforderungen eine wichtige Rolle – sei es bei Kenntnissen zu Inflationsgefahren und Risikostreuung oder zum Vermögensaufbau und (nachhaltigen) Anlageklassen. Das Thema ist als gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen: Es betrifft die universitäre und betriebliche Aus- und Weiterbildung mit Finanzschwerpunkt, als auch die Gesamtbevölkerung in der Breite.

Zur Methode der Umfrage Wie wird die Finanzindustrie von morgen aussehen?

Online-Befragung von Finanz- und Wirtschaftsstudierenden in Deutschland u.a. folgender Fakultäten: Frankfurt School of Finance and Management, Goethe Business School, RWTH Aachen, TH Nürnberg, Leibniz University Hannover und weitere.
Zeitraum: 18. Mai bis 23. Juni 2021 | Teilnehmer: 125.

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